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Wissen Projekt Ice911 soll Arktis retten: Mit Glaskügelchen gegen die Gletscherschmelze
Nachrichten Wissen Projekt Ice911 soll Arktis retten: Mit Glaskügelchen gegen die Gletscherschmelze
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17:36 28.10.2019
Rettung fürs arktische Eis? Diese mikroskopisch kleinen Glaskügelchen sollen das Meereis schützen und Wärme ins All abgeben. Quelle: Ice911

Die Eisschmelze in der Arktis entwickelt eine immer stärkere Dynamik. Das grönländische Eis schwindet sechsmal schneller als noch vor vier Jahrzehnten. Im August 2019 verlor die Eisschicht während der Sommer-Tauphase im August 60 Milliarden Tonnen innerhalb von nur fünf Tagen. Und innerhalb der vergangenen vier Jahrzehnte verschwanden 75 Prozent des arktischen Eises. Die aktuelle Ausdehnung des gesamten Eises in der Arktis ist nach Angaben der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen 1979 auf dem zweitniedrigsten jemals gemessenen Niveau angelangt.

Zusätzlich zum stetigen Anstieg der Meeresspiegel trägt das Abschmelzen des arktischen Eises zum Klimawandel bei, da das besonders helle Meereis Sonnenlicht ins All reflektiert. Weniger Eis bedeutet also auch, dass weniger Wärme den Planeten verlassen kann – und trägt somit zu einer verstärkten Eisschmelze bei. Im Jahr 2018 verschwanden rund 95 Prozent dieses alten und reflexionsstarken Meereises in der Arktis.

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Mikroskopisch kleine Kügelchen als Art Schutzfilm

Jetzt hat die gemeinnützige Organisation "Ice911" (911 ist die amerikanische Notrufnummer) einen Vorschlag unterbreitet, wie das Abschmelzen des arktischen Eises zumindest verlangsamt werden soll: Die Lösung besteht aus Millionen hohler Glaskügelchen. Die mikroskopisch kleinen Kügelchen sollen eine Art Schutzfilm auf dem Eis bilden, der die Sonnenstrahlen reflektiert, um den Teufelskreis von Anstieg des Meeresspiegels, weniger Abgabe von Wärme und dadurch Zunahme weiterer Schmelze zu durchbrechen. Die Kügelchen seien aus Kieselerde und somit umweltverträglich. Das Material, so Leslie Field, Gründerin von Ice911, entspräche in seiner Struktur normalem Strandsand, sähe aber aus wie Schnee.

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Die Kügelchen hafteten nach Angaben von Business Insider am Schnee und gingen keinerlei Verbindung mit Schadstoffen wie Mineralöl ein. Simulationen hätten ergeben, dass sich so die Temperatur in weiten Teilen der nördlichen Arktis um 1,5 Grad Celsius senken ließe. Nach Angaben der am Projekt beteiligten Wissenschaftler brauche das reflektierende Material noch nicht einmal in der Arktis verteilt zu werden. Stattdessen reichten einige Schlüsselstellen, an denen der Effekt besonders stark sei. Das betreffe unter anderem die Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen, die sich im Schnitt vier Mal schneller erwärmt als der gesamte Planet.

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"Der Preis, nichts zu tun wäre wesentlich höher"

Die Kosten für das Projekt belaufen sich nach ersten Schätzungen auf etwa fünf Milliarden US-Dollar. "Wir Menschen sind eine immens kreative Spezies und wir sollten die Klimawandel-Uhr möglichst schnell bremsen", sagt Leslie Field. "Natürlich sind die Kosten erheblich. Aber der Preis, nichts zu tun, wäre wesentlich höher. Bis das Projekt umgesetzt werden kann, wird es allerdings noch einige Zeit dauern. Momentan werden die Kügelchen in Alaska getestet. Bis sie in großem Stil ausgerollt werden können, bedürfe es allerdings noch weiterer Tests und der Zustimmung von Regierungen und Umweltschutzorganisationen zu dem Projekt.

Die Initiatorin von "Ice911", die Wissenschaftlerin Dr. Leslie Ann Field. Quelle: Ice911

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Leslie Field betont allerdings, dass es ihr nicht darum gehe, mit technischen Eingriffen à la Geo-Engineering notwendige Änderungen im Klima-Bewusstsein zu kompensieren. Ihre Erfindung sei eine Klimalösung, kein Geo-Engineering. "Ice911" sei keine alleinige Lösung eines globalen Problems, so Field. "Ich möchte nicht, dass ,Ice911' als Alibi für weiteren Kohleabbau herhalten muss. Ich möchte nicht, dass die Leute sagen, ,wir müssen gar nichts ändern, die Ingenieure werden es schon richten'."

Von Daniel Killy/RND

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