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Mitteldeutschland 3800 sächsische Familien beantragen Baukindergeld
Region Mitteldeutschland 3800 sächsische Familien beantragen Baukindergeld
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19:58 19.04.2019
Das Baukindergeld bringt nach Ansicht von Kritikern den Wohnungsneubau kaum spürbar in Schwung.
Das Baukindergeld bringt nach Ansicht von Kritikern den Wohnungsneubau kaum spürbar in Schwung. Quelle: Armin Weigel/dpa
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Leipzig

Mieter bleiben hierzulande in der Überzahl. Nur jeder dritte sächsische Haushalt lebt in eigenen vier Wänden. In Thüringen liegt die Wohneigentumsquote immerhin bei 45 Prozent, bundesweit sind es 46 Prozent. Als Hauptursachen für die stagnierenden Eigentumsverhältnisse nennt eine Studie der Bausparkasse Schwäbisch neben knappem Bauland vor allem das fehlende Eigenkapital vieler Haushalte. Genau da setzt der Bund mit dem seit Herbst vorigen Jahres aufgelegten Baukindergeld den Hebel an. Um jungen Familien mit Kind die Tür zum eigenen Heim weit aufzutun, winkt beim Kauf selbst genutzter Immobilien ein staatlicher Zuschuss von 1200 Euro je Kind und Jahr, gezahlt über zehn Jahre – also 12 000 Euro pro Kind.

Großes Interesse in Sachsen

Das zeigt Wirkung: In Sachsen wurden seit November 3800 Anträge gestellt, in Thüringen waren es 2230. Im bundesweiten Vergleich liegen beide Länder damit im Mittelfeld auf dem siebenten und elften Rang. Spitzenreiter sind Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern, Schlusslichter Hamburg und Bremen. „Das Baukindergeld ist eine Erfolgsgeschichte, von der inzwischen über 140 000 Kinder profitieren“, lobte der zuständige Minister Horst Seehofer (CSU). Seit dem Programmstart seien bundesweit 83 000 Anträge gestellt und rund 1,7 Milliarden Euro an Fördermitteln gebunden worden.

Förderung als zusätzlicher Preistreiber

Doch es mehren sich auch kritische Stimmen. So weist der Bauherren-Schutzbund darauf hin, dass das Baukindergeld zum Kostentreiber werde. „Unsere Befürchtungen sind wahr geworden: Baufirmen schlagen die Förderprämie einfach auf die Kaufpreise drauf“, sagte Verbandschef Florian Becker. Die Preise steigen vor allem in Metropolregionen, in denen die Lage besonders angespannt ist. Davon profitieren auch die Bundesländer. „Die überwiegend hohe Grunderwerbssteuer in diesen Regionen sorgt mit dafür, dass Wohneigentum immer teurer wird. Der Verbraucher wird zusätzlich belastet“, sagte Becker. Für Ein- und Zweifamilienhäuser, aber auch für Eigentumswohnungen sei der Preis innerhalb eines Jahres um acht Prozent gestiegen.

Wohnungsneubau „völlig vernachlässigt“

Auch der Rat der Immobilienweisen, der sich aus Fachleuten der Branche zusammensetzt, weist auf den preistreibenden Effekt der staatlichen Zuschüsse hin. „Die Politik setzt die falschen Signale statt die richtigen Anreize,“ kritisiert Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien-Ausschusses. Der Wohnungsneubau werde in Deutschland „völlig vernachlässigt“. Auswertungen hätten zudem gezeigt, dass vor allem die Familien profitieren, die auf die Förderung nicht angewiesen wären, ergänzte der Verband und verwies auf eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. „Für die Haushalte mit geringen Einkommen bestehen die eigentlichen Probleme aber fort“, so der Rat. Dazu zählten neben dem angespannten Wohnungsmarkt auch die hohen Erwerbsnebenkosten. Die Experten rechnen mit weiter steigenden Mieten und Kaufpreisen, zunehmend auch im Umland der Großstädte.

Förderung für Wohneigentum im ländlichen Raum

Um die Lage zu entkrampfen, fördert die sächsische Regierung Wohneigentum im ländlichen Raum durch zinsgünstige Darlehen. Bislang seien 45 Anträge im Umfang von 3,4 Millionen Euro gestellt worden, teilte das Innenministerium auf LVZ-Anfrage mit. So sollen vor allem junge Familien angesprochen werden, die aufs Land ziehen wollen. Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) hofft, damit nicht nur das Leben auf dem Dorf zu aktivieren, sondern auch den Druck aus dem angespannten Wohnungsmarkt in den Großstädten zu nehmen. Bei der Förderung von selbst genutztem Wohneigentum für Familien mit Kindern liege die Resonanz über den Erwartungen, sagte ein Ministeriumssprecher. So wurden in den vergangenen beiden Jahren insgesamt fast 109 Millionen Euro an 900 Familien als 2Förderdarlehen ausgereicht. Bis zum 9. April dieses Jahres seien bereits 303 Anträge im Umfang von rund 30 Millionen Euro eingegangen, von denen der größte Teil bereits bewilligt sei, so der Ministeriumssprecher.

Von Winfried Mahr