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Wissen Luftverschmutzung: Sonntagsbraten ist schlimmer als Verkehr in Delhi
Nachrichten Wissen Luftverschmutzung: Sonntagsbraten ist schlimmer als Verkehr in Delhi
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18:05 18.02.2019
Wer einen Sonntagsbraten zubereitet, atmet möglicherweise viel schlechte Luft ein. Quelle: NP/Frank Wilde
Colorado/Hannover

Einen Sonntagsbraten zuzubereiten kann mehr Luftverschmutzung in Innenräumen verursachen, als dichter Verkehr in Großstädten. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der University of Colorado in Boulder. Wer Fleisch und Gemüse brät oder einen Gasherd verwendet, atmet demnach möglicherweise mehr gesundheitsschädigenden Feinstaub ein als an einer Hauptverkehrsstraße vorherrscht. Allerdings handelt es sich – anders als bei den Autoabgasen – eher um eine kurzfristige Belastung.

Für die Studie wurde ein Testhaus in Austin, Texas, mit zahlreichen Messgeräten versehen. „Wir wollten wissen: Wie verändern grundlegende Aktivitäten wie Kochen und Reinigen die Chemie eines Hauses?“, schreibt Studienleiterin Marina Vance in einer Mitteilung. Zudem wurde untersucht, inwiefern Luftchemikalien, die aus einem Haus stammen, ins Freie dringen und so auf die Außenluft wirken. Dazu zählten auch Flüchtige organische Verbindungen (VOCs) aus Produkten wie Shampoo, Parfüm und Reinigungslösungen. „Häuser wurden nie als eine wichtige Quelle für die Luftverschmutzung im Freien betrachtet, das wollen wir erkunden“, erläutert Vance.

Forscher raten, gut zu lüften

Die endgültigen Ergebnisse des sogenannten HomeChem-Experiment stehen laut Vance noch aus. Die Studie ist auch noch nicht veröffentlicht. Doch schon jetzt sei offensichtlich, dass die Wohnungen beim Kochen und Reinigen gut belüftet werden müssen, rät die Professorin. Den Erkenntnissen zufolge können bereits grundlegende Aufgaben wie das Kochen von Wasser über einer Herdflamme zu einem hohen Anteil gasförmiger Luftschadstoffe und Schwebstoffe beitragen – mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit.

Feinstaub-Gefahr an Weihnachten

Ein bei dem Experiment zubereitetes Thanksgiving-Dinner aus gebratenem Truthahn, gebratenem Rosenkohl, gekochten Süßkartoffeln, Brotfüllung und Preiselbeersoße habe erstaunlich hohe Werte ergeben. Während des Kochtags stiegen die Feinstaubgehalte im Haus demnach für eine Stunde auf 200 Mikrogramm pro Kubikmeter an. Zum Vergleich: In Neu Delhi, einer der schmutzigsten Städte der Welt, wurden 2016 im Mittel 143 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen.

Ian Colbeck, Experte für Luftverschmutzung an der University of Essex, der nicht an der Studie beteiligt war, sagte gegenüber dem „Guardian“, er habe in den letzten zehn Weihnachten sehr hohe Partikelkonzentrationen von Feinstaub gemessen. „Ein Braten ist eine der schlimmsten Arten des Kochens bezüglich der Luftverschmutzung in Innenräumen.“

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Enorm hoher Wert bei Toastbrot

Zur Überraschung ihres Teams seien die gemessenen Konzentrationen in Innenräumen so hoch gewesen, dass ihre empfindlichen Instrumente fast sofort neu kalibriert werden mussten. „Selbst der einfache Vorgang des Toastbrennens hat die Partikelkonzentrationen weit mehr als erwartet erhöht“, sagte Vance.

Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge sollte Luft in Innenräumen nicht mehr als 25 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter enthalten. Wurde das Toastbrot während der Studie stark geröstet, stieg dieser Wert auf mehr 3000 Mikrogramm pro Kubikmeter an, berichtet unter anderem die „Times“.

Schon seit Jahren wird davor gewarnt, Nahrungsmittel wie Kartoffeln, Toastbrot oder Kekse zu lange zu rösten, braten oder backen. Denn dabei entsteht das Krebs verursachende Acrylamid. Seit Dezember 2017 gibt es deshalb eine neue EU-Verordnung zu Acrylamid in Lebensmitteln.

Von Sonja Fröhlich/RND/dpa

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