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Mitteldeutschland Einheitsbericht: Sachsen hat jetzt Saarland-Niveau
Region Mitteldeutschland

30 Jahre nach dem Mauerfall: Sachsen hat jetzt Saarland-Niveau

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07:33 17.09.2020
Die Flagge von Sachsen. Der Freistaat zählt zu den ostdeutschen Topverdiener-Ländern. Quelle: Monika Skolimowska/ZB/dpa
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Dresden

30 Jahre nach der Wiedervereinigung hat der Osten Deutschlands weiter aufgeholt, wenn auch in kleinen Schritten. Dem am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit zufolge liegt die durchschnittliche Wirtschaftskraft der ostdeutschen Bundesländer mit Berlin aktuell bei 79,1 Prozent des gesamtdeutschen Durchschnitts.

Damit habe sich die Wirtschaftskraft im Osten seit 1990 vervierfacht und sei der in vielen französischen Regionen vergleichbar, sagte der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU). Zugleich habe auch 30 Jahre nach dem Fall der Mauer noch kein östliches Flächenland das Niveau des westdeutschen Landes mit der niedrigsten Wirtschaftskraft erreicht.

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Auch im europäischen Vergleich hat Ostdeutschland aufgeschlossen

Bei den verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte haben dagegen Brandenburg und Sachsen mittlerweile das Niveau des Saarlandes übertroffen. So lag das durchschnittlich verfügbare Jahreseinkommen aller Sachsen im Jahr 2018 bei 20.335 Euro und aller Brandenburger bei 20.475 Euro – und damit höher als das der Saarländer (mit 20.277 Euro). Als nächstes könnten die beiden ostdeutschen Topverdiener-Länder Brandenburg und Sachsen mit ihrem Einkommen zu Bremen, Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen aufschließen. Diese Länder sind, nach dem Saarland, die einkommensschwächsten des Westens. Weiter hinter der 20.000-Euro-Marke liegen dagegen Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Insgesamt lagen die verfügbaren Haushaltseinkommen im Osten 2018 aber weiterhin nur bei 88,3 Prozent des Bundesdurchschnitts. Zugleich ist die Arbeitslosen- und Armutsrisikoquote in einigen Ost-Ländern und Berlin mittlerweile unter dem Niveau von einzelnen westdeutschen Ländern.

Auch im europäischen Vergleich hat Ostdeutschland aufgeschlossen. Die Bandbreite reiche von 84 Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in Mecklenburg-Vorpommern bis 99 Prozent für die Stadtregion Leipzig.

Bildungsniveau , Umwelt- und Wohnqualität besonders gut

Eine besondere Stärke des Osten ist laut Wanderwitz das Bildungsniveau der Erwerbsbevölkerung. Auch die Umweltqualität und die Qualität des Wohnens seien heute höher als in den meisten anderen deutschen Regionen.

Aus Sicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) haben sich Ost und West bei wichtigen Themen angenähert. So seien heute im Westen deutlich mehr Mütter mit kleinen Kindern erwerbstätig – vor allem dort, wo viele Menschen aus dem Osten zugezogen seien. Soziale und kulturelle Normen in westdeutschen Regionen hätten sich durch den Zuzug offenbar verändert, teilte das Institut mit. „Die Erwartung war lange Zeit: Der Osten muss sich dem Westen anpassen“, sagte Institutsleiter Marcel Fratzscher. „Die Untersuchungen zeigen, dass beide sich aneinander angepasst haben.“

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Nach wie vor aber gibt es demnach große Unterschiede beim Alterseinkommen. Ältere Menschen im Osten erreichen beim Haushaltsnettoeinkommen seit Jahrzehnten nur 80 Prozent des Westniveaus. Daran wird sich aus Sicht des DIW auch nicht so schnell etwas ändern.

Von dpa

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