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Wissen Mysteriöse Hundekrankheit in Norwegen – Infektionen steigen drastisch
Nachrichten Wissen Mysteriöse Hundekrankheit in Norwegen – Infektionen steigen drastisch
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20:55 10.09.2019
In Norwegen sind bislang mehr als 25 Hunde an den Folgen einer mysteriösen Darminfektion gestorben. Die Tiere litten plötzlich an Erbrechen und blutigem Durchfall. Quelle: Terje Pedersen/NTB scanpix/dpa
Oslo

Der Verband Deutscher Schlittenhundesport-Vereine (VDSV) empfiehlt, von Reisen mit Hunden nach Norwegen abzusehen. Die norwegische Behörde für Lebensmittelsicherheit (NFSA) gibt ebenfalls Warnungen aus: Hundebesitzer in Norwegen sollen den Kontakt zu anderen Hunden beschränken, Hundeansammlungen meiden und dem eigenen Hund auf Spaziergängen nicht erlauben, andere Hunde zu begrüßen oder zu beschnüffeln.

Ebenfalls sollte schnell ein Tierarzt aufgesucht werden, wenn beim Hund blutiger Durchfall und Erbrechen oder eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes auffallen – vor dem Eintreffen in der Klinik sollte der Tierarzt unbedingt kontaktiert worden sein. Es wird geraten, Impfstoffempfehlungen des Tierarztes dringend zu befolgen. Was ist da los in Norwegen?

Hundekrankheit: Mehr als 100 Tiere in Norwegen betroffen

Es war früh am Freitagmorgen, als Tiril Aasheim im norwegischen Kløfta merkte, dass etwas mit ihrer Hündin Bolla nicht stimmte. Der sonst so quirlige Zwergspitz war schlapp und hatte in der Nacht Durchfall gehabt. „Sie wollte nicht rausgehen und als ich sie hochhob, erbrach sie sich und das Blut rann förmlich aus ihrem Hintern“, erzählt Aasheim. Über Nacht war das zweieinhalb Jahre alte Tier so krank geworden, dass sein Leben auf der Kippe stand.

So geht es zurzeit in Norwegen geschätzt mehr als 100 Hunden. Ganz plötzlich geht es ihnen schlecht, sie müssen sich erbrechen und bekommen blutigen Durchfall. Mehr als 25 Hunde waren nach Angaben von Dienstag schon an den Folgen dieser mysteriösen Krankheit gestorben.

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Innerhalb eines Tages kann ein Hund sterben

So lange die Krankheit der Hunde nicht geklärt ist, sind ihre Besitzer aufgefordert, Kontakt mit anderen Hunden zu vermeiden. Zahlreiche Veranstaltungen mit Hunden wurden abgesagt. Die beliebten Bolzplätze in Oslo, wo die Tiere frei herumlaufen können, sind verwaist. Wer sein Tier Gassi führt, hält es an der kurzen Leine. Viele Halter haben Angst.

Für die Veterinäre ist die Infektion bisher noch ein Rätsel. Sie wissen nicht, wodurch sie ausgelöst wird und ob sie ansteckend ist. Nur, dass es ganz schnell geht. Innerhalb von 24 Stunden kann ein gesundes Tier plötzlich tot sein. Doch nicht alle sterben daran. Die meisten, so versichert Asle Haukaas vom Veterinärinstitut in Oslo, könnten bei rechtzeitiger Behandlung wieder auf die Beine kommen.

Nach Infektion: Nicht alle Tiere sterben

So auch Bolla. Ihr Frauchen brachte sie noch am selben Tag in die Tierklinik, wo man schon eine abgetrennte Abteilung für die Hunde mit diesen Symptomen eingerichtet hatte. Das Tier bekam sechs verschiedene Medikamente und musste über Nacht isoliert im Keller bleiben. Doch am nächsten Tag konnte Bolla wieder mit nach Hause. „Der Arzt sagte, wären wir nur ein paar Stunden später gekommen, wäre sie tot gewesen“, berichtet die ältere Dame. Nun hat sie Angst, dass ihr zweiter Hund, der wesentlich gebrechlicher ist, auch die mysteriöse Krankheit bekommen könnte.

Alle Hunde erlitten blutige Darmentzündung

Das Veterinärinstitut und die Lebensmittelaufsicht in Norwegen arbeiten nun mit Hochdruck daran, dem Erreger der Krankheit auf die Spur zu kommen. Das könnten Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten und Algen sein – oder die Folgen von Regen, Temperatur oder schlechter Wasserqualität. Auch frühere Fälle im In- und Ausland würden untersucht. Erste Obduktionen weisen darauf hin, dass alle Hunde eine kräftige, blutige Darmentzündung hatten. Zwei Bakterien wurden bislang nachgewiesen: Providencia alcalifaciens und Clostridium perfringens.

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Veterinärinstitut: Alle Erkrankungen melden

„Bakterienerkrankungen spielen bei Hunden normalerweise nicht so die große Rolle“, meint die deutsche Tierärztin Johanna Rieder von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. Zwar seien Durchfallerkrankungen bei diesen Tieren relativ häufig. Doch dass so viele Hunde in einer Region so schnell sterben, sei nicht normal. Solange sie die Ursache nicht kenne, könne sie deutschen Hundebesitzern aber keinen konkreten Rat geben, außer vorsichtig zu sein, wenn sie nach Norwegen reisen sollten.

Da es in dem skandinavischen Land kein zentrales Gesundheitsregister für Erkrankungen bei Hunden gibt, hat das Veterinärinstitut nun ein Schema an alle Tierärzte und -kliniken geschickt. Die Mediziner sind aufgefordert, alle Fälle von blutiger Diarrhö, Erbrechen und schlechtem Allgemeinzustand bei Hunden seit dem 1. August zu melden. „Die Formulare enthalten hoffentlich viele wertvolle Informationen, die helfen, die Ursache der Krankheit zu ermitteln“, heißt es auf der Website des Veterinärinstituts. In Norwegen gibt es dem Norsk Kennel Klub zufolge rund 560.000 Hunde.

Vergiftung und Salmonellen können ausgeschlossen werden

Sicher ist bislang nur, dass die Tiere nicht vergiftet wurden. Auch eine Infektion mit Salmonellen oder Campylobacter kann ausgeschlossen werden.

Tiril Aasheim lässt ihre Hunde nun nicht mehr aus den Augen. „Ich trage sie jetzt an den Waldrand, wo keine anderen Hunde sind“, sagt sie. Sie will möglichst vermeiden, auf andere Hundebesitzer zu stoßen. „Ich habe das Gefühl, dass mich jetzt alle komisch angucken.“

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RND/dpa/hb

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