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18:19 08.01.2019
Ein Schneepflug beim Räumen einer Straße im österreichischen Ramsau. Quelle: APA
Hannover

Der Winter hat Bayern und Österreich weiter fest im Griff. Meteorologen erwarteten erneut ergiebige Schneefälle, vor allem an den Alpen. Im Bundesland Steiermark sei in einigen Regionen Lawinenwarnstufe 5 ausgerufen worden, teilten die Behörden am Dienstag mit. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme angesichts der erwarteten Neuschneemenge von bis zu einem Meter.

Wieso trifft es gerade größtenteils den Süden? Und warum fällt plötzlich so viel Schnee auf einmal?

Peter Hoffmann, Meteorologe am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), spricht von „ungewöhnlich massiven Niederschlagsmengen“. „Die Niederschläge, die uns im Sommer gefehlt haben, werden jetzt im Winter ausgeglichen.“ Weil die Meere aufgrund des langen heißen Sommers noch verhältnismäßig milde Temperaturen aufwiesen, käme es darüber zu einer starken Verdunstung, so Hoffmann. Die derzeitige Wind- und Strömungslage transportiere die Feuchtigkeit in Richtung Süden.

„Dann fällt in den Alpen und in den Mittelgebirgen, wo die Luft über den Gebirgskämmen sehr kalt ist, enorm viel Schnee und im Flachland eher Regen.“ Da die Temperaturen aber auch in den Alpen nicht tief frostig seien, käme es zu einem Frost-Tau-Wechsel, so Hoffmann. „Das kann die Sache gefährlich machen. Nach dem vielen Schnee droht in gebirgigen Regionen dann Hochwasser.“

Hat dies etwas mit dem Klimawandel zu tun? Oder wird es eher weniger Schnee?

Zwar prognostizieren Klimaforscher, dass aufgrund des Klimawandels immer weniger Schnee fallen wird. So rechnen Wissenschaftler bis zum Ende des Jahrhunderts mit 70 Prozent weniger Schnee. Allerdings könnten Regen und Schneefall zwischenzeitlich extremere Ausprägungen haben. „Zum einen kann die Atmosphäre mehr Wasserdampf aufnehmen – wenn also Niederschläge fallen, dann können diese intensiver sein“, sagt PIK-Experte Hoffmann.

Zudem ändere sich die Zirkulation in der Atmosphäre, da sich die Atmosphäre nicht gleichmäßig erwärme. Das verändere die Windsysteme in der Atmosphäre, welche die Wetterlage über Europa formt. „In den letzten Jahrzehnten sehen wir eine Tendenz, dass wir stärker mit extremen Wetterlagen zu tun haben. Diese zeigten sich zum einen durch längere und intensivere Trocken- und Hitzephasen. Zum anderen käme es zu deutlich stärkeren Niederschlägen, die eben, wenn sie im Winter auftreten, in den Höhenlagen als Schnee fallen. Der vergangene Hitzesommer hat zudem Gletscher massiv tauen lassen.“

Kann ich meinen Urlaub im Süden absagen, weil ich dort mit dem Auto nicht hinkomme?

Lawinen gelten rechtlich als unvermeidbares Ereignis, als höhere Gewalt. Das bedeutet: Urlauber haben viele Rechte, wenn in ihrem Urlaubsort Lawinengefahr droht. Generell hat natürlich jeder die Möglichkeit, die Reise vorab zu stornieren – inklusive Stornogebühren. Sollte die Lawinengefahr im Urlaubsort jedoch nicht nur für die Skipisten gelten, sondern so groß sein, dass Lebensgefahr besteht, dann entfallen die Stornokosten.

Allerdings: „Ob die Reise erheblich gefährdet oder beeinträchtigt ist, hängt immer von der Lage vor Ort und nicht etwa von der persönlichen Einschätzung des Reisenden ab. Wer aus Angst oder wegen Reiseunlust kündigt, kann sich nicht auf höhere Gewalt berufen“, teilt der Bundesverband der Verbraucherzentralen mit. Sollte eine Lawine die Anreise zum Urlaubsort verhindern, gilt das ebenfalls als höhere Gewalt und Reiserücktrittsgrund, der keine zusätzlichen Gebühren abverlangt.

Am Skiort eingeschneit: Welche Regeln gelten für Arbeitnehmer?

Arbeitnehmer, die wegen der Wetterverhältnisse nicht rechtzeitig aus dem Winterurlaub zurückkommen, etwa weil sie aufgrund gesperrter Straßen im Skiort festsitzen, müssen mit Lohnkürzungen rechnen. Beschäftigte fehlen dann unentschuldigt, erklärt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Köln. „Arbeitnehmer müssen also in Kauf nehmen, dass sie für die Tage, an denen sie nicht am Arbeitsplatz erschienen sind, auch keine Vergütung bekommen“, so die Fachanwältin. Sanktionen, wie etwa eine Abmahnung, müsse ein Arbeitnehmer in einem solchen Fall aber in der Regel nicht befürchten, da er das Zuspätkommen nicht selbst verschuldet hat.

Auf höhere Gewalt können sich Arbeitnehmer nicht berufen. Denn grundsätzlich gilt: „Das Wegerisiko liegt beim Arbeitnehmer“, wie Oberthür erläutert. Das heißt, er ist dafür verantwortlich, rechtzeitig am Arbeitsplatz zu sein – auch bei Stau oder Unwetter. Angestellte, die aufgrund der Schneeverhältnisse oder gesperrter Straßen erst später als geplant wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren, können aber auch mit dem Chef verhandeln, ihren Urlaub nachträglich zu verlängern. So können sie mögliche Lohnkürzungen umgehen. In jedem Fall wichtig: Sobald abzusehen ist, dass Beschäftigte nicht rechtzeitig wieder aus dem Urlaub zurück sein können, sollten sie ihren Vorgesetzten informieren.

Wer haftet bei Schäden durch Schnee am Auto oder Haus?

Sollte eine Lawine oder vom Dach stürzender Schnee ein Auto beschädigen, greift die Kfz-Vollkaskoversicherung. Eine Teilkaskoversicherung leistet Abhilfe, wenn beispielsweise nur die Autoscheiben zu Bruch gegangen sind. Sollten sich Menschen durch herabfallende Schneemassen oder auf eisglattem Boden verletzen, zahlen die privaten Haftpflichtversicherungen der Grundstückseigentümer. Bei kleineren Schäden am Haus ist die Wohngebäudeversicherung die richtige Adresse.

Um einen Sonderfall handelt es sich jedoch, wenn beispielsweise Dächer auf Grund hoher Schneelast einstürzen. „Für diese besonderen Naturgewalten braucht es eine Elementarschadenversicherung“, betont Mathias Zunk, Verbraucherexperte beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Etwa 41 Prozent aller Deutschen hätten solch eine Versicherung bereits abgeschlossen.

Was bedeutet Lawinenwarnstufe 5?

Seit 1993 existiert eine gemeinsame europäische Gefahrenskala für die Einschätzung von Lawinen. Laut Skala ist die Warnstufe 5 die höchste: „Spontan sind zahlreiche große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände, zu erwarten. Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und instabil. Verzicht auf Touren ist empfohlen“, heißt es in der Klassifikation.

In den 25 Jahren wurde nur zweimal die Warnstufe 5 ausgerufen. Zum ersten Mal im Februar 1999, als es in Galtür und Valzur (Tirol) zu einem verheerenden Lawinenunglück mit 38 Toten kam, ein zweites Mal im Winter 2017/18, als in Zermatt und anderen Wintersportorten mehr als zwei Meter Schnee in 24 Stunden fielen. Dort waren die Menschen wegen der Lawinengefahr von der Außenwelt abgeschnitten.

Wie gut ist Bayern gerüstet?

Tirol bereitet sich bestmöglich auf die unterschiedlichen Szenarien vor und trifft entsprechend Vorsorge. Unsere Experten haben die Wettersituation genauestens im Blick, dadurch können wir bei Bedarf unverzüglich handeln“, betont der Sicherheitsbeauftragte der Tiroler Landesregierung, Günther Platter. Mehrere Hubschrauber des Landes und des Bundesheeres, Lawineneinsatzzüge sowie Expertengruppen seien in Alarmbereitschaft. Die Landeswarnzentrale und der Landeswarndienst bereiten weitere Straßen- und Talsperren vor.

Um zu verhindern, dass Lawinen spontan und unkontrolliert abgehen, werden in vielen Skigebieten, aber auch entlang von Straßen Lawinen gesprengt. Allerdings spricht Sicherheitslandesrat Josef Geisler von einer „außergewöhnlichen Wettersituation“ und „herausfordernden Verkehrslage“ in Südtirol und mahnte die Bevölkerung zur Vorsicht.

Von Carina Bahl und Sonja Fröhlich/RND

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