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Mitteldeutschland 160 Praxisberater helfen Schülern in Sachsen bei der Berufsorientierung
Region Mitteldeutschland 160 Praxisberater helfen Schülern in Sachsen bei der Berufsorientierung
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16:18 30.01.2019
Praxisberaterin Mariana Franz hilft den Schülern der 25. Oberschule seit fast fünf Jahren bei ihrem Weg der Berufsorientierung. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Seit Schuljahresbeginn 2018/2019 sind in Sachsen insgesamt 160 Praxisberater an Oberschulen tätig – 18 davon in Dresden. Ihr Ziel ist es, sächsische Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7 und 8 individuell auf ihrem Weg der Berufsorientierung unterstützen. Gestartet war das Projekt bereits im Schuljahr 2013/2014 an 50 Oberschulen. Mariana Franz war damals mit dabei – als eine der fünf ersten Praxisberater hier in Dresden.

Seit fast fünf Jahren ist sie nun an der 25. Oberschule „Am Pohlandplatz“ tätig und begleitet ihre Schützlinge bei der Berufsorientierung. Das Projekt ist für die 13- bis 14-Jährigen freiwillig. „Man stellt den Eltern das Vorhaben vor. Diese können dann über die Teilnahme entscheiden“, so Franz. An der 25. Oberschule sei die Beteiligung laut der Beraterin aber sehr hoch. „Ich denke, der stetige Zuwachs an Praxisberatern in Sachsen spricht auch für das Projekt an sich. Die Schulen waren am Anfang sehr skeptisch – aber es spricht sich rum. Nun sind es schon 150 Schulen, die am Projekt teilnehmen.“

Der Fokus liegt auch auf Feinmotorik, Selbstständigkeit und Sozialkompetenzen

Ihre Arbeit mit den Jugendlichen verteilt sich über zwei Schuljahre. „In der siebten Klasse beginnt man mit einer Potenzialanalyse, um herauszufinden, wer welche Stärken hat. Ich beobachte Schüler in Einzel- und Gruppenarbeit und achte dabei unter anderem auf Feinmotorik, Selbstständigkeit und Sozialkompetenzen. Zudem schätzen sich die Schüler dort auch selbst ein. Wichtig ist: Ich bin keine Lehrerin. Mein Eindruck ist deswegen rein stärkebezogen – fernab von Zensuren“, erklärte Franz.

Bei einem Auswertungsgespräch mit dem Praxisberater wird dann zusammen überlegt, was man gut kann. „Anschließend setzte ich mich noch mal mit dem jeweiligen Schüler und den Eltern zusammen, um heraus zu finden, wie weit die Berufsorientierung schon fortgeschritten ist. Das kann in dem Alter sehr unterschiedlich sein: vom konkreten Wunsch bis zu keiner wirklichen Vorstellung“, sagte Franz.

Ab der achten Klasse können die Teilnehmer dann aus verschiedenen Berufsorientierungsmodulen auswählen. „In diesem Rahmen finden etwa 15 bis 20 Betriebserkundungen statt. Schüler können dabei selbst sehen, wie der eine oder andere Ausbildungsberuf abläuft“, erzählte Franz. Aber auch ein Bewerbungsworkshop oder Praxistage werden angeboten. „Dabei üben wir, wie man sich im Praktikum richtig verhält und die Schüler können noch einmal drei verschiedene Ausbildungsberufe in Unternehme erkunden“, verriet Franz. Die Schüler müssen in der 8. und 9. Klasse jeweils ein 14-tägiges Pflichtpraktikum absolvieren. „Von daher ist es gar nicht schlecht, wenn sich die Schüler bereits vorher mit ihren Stärken auseinander setzen und wissen, wie man überhaupt eine Bewerbung schreibt“, weiß Franz.

Ausbildungsabbruch, Frustration und Demotivation vorbeugen

Am Ende der 8. Klasse geben die Praxisberater ihre Arbeit an einen Berufsberater der Bundesagentur für Arbeit ab. Während die Praxisberater noch bei der Orientierung helfen, unterstützen die Berufsberater anschließend bis zum Übergang in die Ausbildung. Bei einem persönlichen Gespräch trifft man sich und spricht die einzelnen Klassen Schüler für Schüler durch. „Das ist gut durchdacht. Die gesammelten Informationen versiegen nicht einfach, sondern dienen als Grundlage die weitere Arbeit der Berufsberater der Bundesagentur für Arbeit“, findet Franz.

Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit, sagte zustimmend: „ Die Praxisberater leisten eine wichtige Vorbereitung, auf deren Ergebnisse die Berufsberater aufsetzen können. Talente sieht man auf den ersten Blick nicht bei jedem. Genau hier setzen die Praxisberater an und bringen die Talente gemeinsam mit jungen Menschen ans Licht. Das ist für die Berufswahl enorm wichtig.“

Auch Kultusminister Christian Piwarz (CDU) lobte das Projekt: „Die Praxisberater schaffen mit ihrer Arbeit eine ganz wesentliche Basis der Beruflichen Orientierung. Wenn die Schüler ihre Fähigkeiten und Stärken kennen, können sie eine gute berufliche Entscheidung treffen.“ Zudem verringere eine systematische Berufsorientierung Piwarz zufolge maßgeblich Ausbildungsabbruch, Frustration und Demotivation im beruflichen Werdegang. Im Jahr 2019 sollen deswegen laut dem Kultusministerium an weiteren Oberschulen Praxisberater eingesetzt werden.

„Man sieht, dass es sich lohnt – ich habe das Gefühl, damit etwas zu bewirken“, berichtete Franz über ihre Arbeit. Jedes Jahr freue sie sich wieder auf die Liste des Schulleiters, auf der steht, wo es die Schüler schließlich hin verschlägt – so auch schon im kommenden Jahr 2019.

Von Annafried Schmidt

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