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Der Osten Rostocker Grüne wollen Aida-Schiffe als Notunterkünfte für Moria-Flüchtlinge nutzen
Region Der Osten

Brand in Moria: Aida-Kreuzfahrtschiffe als Notunterkünfte für Flüchtlinge gefordert

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09:38 16.09.2020
In den sozialen Medien im Internet fordern Grünen-Politiker, Kreuzfahrtschiffe als schwimmende Notunterkünfte für Flüchtlinge zu nutzen.
In den sozialen Medien im Internet fordern Grünen-Politiker, Kreuzfahrtschiffe als schwimmende Notunterkünfte für Flüchtlinge zu nutzen. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa (Symbolfoto)
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Rostock

Werden Flüchtlinge aus dem griechischen Lager Moria bald auf Rostocker Schiffen untergebracht? Ja – zumindest wenn es nach den Grünen geht: Der Rostocker Grünen-Chef und Landtagskandidat Uwe Flachsmeyer fordert den Einsatz von Kreuzfahrt-Schiffen als schwimmende Flüchtlingsunterkünfte vor der Insel Lesbos. An der Hilfsaktion soll sich auch der Rostocker Branchenprimus Aida Cruises beteiligen. „Die Schiffe dürfen derzeit nicht mit Urlaubern auslaufen. Sie könnten aber helfen, eine humanitäre Katastrophe zu verhindern“, so Flachsmeyer.

Seit einem Großbrand vor mehr als einer Woche sind bis zu 15 000 Flüchtlinge in Griechenland ohne Bleibe. Die EU-Staaten streiten weiter über eine Aufnahme und Verteilungen der Menschen.

Am Dienstag bekannte sich die Spitze der Bundesregierung dazu, etwa 1500 Flüchtlinge aus dem Lager auf Lesbos aufnehmen zu wollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) wollten noch am Abend der Unionsfraktion im Bundestag vorschlagen, 400 Familien mit Kindern aufzunehmen. Der Vorschlag aber ist selbst innerhalb der CDU weiter umstritten – denn einige Flüchtlinge hatten das Lager selbst angezündet. Offenbar wollten sie damit ihre Weiterreise erzwingen und gegen die katastrophalen Zustände im Lager protestieren.

Schiffe als Notlager?

Während die EU-Staaten streiten, sollen Kreuzfahrtschiffe die Lösung sein: Dort seien die Flüchtlinge sicher, könnten versorgt werden – auch medizinisch. „Die Europäische Union sollte den Reedereien ein Angebot machen. Niemand kann erwarten, dass die Unternehmen diese Hilfe kostenlos anbieten“, sagt der Rostocker Grünen-Frontmann Flachsmeyer. Aber: „Auch ‚unsere‘ Reederei, Aida Cruises, könnte damit ein Zeichen für Menschlichkeit und Solidarität setzen.“

Die Idee, Kreuzfahrtschiffe für Flüchtlinge zu nutzen, ist in Brüssel schon seit Monaten ein Thema: Katarina Barley, Vize-Präsidentin des Europaparlaments und ehemalige SPD-Bundesfamilienministerin, hatte den Vorschlag bereits im April an die Kommission gemeldet. Doch damals war der Bedarf nicht vorhanden. Auch aus der CDU kommt Unterstützung für den Grünen-Vorstoß: Friedrich Merz – nach wie vor als Kanzlerkandidat bei den Christdemokraten gehandelt – hat ebenfalls schwimmende Notlager ins Gespräch gebracht.

Im April hatte bereits der Gründer der Bonner Reederei Phoenix, Johannes Zurnieden, sein Schiff „Albatros“ angeboten. Etwa 45 Euro pro Person und Tag würde nach seinen Berechnungen die Unterbringung auf einem Schiff kosten. Die EU hatte den Vorschlag abgelehnt.

Ministerin Drese: Nur eine Notlösung

Nach Ansicht von Landessozialministerin Stefanie Drese (SPD) wären Kreuzfahrtschiffe aber allenfalls eine „absolute Notlösung“. Priorität müsse jetzt die Organisation konkreter Hilfe für die nach dem Brand von Moria obdachlos gewordenen Flüchtlinge haben.

Drese: „Es ist deshalb gut, dass Deutschland zusätzlich rund 1500 weitere Migranten aufnehmen will. Hier muss jetzt schnell geholfen werden. Mecklenburg-Vorpommern wird sich selbstverständlich daran beteiligen.“ Viele Städte in ganz Europa haben ihre Bereitschaft erklärt, Menschen von Lesbos sofort und unkompliziert aufzunehmen – darunter auch Rostock.

Kreuzfahrtverband: Erst Politik gefordert

Der Kreuzfahrtverband Clia äußert sich zurückhaltend: „Wir alle sehen mit großer Sorge und Mitgefühl auf die Situation auf Lesbos und anderen griechischen Inseln. Die Idee, Kreuzfahrtschiffe als Unterkunft für Geflüchtete einzusetzen, ist in der Vergangenheit schon mehrfach diskutiert und schlussendlich nicht weiter verfolgt worden. Ob Kreuzfahrtschiffe in der aktuellen Situation zu einer Lösung beitragen könnten und dies von den Beteiligten erwogen wird, können wir nicht beantworten“, so Clia-Direktor Helge Grammerstorf.

Von Andreas Meyer/Ostsee-Zeitung