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Wissen Wutausbrüche: „Ich manipulierte und demütigte meine Partner“
Nachrichten Wissen Wutausbrüche: „Ich manipulierte und demütigte meine Partner“
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07:30 25.09.2019
ILLUSTRATION - um Themendienst-Bericht von Amelie Breitenhuber vom 16. September 2019: Die Kollegin bricht regelmäßig in Schimpftiraden aus? Schweigen und Ausharren ist dann die die falsche Strategie. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++ Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn
Hannover

Als das Glas mit den Kaffeebohnen erst Marks Kopf traf und dann auf dem Küchenboden explodierte, zersprang auch etwas in mir. Ich hatte das Gefühl, rasend schnell in ein dunkles, tiefes Loch zu fallen und nur einen Augenblick später in Schuldgefühlen und Verzweiflung zu versinken. Was hatte ich um Himmelswillen getan? Wie konnte unser Streit nur dermaßen eskalieren? Ich war so geschockt über mich, dass ich nicht einmal schaute, wie es Mark ging und einfach rausrannte. Nur weg.

Doch vor mir selbst konnte ich nicht flüchten. Eben so wenig wie vor dem Wissen: So konnte es nicht weitergehen. Ich war Anfang 40 und zerstörte über kurz oder lang jede Beziehung, weil ich meine Gefühle nicht im Griff hatte. Meine erste Ehe war nach 10 Jahren daran gescheitert und nun auch die Liebe zu Mark. Ich weiß nicht mehr, wie oft er vorher schon zu mir gesagt hatte: ‚Mareike’ hör’ bitte auf. Ich halte das nicht mehr aus.’ Dieses Mal hatte ich eine Grenze überschritten, das war klar.

Wut und Hassgefühle breiteten sich in Windeseile in mir aus.

Wenn mich ein Wort kränkte, wollte ich ihn verletzen

Worum es in dem Streit ging, weiß ich gar nicht mehr. Der Grund spielte in Wirklichkeit auch nie eine Rolle. Es ging – das weiß ich heute – nicht um die liegengelassenen Socken vor dem Wäschekorb, sondern um vermeintlich mangelnde Anerkennung für meine Arbeit im Haushalt, die ich empfand. Mich störte eigentlich auch nicht, dass Mark sich mit seinen Freunden zum Fußballgucken verabredete. Ich fühlte mich zurückgesetzt, weil ich mich selbst nicht wertschätzte. Letztlich ging es immer darum: Ich liebte mich nicht und konnte deshalb auch die Männer an meiner Seite nicht wirklich lieben. Ich gab ihnen die Schuld für die Leere, für den Mangel, den ich empfand. Wenn mich ein Wort von Mark kränkte, wollte ich ihn auch verletzten. Immer mit der Hoffnung, er würde endlich verstehen, wie es mir ging. Verrückt rückblickend.

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Dann verwandelte ich mich in einen Menschen, den ich selbst nicht leiden konnte und vor dem ich mich sogar fürchtete. Wut und Hassgefühle breiteten sich in Windeseile in mir aus. Wie in einem Schnellkochtopf stieg der Druck unaufhaltsam in mir – bis ich innerlich vibrierte und komplett ausrastete. Ab diesem Moment gab es kein Halten mehr, ich wurde nicht nur laut, sondern auch unfassbar verletzend. So wie meine Mutter.

Meine Mutter schlug auf meinen Vater ein

Es hat lange gedauert bis ich verstand, dass ich ihr Erziehungsmodell übernommen habe und es an meinen Männern auslebte. Obwohl ich niemals so werden wollte wie sie, war ich nun auf dem besten Weg. Zuneigung, das erlebte ich von klein auf, war in unserer Familie untrennbar mit emotionaler Erpressung, Erniedrigung und Gewalt verbunden. Nach dem Motto: Wenn du nicht machst, was ich möchte, mag ich dich nicht mehr - und du musst die Konsequenzen tragen. Und die waren grausam. Ich erinnere mich bis heute daran, wie meine Mutter meinen Vater anschrie oder sogar auf ihn einschlug. Mit ihrer Stimme und ihrem Blick hätte sie die Hölle vereisen können. Später drangsaliert und manipulierte sie mich bis sie starb.

Jetzt lebe ich allein und es ist ok.

Nach der Trennung von Mark machte ich zwei Therapien. Außerdem bildete ich mich psychologisch weiter, um mir selbst besser helfen zu können. Auf einer Selbstkontroll-Skala von 1 bis 10 kann ich mich mittlerweile in Konflikten auf 4 oder 5 runterregulieren. Dann verlasse ich die belastende Situation und stelle mir viele W-Fragen: Warum fühle ich mich gerade so schlecht? Wieso sollte der andere mich absichtlich verletzten wollen - oder ist es mein inneres Kind, das gerade trotzig und wütend wird? Es ist schwer, gegen die eigene Erziehung anzukämpfen. Gegen ein Programm, das automatisch anspringt und sagt: Angriff ist die beste Verteidigung. Selbst wenn das Gegenüber nicht mal an eine Attacke denkt.

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Ich muss jeden Tag an mir arbeiten

Nach Mark hatte ich zwei Beziehungen, die auch beide gescheitert sind. Jetzt lebe ich allein und es ist ok. Auch weil ich mich vor Rückschläge ängstige, die in einer neuen Partnerschaft wieder aufflammen könnten. Ich muss jeden Tag an mir arbeiten. Hilfreich finde ich den Gedanken, dass jeder von uns zwei Wölfe in sich trägt, einen guten und einen bösen. Und wir entscheiden, welchen wir ernähren. Ich möchte nur noch meinen guten Wolf füttern.

RND/aufgeschrieben von Stephanie Arndt

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