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Mitteldeutschland Mutmaßlicher Kindermörder (76) in Sachsen gefasst
Region Mitteldeutschland Mutmaßlicher Kindermörder (76) in Sachsen gefasst
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12:13 30.01.2019
Ramona Kraus auf einem Polizei-Foto aus dem Jahr 1997. Der mutmaßliche Mörder der Zehnjährigen wurde nun in Sachsen gefasst. Quelle: dpa/Polizei
Erfurt

Rund 23 Jahre nach dem Mord an einer Zehnjährigen aus Thüringen hat die Polizei einen Verdächtigen gefasst. Der Mann sei am Dienstag in Mühltroff - einem Ortsteil der sächsischen Stadt Pausa im Vogtland - festgenommen worden, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Er sollte noch am selben Tag einem Haftrichter am Amtsgericht Gera vorgeführt werden, wie das Innenministerium in Erfurt mitteilte.

Der 76-Jährige sei dringend verdächtig, im August 1996 in Jena die damals zehnjährige Ramona Kraus getötet zu haben. Er soll das Kind nahe eines Einkaufszentrums im Stadtteil Winzerla angesprochen haben und es dann mit seinem Auto an einen unbekannten Ort gebracht haben, wo er das Mädchen tötete. Die Leiche soll er dann etwa 130 Kilometer entfernt nahe der Grenze zu Hessen in einem Waldstück bei Treffurt im Wartburgkreis abgelegt haben. Rund ein halbes Jahr später entdeckte ein Jäger dort den Schulranzen des Kindes. Wenige Tage später wurden Leichenteile gefunden.

Zweiter Verdächtiger war nicht der Mörder

Im vergangenen Jahr war bereits ein anderer Mann als Verdächtiger ermittelt worden. Der Mann sitze zwar weiter in Untersuchungshaft, aber aufgrund anderer Vorwürfe, hieß es nun. In Bezug auf den Kindermord gelte er nicht mehr als tatverdächtig, sagte ein Sprecher der Landespolizeidirektion. Bei seiner Festnahme im August hatte die Polizei noch von einem "Durchbruch" im Fall Ramona gesprochen.

Ins Visier der Ermittler geriet der jetzige Verdächtige durch die Arbeit der sogenannten Soko Altfälle der Landespolizeiinspektion Jena. Diese hat bereits andere viele Jahre zurückliegende Tötungsverbrechen aufgeklärt.

So wurde etwa ein von der Sonderkommission aufgespürter Mann im vergangenen November in Gera wegen Mordes an der damals zehnjährigen Stephanie zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann im August 1991 das Mädchen aus Weimar entführt und missbraucht hat. Danach warf er sie dann laut Urteil von der Teufelstalbrücke an der Autobahn 4.

"Soko Altfälle" nutzt neue Fahndungsmethoden

„Bei so lang zurückliegenden Fällen ist die Ermittlungsarbeit oft sehr schwierig“, teilte Innenminister Georg Maier (SPD) am Mittwoch mit. Die Erfolge der Soko machten deutlich, dass es sich lohne, auch scheinbar unlösbare Fälle nicht aufzugeben und mit unkonventionellen Ermittlungsmethoden oder neuer Technik weiter nach Lösungen zu suchen. Angewendet würden "moderne Methoden der Forensik und der Informationstechnologie", erklärte die Polizei. Am Nachmittag sollen auf einer Pressekonferenz weitere Details zum Fall bekanntgegeben werden.

Die Soko wurde 2016 eingesetzt, nachdem am Fundort einer Kinderleiche in Franken eine DNA-Spur des Thüringer NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt entdeckt worden war. Diese erwies sich jedoch als eine Verunreinigung bei der Spurensicherung.

Von RND/dpa/nöß