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Wissen Wie lange lebe ich noch? So seriös sind Tests zur Bestimmung des Todestages
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13:05 06.09.2019
Würden Sie wissen wollen, wann Sie sterben? Forscher haben jetzt einen Bluttest entwickelt, der Auskunft über Sterberisiko und Krankheitsverlauf geben soll.
Hannover

Sie heißen Todesuhren oder Todestagtest oder Wann-sterbe-ich. Im Internet haben sich einige sogenannte Tests eingenistet, die behaupten, mit ihnen könne man seinen Todeszeitpunkt ermitteln. Wenn man das will.

Todesuhren nichts für Nervenschwache

Wer das möchte, muss Fragen beantworten. Solche etwa: Wie lange schläfst du täglich? Überquerst du die Straße auch bei Rotlicht? Hast du viel Kummer? Wie oft bist du krank? Oder: Du wirst von einem Auto überfahren. Was ist die wahrscheinlichste Ursache? Eine mögliche Antwort darauf lautet: „Ich habe mich auf die Straße gelegt.“ Na ja.

Doch auch wenn es sich um absurde Methoden zu handeln scheint: Für denjenigen, der sich dort durchklickt, wird die Angst vor dem Ergebnis von Frage zu Frage größer, irgendwann bedrohlich groß. Eine der Plattformen warnt zu Beginn denn auch, dass der Test nichts für Nervenschwache sei. „Mitmachen sollte nur, wer schwarzen Humor gut erträgt“, heißt es da.

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Bluttest zur Bestimmung des Sterberisikos

Nicht nur solche „Tests“ drehen sich um die Vorhersage des möglichen Ablebens. Die Frage beschäftigt die Wissenschaft schon länger. Laut Statistik wird eine Frau in Deutschland 83, ein Mann 78 Jahre alt. In der Realität sagt das Lebensalter allein aber oft wenig über den Gesundheitszustand aus. Manche Menschen sind bis weit in ihre Achtziger und Neunziger noch fit, andere sterben schon mit 60 an einem Herzinfarkt oder einem Krebsleiden. Voraussagen lässt sich das bislang nicht.

In Zukunft könnte schon ein einfacher Piks Aufschluss über den Zeitpunkt des Ablebens geben. Deutsche und niederländische Forscher haben einen Bluttest entwickelt, mit dem sich das Sterberisiko bestimmen oder zumindest der Zeitraum des Sterbens eingrenzen lässt. Ihre Studie ist jetzt im Fachjournal „Nature Communications“ erschienen und hat auch in der Fachwelt für gemischte Gefühle gesorgt.

14 verschiedene Biomarker sollen Auskunft geben

Die Untersuchung bestimmter Eiweiße, Fette und anderer Stoffwechselsubstanzen im Blut erlaube die Abschätzung des längerfristigen Sterberisikos eines Menschen, schreiben die Forscher um Joris Deelen, Humangenetiker am Leiden University Medical Center in den Niederlanden und am Max-Planck-Institut für die Biologie des Alterns in Köln. Das Forscherteam identifizierte 14 sogenannte Biomarker, mit deren Hilfe sich die statistische Wahrscheinlichkeit errechnen lässt, innerhalb der nächsten fünf und innerhalb der nächsten zehn Jahre zu sterben.

Biomarker sind für die Medizin oder Biologie messbare Parameter, die etwa auf Krankheiten oder Umweltbelastungen hindeuten. Bei der Krebsdiagnostik sind diese Marker inzwischen oft von entscheidender Bedeutung.

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Daten zur Hilfe bei der Therapieplanung

Bei der aktuellen Studie sollen sie jedoch nicht der Bestimmung von Krankheiten dienen. Vielmehr sollen sie die – statistische – Wahrscheinlichkeit vorhersagen, dass ein Patient in dem definierten Zeitraum stirbt. Doch wozu ist das notwendig?

Eine höhere Konzentration an Glukose oder Lactat gehe beispielsweise mit einem höheren Sterberisiko einher, eine höhere Konzentration an den Aminosäuren Histidin und Leucin oder des Bluteiweißes Albumin mit einem geringeren. Den Forschern zufolge könne ein Test, der die identifizierten Faktoren berücksichtigt, Ärzten helfen, die Therapie ihrer Patienten besser zu planen. Etwa wenn es darum geht zu entscheiden, ob ein älterer Patient für eine Operation zu gebrechlich ist oder nicht.

Die Forscher hoffen, dass solche Tests zum Sterberisiko in Zukunft zur Klinikroutine gehören werden. Bevor sie jedoch Anwendung fänden, müssten weitere Studien folgen, räumen sie ein.

Mit einem neu entwickelten Bluttest sollen sich Lebens- und Krankheitserwartung besser definieren lassen.

Kritik: Diskriminierung von Patienten möglich

Unabhängige Medizinethiker äußern sich allerdings entsetzt über die Methode. Eine derartige Todesrisikovorhersage bringe zahlreiche Herausforderungen und Gefahren mit sich, sagt etwa Annette Rogge, Vorsitzende und Geschäftsführerin des Klinischen Ethikkomitees am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH). „Wie verhindern wir, dass statistische Risikoeinschätzungen einen zu hohen Stellenwert in der Therapiezielfindung einnehmen? Wie verhindern wir, dass die Zugehörigkeit zu einer statistisch analysierten Hochrisikogruppe von Biomarkern zu einer Diskriminierung von Probanden oder Patienten führt?“, fragt die Medizinerin.

Die Nutzung des hier vorgestellten biomarkerbasierten Mortalitätsrisikos für Therapieentscheidungen einzelner Patienten ist somit sowohl heute als auch als Zukunftsvision äußerst kritisch zu bewerten.

Annette Rogge,;Geschäftsführerin des klinisches Ethikkomitees am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

Nicht geklärt sei auch, wer die Patienten nach so einer Mitteilung begleitet oder wie das Recht auf Nichtwissen sichergestellt werden könne. „Die Nutzung des hier vorgestellten biomarkerbasierten Mortalitätsrisikos für Therapieentscheidungen einzelner Patienten ist somit sowohl heute als auch als Zukunftsvision äußerst kritisch zu bewerten“, konstatiert sie.

Für die Studie wurden Daten von insgesamt 44.168 Patienten ausgewertet. 5512 von ihnen starben innerhalb des Beobachtungszeitraums. Die Wissenschaftler hatten in Blutproben der Patienten nach Stoffen gesucht, die Rückschlüsse auf das Sterberisiko erlauben. Sie identifizierten 14 solche Biomarker – vor allem Aminosäuren, Fette und Entzündungsbotenstoffe –, die bei Männern und Frauen über verschiedene Altersgruppen hinweg das Risiko besser vorhersagen als bisherige Parameter.

Personalisierte Medizin mit Rücksicht auf Patienten

„Prinzipiell ist jeder Schritt hin zu einer fundierten Therapieentscheidung sehr zu begrüßen“, sagt Florian Kronenberg vom Institut für genetische Epidemiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck. Mit einer besseren Vorhersagekraft nähere man sich einer personalisierten Medizin. „Es macht möglicherweise zunächst Angst, wenn ein Algorithmus über Therapien mitentscheidet. Doch schon heute fallen in der Medizin ständig Entscheidungen, meist auf der Basis von relativ wenigen Daten.“ Mehr Daten erlaubten künftig vermutlich präzisere Vorhersagen. Allerdings müssten vor einer Entscheidung auch die Sichtweise und die Präferenzen des Patienten berücksichtigt werden.

Zurück zu den unwissenschaftlichen Tests im Internet: Die Autorin hat sie ausprobiert – aber abgebrochen, ohne das Resultat zu erfahren. Selbst wenn dies auf blankem Unsinn fußt, kann sich so ein vermeintlicher „Todestag“ doch tief ins Gedächtnis einbrennen.

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Von Sonja Fröhlich/RND

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