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11:23 25.07.2019
Der Schmetterling Kleiner Fuchs trinkt gerne Nektar, etwa von Flieder. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Bielefeld

„Das ganze Ökosystem braucht Falter“, betont Buchautorin Elke Schwarzer. „Falter sind als Futter von Vögeln und Fledermäusen wichtig.“ Und natürlich sind Schmetterlinge auch an der Bestäubung von Blühpflanzen beteiligt. Hobbygärtner tun also damit etwas Gutes, wenn sie den Tieren passende Pflanzen im Garten anbieten – für die Natur, aber auch noch für sich selbst. Denn die Tiere sind schließlich auch hübsch zu beobachten.

Kräuterblüten locken Schmetterlinge an

Schmetterlinge selbst lockt man mit Nektarpflanzen an – vor allem Kräuter. Wenn man die Blüte nicht aberntet, werden Minze, Salbei und Majoran den ganzen Sommer über von den Faltern besucht.

Ein Magnet für Falter ist auch der nektarreiche Schmetterlingsflieder (Buddleja). Dabei kann er bis in den Oktober hinein immer wieder frische Blütenstände bilden. Auch zwei Raupen, die der Nachtfalter Braunwurz- und Königskerzen-Mönch, mögen den Schmetterlingsflieder, wenn es an den namensgebenden Braunwurz und Königskerzen mangelt.

Allerdings: Bei Gärtnern hat der Schmetterlingsflieder keinen ganz tadellosen Ruf, da er sich auf Brachflächen und spärlich bewachsenen Naturarealen in den Höhen der Alpen massiv ausbreiten kann. Aber dieses Phänomen wurde nur selten auf Kulturflächen wie dem Garten beobachtet. Wer trotzdem sichergehen will, dass der Bestand nicht überhandnimmt, sollte die Blütenstände rechtzeitig vor der Samenreife entfernen, rät Melanie Chisté, Insektenexpertin des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern (LBV).

Schmetterlinge brauchen Zucker und Salz

Künstliche Nektarspender werden immer häufiger im Handel angeboten. Diese Vorratsgefäße aus Kunststoff enthalten ein Reservoir für Nährlösung, an die Schmetterlinge über feine Löcher gelangen. „Es ist zu beobachten, dass die Spender angenommen werden“, sagt die Insektenexpertin Chisté.

Info-Kasten: Die Metamorphose der Schmetterlinge

Schmetterlinge haben ein Leben in zwei Gewändern. „Die Raupe schlüpft aus dem Ei, das der Falter gelegt hat“, erläutert Melanie Chisté vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern. Sie frisst sich nun an Pflanzen satt und häutet sich in dieser Phase mehrfach. Schließlich verpuppt die Raupe sich.

„Besonders faszinierend ist die Metamorphose, bei der sich die Puppe schließlich in den Falter verwandelt“, findet die Insektenexpertin. In der Puppe werden verschiedene Organe der Raupen abgebaut und Anlagen für den erwachsenen Falter neu aufgebaut. „Die Steuerung dieser Vorgänge beruht auf hormonellen Veränderungen.“ Die Dauer des Entwicklungszyklus ist von Art zu Art unterschiedlich und hängt mitunter auch von der Witterung ab. Die Puppe ist häufig auch ein Stadium, mit dem die Insekten überwintern.

Sie gibt aber zu bedenken, dass man nicht nur Zuckerwasser einfüllt, denn auch Salz sei für die Ernährung wichtig. „Deshalb beobachtet man, dass die Schmetterlinge beispielsweise auch Schweiß aufnehmen.“ Grundsätzlich rät Chisté, im Garten an verschiedenen Stellen Wasserquellen bereitzustellen. „Das fördert vor allem in trockenen Jahren auch andere Lebewesen.“

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Die bunten Falter waren auch mal Raupen

Während die Schmetterlinge vor allem wegen ihrer farbig gemusterten Flügel geschätzt werden, haftet ihren Raupen ein negatives Image an. Nicht ganz zu Unrecht: „Raupen sind Fraßschädlinge“, erklärt Insektenexpertin Chisté. Dazu zählt etwa der Apfelzünsler, der Blatt und Frucht schädigt. „Auch Gespinstmotten und Eichenprozessionsspinner hinterlassen sichtbare Beeinträchtigungen der Pflanzen.“

Die erwachsenen Falter hingegen sind dann harmlos. Sie ernähren sich vorwiegend flüssig. „Dabei wird in erster Linie Nektar aufgenommen, aber auch Tränenflüssigkeit und Schweiß können als Flüssigkeitsquelle angenommen werden“, erläutert Chisté.

Raupen leben gerne zwischen Liguster und Weißdorn

Doch ohne die erst mal lästigen Raupen gibt es eben auch keine Schmetterlinge. Daher sollte man die Bedürfnisse der Raupen erfüllen – und das sind meist heimische Pflanzen. Denn sie sind häufig auf bestimmte Arten spezialisiert. „Eine Hecke aus Liguster oder Weißdorn ist als Lebensraum für die Raupen ideal“, sagt Buchautorin Schwarzer.

Eine große Bedeutung haben auch Doldenblütler. „Die Raupen des Schwalbenschwanzes bevorzugen beispielsweise Dill, Fenchel und Wilde Möhre.“ Beim Malvendickkopf deutet der Name bereits an, dass er auf Stockrosen und Malven steht. Expertin Chisté ergänzt: „Der Faulbaum beispielsweise ist für die Raupen des Zitronenfalters neben dem Kreuzdorn die wichtigste Nahrungsquelle.“

Gartenarbeit kann den Lebensraum der Schmetterlinge zerstören

Daneben sind es die Gartenarbeiten, die Schmetterlingen und ihren Raupen ein Zuhause rauben – oder ihnen es eben einrichten. Das Herbstlaub liegen lassen und Stauden erst im Frühjahr zurückschneiden, lauten die Tipps der Buchautorin Schwarzer.

Sie ist auch gegen den sogenannten Hausmeisterschnitt bei Sträuchern. Damit ist gemeint, dass immer nur oben am Strauch die Spitzen abgeschnitten werden. Es sei viel besser, einzelne Triebe an der Basis zu kappen, um den Austrieb neuer vitaler Zweige zu fördern. Gleichzeitig entsteht so ein luftiges Astgerüst, das sowohl den Insekten als auch den Vögeln einen idealen Lebensraum beschert. Außerdem empfiehlt Schwarzer, kleine, wilde Ecken mit hohem Gras und Brennnessel für die Tiere stehen zu lassen.

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Von RND/dpa