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Nachrichten Wissen Deshalb kann das Schlange stehen am Mount Everest tödlich sein
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13:28 29.05.2019
Tödlicher Mittwoch: Am 22. Mai 2019 warteten 250 Bergsteiger vor dem Gipfel des Mount Everest. Zwei von ihnen starben noch am selben Tag. Quelle: Nirmal Purja/Nimsdai Project Possible/AP/dpa
Kathmandu

Weil der Körper in großer Höhe konstant seine Funktionen reduziert, und die Menschen vor Erreichen des Gipfels stundenlang am Mount Everest Schlange stehen mussten, sind die jüngsten Todesfälle am höchsten Berg der Erde auf Erschöpfung zurückzuführen, die die Wartezeit verursacht hatte.

let’s have another Early morning’s traffic jam video above 8700m on 23May2019 #imagine_Nepal #Everest_Expedition_2019

Gepostet von Mingma G am Samstag, 25. Mai 2019

Auch die zahlreichen Expeditionsunternehmen, die die Besteigung des Everest anbieten, führen den Tod einer Inderin, eines Inders und eines Amerikaners auf das stundenlange Warten in einer Höhe von über 8000 Metern zurück, berichtet „Business Insider“. Ab dieser Höhe spricht man am Everest und an den anderen Achttausender-Himalaya-Gipfeln von der „Todeszone“. Denn dort ist der Sauerstoffanteil in der Luft so gering, dass menschliche Zellen im Minutentakt absterben. Dieser Tod auf Raten kostete die wartenden Bergsteiger das Leben.

Tod durch totale Erschöpfung

Anjali S Kulkarni und Kalpana Das, beide indische Staatsbürger, und der Amerikaner Donald Lynn Cash starben allesamt während des Abstieges, berichtet die „Kathmandu Post“. Thupden Sherpa, General Manager der Firma „Arun Treks and Expeditions“, sagte der Zeitung, „Anjali und ihr Ehemann waren gezwungen, stundenlang auf den letzten Teil des Aufstiegs zu warten.“ Zwar habe das Ehepaar den Gipfel noch erreicht, allerdings hätten sie aufgrund der Wartezeit jede Menge Energie verloren. Die 54-jährige starb auf dem Abstieg. Ihr Ehemann überlebte mit Müh und Not und wurde ins Basis-Camp II gebracht. Er starb einen Tag später beim Abstieg.

Auch der 55-jährige Amerikaner überlebte den Gipfel nicht. Nachdem er ebenfalls stundenlang auf einem Grat gewartet hatte, kollabierte er unmittelbar, nachdem er den Gipfel erreicht hatte. Cash hatte aufgrund seines Übergewichts zwei speziell ausgebildete Bergführer engagiert, doch auch die waren nicht in der Lage, ihn lebend aus der Todeszone zu kriegen. „Die Sherpas brachten in hinab, aber es war zu spät, er bewegte sich nicht mehr“, sagte Pasang Tenje Sherpa, Chef der von Cashs Expeditionsagentur „Pioneer Adventure“, der „Kathmandu Post“.

Nepalesisches Armeepersonal bringt vier Leichen von Bergsteigern, die am Gipfel des Mount Everest gefunden wurden, in einen Hubschrauber Quelle: Skanda Gautam/ZUMA Wire/dpa

250 Bergsteiger im Stau

Verzweifelt hatten die nepalesischen Behörden versucht, eine Art Begehungsplan für den Gipfel zu erstellen, der tödliche Staus vermeiden sollte. Vergebens. 250 Kletterer standen allein am vergangenen Mittwoch auf einer Höhe von 8000 Metern oder mehr im Stau. Die tödliche Bilanz am überfüllten Gipfel: Mindestens elf tote Bergsteiger.

Das Gefühl, nicht genügend Sauerstoff einatmen zu können, beschreibt einer der Bergsteiger so: „Es fühlt sich an, als ob du auf einem Laufband rennst und nur über einen Strohhalm einatmest. Die Folgen sind dramatisch: Die Lunge wird nicht mit ausreichend Sauerstoff versorgt, das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle steigt exponentiell und – ein ganz besonders tückischer Effekt: das menschliche Urteilsvermögen wird praktisch ausgeschaltet.

Auf Höhe des Meeresspiegels beträgt der Sauerstoffanteil rund 21 Prozent. Aber ab einer Höhe von 3600 Metern ist der Sauerstoffgehalt schon um 40 Prozent niedriger – und jeder zusätzliche Höhenmeter fordert vom menschlichen Körper einen hohen Tribut. Blutproben von Bergsteigern, die den 8848 Meter hohen Everest bezwungen hatten, zeigten, dass sie die Expedition mit nur einem Viertel des auf Meereshöhe verfügbaren Sauerstoffes überlebt hatten. Jeremy Windsor, ein Arzt, der 2007 den Everest bezwungen hat, beschrieb das gegenüber dem Everest-Blogger Mark Horrell so: „Diese Werte entsprachen denen sterbender Patienten.“ Bergsteiger müssen sich an den Sauerstoff gewöhnen, doch auch nach einer Akklimatisierung ist das Risiko in Sachen Herzinfarkt oder Schlaganfall extrem erhöht.

Auch das Gewöhnen an die Höhe ist gefährlich

Denn Sauerstoffmangel birgt ungezählte Gesundheitsrisiken. Sinkt der Sauerstoffanteil im Blut unter einen bestimmeten Wert, erhöht sich die Herzfrequenz auf mehr als 140 Schläge pro Minute – und somit das Herzinfarktrisiko. Seriöse Expeditionen, so „Business Insider“, machen mindestens drei Touren vom Basis-Camp aus, bevor sie den Gipfel in Angriff nehmen. Das Basis-Camp liegt auf 5364 Metern, was ungefähr der Höhe der Kaukasus-Gipfel Dychtau und Ebrus entspricht, den höchsten Bergen Europas. Jedes Mal wird die Höhe etwas gesteigert. Im Laufe der Wochen auf dieser Höhe beginnt der Körper mehr Hämoglobin zu produzieren, um den Sauerstoffmangel auszugleichen. Das Protein in den Roten Blutkörperchen sorgt dafür, dass Sauerstoff von den Lungen in den restlichen Körper transportiert wird.

Zu viel Hämoglobin allerdings kann das Blut verdicken, was es dem Herzmuskel erschwert, Blut in den Körper zu pumpen. Mögliche Konsequenz: Schlaganfall oder Lungenödem. Ein kurzer Check mit dem Stethoskop schafft Klarheit: Ist ein rasselndes Geräusch zu hören, das durch in die Lunge gelangte Flüssigkeit verursacht wird, spricht man vom Höhenlungenödem (HAPE). Dessen Symptome sind Müdigkeit, nächtliche Erstickungsanfälle, allgemeiner physischer Schwäche sowie ein dauerhafter Hustens mit wässrigem, weißen und schaumigen Auswurf. Die Hustenanfälle können so heftig sein, dass dabei Rippen brechen oder gespalten werden. Bergsteiger mit HAPE sind konstant kurzatmig, auch während Ruhephasen des Körpers.

Dazu kommt, dass das Hirn in der Todeszone wegen Sauerstoffmangels (Hypoxie) anschwellen kann, was zu Brechreiz und Formen der Höhenpsychose führen kann, was auch die größte Gefahr jenseits von 8000 Metern darstellt. Ein hypoxisches Hirn führt dazu, dass Bergsteiger vergessen, wer sie sind und in ein Delirium fallen, das manche Experten als Form der Höhenpsychose betrachten. Die Einschätzungsfähigkeit der hypoxischen Bergsteiger schwindet und sie beginnen zu halluzinieren, sprechen mit imaginären Freunden oder ziehen sich aus.

„Klettern in der Todeszone ist die Hölle“

Neben allen Krankheitssymptomen gibt es noch weitere Probleme in der Höhe, da der Körper kontinuierlich abbaut: Schlaflosigkeit, Muskelschwund und Gewichtsverlust strapazieren den angeschlagenen Stoffwechsel zusätzlich, ganz zu schweigen von Schneeblindheit. All das fasste der Everest-Bezwinger David Carter gegenüber dem öffentlich-rechtlichen amerikanischen Sender PBS so zusammen: „Klettern in der Todeszone ist die Hölle.“ Bei dem derzeitigen Andrang auf den Gipfel ist diese Hölle noch tödlicher als sonst.

Von Daniel Killy/RND

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