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Nachrichten Wissen Warum kleine Jungs (zu Unrecht) einen schlechten Ruf haben
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09:00 09.09.2019
Wilde Kerle: Jungs sollten möglichst oft körperlich gefordert werden. Quelle: Andrey Bandurenko - stock.adobe.com

Frau Brosche, früher wurden Jungen als stark und tapfer wahrgenommen, heute gelten sie als stressig und anstrengend. Womit hängt der Wandel des Jungenbildes Ihrer Meinung nach zusammen?

Ich denke, dass es in Zeiten, in denen bei vielen Menschen Wohn- und Spielraum eher knapp ist und in denen sich Kinder nicht mehr so austoben können wie früher, ganz schön hart ist für die meisten Jungs. Wo sollen sie in den großen Städten hin mit all ihrer Energie und ihrer Vitalität, ohne dass sie andere stören?

Jungs raufen gern, messen sich, strotzen vor Kraft. Aber kann man die kleinen Kerle überhaupt alle über einen Kamm scheren?

Danke für diese Frage: Mir stellen sich die Nackenhaare bei Verallgemeinerungen auf. Das mit dem Raufen und Sichmessen trifft aber meiner Wahrnehmung nach tatsächlich auf mehr männliche als weibliche Wesen zu.

Es gibt also nicht DIE Jungs?

Nein, die gibt es nicht. Es gibt Jungs, die besonders sensibel und ruhig sind, und es gibt solche, die nur die lauten Töne wahrzunehmen scheinen. Es gibt Jungs, die sportlich aktiv sind, aber auch gut stillsitzen können. Es gibt Jungs, die auf eine erfrischende Art lebhaft sind, und es gibt solche, die wie Krawallbrüder rüberkommen. Ich könnte diese Reihe ziemlich lange fortsetzen. Also ganz klar: Nein, bitte nie alle über einen Kamm scheren!

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Trotzdem ecken in der Schule oft eher die Jungen an. Ist es für sie vielleicht auch schwierig, dass in Kindergärten und Grundschulen noch hauptsächlich Frauen die Kinder betreuen?

Das halte ich durchaus für möglich. In der Schule habe ich es immer wieder erlebt, dass „das Weibliche“ erwünscht war: angepasst die Erwartungen erfüllen, schön malen, gerne basteln, lange ruhig sitzen können.

Haben es Jungen in unserem Schulsystem demnach schwerer?

Sie erleben halt immer wieder, dass als negativ und störend bewertet wird, was von ihnen gar nicht so gemeint ist. Nicht jeder für die Lehrkraft nervige Schüler verhält sich so, weil er den Lehrer ärgern will. Und leider wird so manches nicht mit Wertschätzung belohnt, was eigentlich positiv gesehen werden könnte: zum Beispiel Lebendigkeit, Durchsetzungsfähigkeit oder körperliche Geschicklichkeit.

Ich plädiere heute dafür, den Jungs möglichst oft Gelegenheit zu körperlicher Betätigung zu bieten.

Heidemarie Brosche

Wie war das bei Ihnen als Lehrerin?

Als Lehrkraft neigt man schon dazu, Mädchen als angenehmer zu empfinden, weil sie in der Regel ruhiger, angepasster und leistungswilliger sind und auch feinmotorisch eher das liefern, was Schule will. Ich bin sehr froh, dass mir im Zusammenleben mit meinen Söhnen ganze Kronleuchter aufgingen und ich mein Verhalten überdenken konnte.

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Inwiefern?

Ich plädiere heute dafür, den Jungs möglichst oft Gelegenheit zu körperlicher Betätigung zu bieten und auch Herausforderungen, an denen sie wachsen können – am Nachmittag, an den Wochenenden, in den Ferien, im Urlaub.

Ist das vielleicht leichter gesagt als getan?

Wenn man selbst wenig Zeit hat oder auch Platz, ja. Wenn man erschöpft von der Arbeit kommt und eigentlich nur noch seine Ruhe möchte. Aber es rächt sich ja doch, wenn die Bedürfnisse, die schlichtweg da sind, nicht befriedigt werden.

Ihre eigenen Söhne haben in ihrer Freizeit gern gezockt …

Ja, ich habe die vielen Stunden vor dem Bildschirm als riesige Bedrohung angesehen. Ich hatte ganz stark das Gefühl, dass virtuelle Abenteuer in dem Ausmaß, wie die Jungs das einfordern wollten, ihnen schadeten. Ich wollte sie an der frischen Luft und in Bewegung sehen, ich wollte, dass sie ihre frisch erblühten Muskeln betätigten, dass sie an Herausforderungen in der echten Welt wuchsen.

Heidemarie Brosche, geboren 1955, ist Mittelschullehrerin in Augsburg und erfolgreiche Autorin von Kinder-, Jugend- und Sachbüchern. Sie ist Mutter von drei Söhnen und lebt mit ihrer Familie in Bayern. Ihr Buch „Jungs-Mamas“ ist bei Kösel (208 S., 17 Euro) erschienen. Quelle: Brosche

Und statt der „Herausforderung in der echten Welt“ gibt es dann „trockenen“ Schulstoff?

Ich glaube schon, dass Jungen, deren Hauptfreizeitbeschäftigung das Gamen ist, mehr Mühe haben, Schulisches interessant zu finden. Die Möglichkeit, im Sitzen und ohne das eigene Zuhause zu verlassen Abenteuer und Gefühle zu erleben, ist ja im „echten“ Leben kaum möglich. Was die Jungs da an Reizen und Belohnungen geboten bekommen – dagegen kann man schulisch kaum anstinken.

Sehen das auch Ihre Söhne so?

Einer von ihnen hat mir ganz klar gesagt: „Ich wäre viel besser in der Schule gewesen, wenn ich weniger am PC gesessen hätte, aber es war eine so schöne Zeit. Es hat mir einfach wahnsinnig viel Spaß gemacht.“

Müssen wir Jungs vielleicht also einfach so nehmen, wie sie sind?

Natürlich. Eltern dürfen nicht vergessen, dass sie ein Geschenk bekommen und keine Ware bestellt haben. Jedes Kind sollte so angenommen werden, wie es ist. Mit dem Geschlecht, mit dem Aussehen, mit den Wesensmerkmalen, mit den Begabungen oder Nichtbegabungen, die es nun mal hat. Keine Ware bestellt – damit meine ich, dass wir Eltern nicht reklamieren können. Für Kinder ist es verheerend, wenn sie im Innersten spüren, dass sie so, wie sie sind, nicht willkommen sind.

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Auf diese Weise kann also auch ein Junge eine sichere Identität entwickeln?

Ja, indem wir ihn so annehmen, wie er ist. Wir sollten unsere Jungs nicht verbiegen, ihnen nicht weismachen, so und nicht so habe ein echter Kerl zu sein. Eltern spüren doch sehr schnell, wie ihr Junge gestrickt ist.

… und sollten ihn in seinem Charakter und Verhalten bestärken?

Genau. Wir dürfen ihm nicht das Gefühl vermitteln, er erfülle unsere Erwartungen nicht. Am Finden der Identität wirken ja auch unzählige Rollenvorbilder mit, nicht nur die eigenen Eltern. Und wenn die ihren Sohn in seiner ganz persönlichen Machart stärken und nicht schwächen, kann er in aller Ruhe seine Identität entwickeln und der Mann werden, der ihm entspricht.

Von Lisa Harmann/RND

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