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Der Osten Sehr wenig Corona-Fälle auf Rügen: Insel will Modellregion für Öffnungen werden
Region Der Osten

Sehr wenig Corona-Fälle auf Rügen: Insel will Modellregion für Öffnungen werden

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11:40 02.03.2021
Die ersten beiden Testhelfer-Schulungen des DRK-Kreisverbandes Rügen-Stralsund sind in dieser Woche gestartet und unterstützen damit im Landkreis Vorpommern-Rügen die Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung.
Die ersten beiden Testhelfer-Schulungen des DRK-Kreisverbandes Rügen-Stralsund sind in dieser Woche gestartet und unterstützen damit im Landkreis Vorpommern-Rügen die Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung. Quelle: DRK
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Bergen

Während bundesweit medial über testweise Lockerungen in der Hansestadt Rostock diskutiert wird, empfiehlt sich ein anderer Musterschüler mit niedriger Inzidenz als Modellregion. Im Landkreis Vorpommern-Rügen lag die Inzidenz zeitweise bereits unter 15. Mit aktuell 22,3 (Stand Montag) liegt sie immer noch unter dem Bundes- und Landesdurchschnitt und eben auch jener von Rostock (25,8). Daher fordern nun Verbände und Unternehmen, Lockerungen auf der Insel Rügen vorzunehmen.

Die ohnehin moderate Inzidenz im Landkreis liegt bezogen auf die Einwohnerzahl nämlich immer noch etwa viermal so hoch wie auf der Insel, wo am Montag elf Fälle auf die 60 000 Insulaner kommen. Gerade Rügen eigne sich auch der Insellage wegen bestens zur Erprobung neuer Technologien zur Nachverfolgung, so der Tenor.

Inzidenz auf Rügen noch einmal niedriger als im Landkreis

Nach den Lockerungen für Friseure und körpernahe Dienstleistungen murren auch immer mehr Händler, Gastronomen und Einwohner und fordern Belohnungen für die bisher an den Tag gelegte Disziplin. „Solange keine Gäste kommen dürfen, sehe ich Lockerungen für Rügen als gefahrlos an“, sagt der Lohmer Hotelier Matthias Ogilvie.

Die Politik müsse jetzt pragmatisch und zielgenau reagieren und eine kluge Strategie mit kostenlosen Tests für alle Bürger erarbeiten, die eine Nachverfolgung von Infektionen mit Hilfe digitaler Apps erleichtere, meint Ogilvie, der auch Mitglied im Präsidium der IHK ist. „Es gibt die Möglichkeit, Corona auszuhungern“, glaubt er. „Vier Monate sind genug, wir können einfach nicht mehr.“

Landkreis ist Pilotprojekt bei Software für Gesundheitsamt

Nach der Öffnung vom Monatsanfang möchte sich auch Landrat Stefan Kerth (SPD) nun dafür einsetzen, den Einzelhandel so schnell wie möglich wieder zu öffnen. Der Handel habe wirksame Hygienekonzepte entwickelt, die konsequent umgesetzt werden müssten. „Wir kommen mit dem Impfen unserer besonders gefährdeten Mitmenschen gut voran und unsere Gesundheitsämter sind sehr gut in der Lage, frühzeitig Infektionsketten aufzuspüren und zu brechen.“

Die Gesundheitsämter der Landkreise Reutlingen und Vorpommern-Rügen seien bundesweit die ersten zwei Pilot-Gesundheitsämter bei der verknüpften Nutzung von gleich drei maßgeblichen Meldesoftwareprodukten der Gesundheitsämter. „Dadurch haben wir eine enorme Zeitersparnis bei der Datenübermittlung. Gern würden wir auch weitere Meldesoftware wie die zurzeit diskutierte LUCA-App in unser System einbinden“, so Kerth.

„Dass das noch nicht digital funktioniert, ist ein Trauerspiel“

Auch Kay Plümecke würde den versuchsweisen Einsatz zeitgemäßer Technik begrüßen „Eine Modellregion? Warum nicht, wenn das technisch machbar ist und keine negativen Auswirkungen hat“, findet der Betreiber der Gastwirtschaft am Markt in Bergen. „Kontaktzettel habe ich tonnenweise, danach hat aber noch nie jemand gefragt.“

Bis die Zettel im Bedarfsfall ausgewertet werden könnten, gingen aber bestimmt noch einmal zwei Tage ins Land und wenn dann jemand falsche Angaben gemacht habe, sei der Zettel Makulatur. „Dass das noch immer nicht digital funktioniert, ist ein Trauerspiel“, findet Plümecke.

Eine vorzeitige Öffnung könne allerdings nur bedingt Erkenntnisse bringen. „Touristen kämen ja immer noch nicht oder allenfalls aus dem eigenen Bundesland, wo das Problem hoher Inzidenzen ja weiterhin besteht.“

„Aufenthalt ist nicht Problem, sondern das Reisen“

Das sieht auch Charis Schalley so. „Modellregion“ bedeute, in Rostock oder Rügen früher zu lockern als in anderen Regionen. „Damit dürften aber kaum Reisebewegungen gemeint sein“, glaubt die Chefin des Parkhotel Rügen in Bergen. „Das wäre auch kontraproduktiv. Schließlich ist der Aufenthalt nicht das Problem, sondern das Reisen.“ Für Geschäftsreisende ist unser Haus auf Sparflamme ohnehin bereits geöffnet.“

Die Landesregierung betont indes, dass die Inzidenzzahl nicht alleiniges Kriterium sein dürfe. Auch die Belastung der Krankenhäuser, der Stand der Impfungen sowie der Fortschritt beim Testen seien zu berücksichtigen.

„Der Wunsch nach Corona-Lockerungen ist verständlich. Das Thema Testregionen werden wir aber im nächsten MV Gipfel weiter diskutieren“, sagt Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU).

Von Uwe Driest