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Wissen Ruhe bewahren: So helfen Eltern Kindern durch die Pubertät
Nachrichten Wissen Ruhe bewahren: So helfen Eltern Kindern durch die Pubertät
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09:00 28.05.2019
Die Pubertät ist für Eltern und auch für Kinder eine anstrengende Lebensphase. Quelle: Leonid - stock.adobe.com
Hannover

Sie essen fünf Stullen zum Abendbrot, treten auf, als gehöre ihnen die Welt, und sie lassen jeden wissen, wenn ihnen etwas nicht passt: Jugendliche in der Pubertät. Vor allem für deren Eltern ist diese Lebensphase mitunter ganz schön kräftezehrend – doch auch für die Jugendlichen selbst kann der Abnabelungs- und Reifungsprozess zu einer echten Herausforderung werden. „Und das ist gut so, sie sind bereit, das Ruder zu übernehmen. Wir lassen sie nur nicht“, sagt der Erlanger Entwicklungsneurobiologe Ralph Dawirs und verweist auf den Sinn der Pubertät und die Evolution. „Der Mensch ist das einzige Säugetier, das so etwas wie Pubertät kennt.“ Vor zwei Millionen Jahren habe dieses Alter den Punkt markiert, an dem die Jugend die Macht übernahm. Damals aber seien die Eltern mit 30 Jahren bereits alt und zahnlos gewesen. Heute hat sich die Lebenserwartung drastisch erhöht, der Generationenwechsel findet deutlich später statt, die Schulzeit hat sich als Art zweite Kindheit etabliert. „Die Jugendlichen sind entmachtet, sie müssen sich integrieren, sollen brav sein, aber darauf sind sie nicht programmiert. Ihr Auftrag ist es, sich abweichend zu verhalten, risikobereit zu sein, Neues zu probieren, die Gesellschaft weiterzuentwickeln“, sagt der Experte. „Das ist die Goldmünze der Evolution. Sonst würde es ja nicht vorangehen.“ Die Klimaschutzdemonstrationen Fridays for Future sind ein gutes Beispiel für das Konfliktpotenzial zwischen den Generationen.

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Eltern und Pubertierende: Die Kollision ist programmiert

Auf der einen Seite stehen die 14-, 15-, 16-Jährigen mit ihren Ideen und Vorstellungen, ihrer Tatkraft und Stärke. Auf der anderen Seite sind da die Eltern, vielleicht sogar Großeltern, die noch im Beruf stehen, gesund und fit sind, alles können, regeln, wissen, also ebenfalls für ihre Ideale einstehen, die aber nicht selten mit denen der nachwachsenden Generation kollidieren. Pubertierende suchen zwar im Chaos ihrer Gefühle durchaus stabile Strukturen, doch die sollten nach Ansicht des Münsteraner Psychotherapeuten Georg Milzner nicht mehr nur die Eltern bieten. „Pubertät ist wie jede Phase des Übergangs von Instabilität gekennzeichnet“, sagt er, „stabile Strukturen auch außerhalb der Familie sind jetzt wichtig – gute, echte Freunde zum Beispiel.“

Was können Eltern also dazu beitragen, damit ihr Kind gut durch die Pubertät kommt? „Authentisch sein“, sagt Milzner. „Die Jugendlichen klopfen ihre Eltern jetzt genau darauf ab, ob sie ehrlich und glaubwürdig sind. Wenn ich predige, dass akademische Bildung wichtig ist, meinem Kind aber jeden Tag zeige, dass ich ein schlecht gelaunter Arzt bin, dem der Job keinen Spaß macht, wird es schwierig“, sagt Milzner.

Ungeteilte Aufmerksamkeit sei etwas, das sich auch Pubertierende von ihren Eltern wünschen. „Damit ist aber nicht gemeint, dass ich mich nach den Lateinvokabeln erkundige.“ Eltern sollten sich, so seine Empfehlung, ab und zu mal fragen: „Möchtest du dein eigenes Kind sein?“ Ein gewisses Recht auf Exzesse solle man Pubertierenden ruhig zusprechen. Unabdingbar sei es dabei aber, weiter für sie da zu sein – als Backup gewissermaßen. „Eltern sollten auf keinen Fall ihre Verantwortung zu den Akten legen, so nach dem Motto ‚Jetzt sind sie ja alt genug‘“, warnt der vierfache Vater, „die Adoleszenz dauert bis Anfang 20.“ Bis dahin unternähmen Jugendliche Probeflüge, während derer es weiterhin wichtig sei zu signalisieren: „Ich bin da. Ich flicke dich, wenn nötig, wieder zusammen.“

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Gefahren im Netz: Begleitung und Aufklärung sind wichtig

Und was bedeutet es, wenn die Probeflüge nicht in der realen Welt, sondern in der virtuellen Welt des Internets stattfinden? Dawirs und Milzner halten auch in dieser Sache nichts von übertriebener Sorge und Verboten. „Da werden ja echte Schreckensszenarien entworfen. Diese Hysterie nützt niemanden“, warnt Milzner, und Dawirs erinnert daran, dass es nicht die Jugendlichen waren, die den digitalen Wandel eingeleitet hätten. „Sie sehen doch ihre Eltern selbst dauernd mit Laptop oder Smartphone. Ich finde es verlogen, ihnen Vorwürfe zu machen“, kritisiert der Neurobiologe. Die Begleitung indes, die Aufklärung über Risiken im Netz sind wichtige Aufgaben der Eltern. Milzner vergleicht das Internet mit einer unbekannten Landschaft, in der Gefahren lauern, die ein Kind nicht kennen kann. Darauf müsse man aktiv hinweisen.

Die Selbstaufmerksamkeit von Jugendlichen schulen

Es werde in absehbarer Zeit wohl keinen Jugendlichen mehr geben, der nicht schon mal auf einen Pädophilen im Netz getroffen sei, warnt Milzner und bezieht sich auf Aussagen von Kriminologen. „Dafür muss ich mein Kind sensibilisieren. Es findet vielleicht nichts dabei, wenn Erwachsene Kontakt zu ihm suchen. Ich frage mein Kind dann: Wie fändest du es denn, wenn ich mich hauptsächlich mit Zwölf- oder 13-Jährigen umgebe? Dann wird das schnell klar.“

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Es ist die Kombination aus intensiven Social-Media-Aktivitäten und mangelnder Aufmerksamkeit der Eltern, die Gefahren berge. Fatal werde es, wenn Jugendliche über soziale Kanäle Freunde suchen oder Rat, den sie im echten Leben nicht bekommen. Studien legen nahe, dass stärkere depressive Symptome eine spätere Nutzung von Social Media vorhersagen, zumindest unter jugendlichen Mädchen. Milzner empfiehlt, Pubertierende zur Selbstaufmerksamkeit zu ermuntern und sich gerade nach längerer Mediennutzung immer mal wieder nach dem Befinden zu erkundigen. Das fördert das Wichtigste in der Eltern-Kind-Verbindung: den vertrauensvollen Austausch.

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Von RND / Julia Pennigsdorf

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