Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Wissen Lawinengefahr: So können Skifahrer sich schützen
Nachrichten Wissen Lawinengefahr: So können Skifahrer sich schützen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:34 14.01.2019
Die Lawinengefahr in Österreich und Bayern wird aktuell täglich größer. Quelle: Martin Huber/APA/dpa
Innsbruck

Seit mehr als 40 Jahren arbeitet der Wissenschaftler Dr. Peter Höller (58) in Innsbruck in der Schnee- und Lawinenforschung. Seine Forschungsprioritäten betreffen insbesondere Schneedeckenstabilität und Lawinenbildung. Der 58-Jährige ist zudem gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Lawinenkunde. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland erklärt er, woran Experten erkennen, dass eine Lawinengefahr besteht und was auch Laien tun können, um sich vor der Gefahr zu schützen.

Lawinenexperte Peter Höller Quelle: privat

Herr Hoeller, ganz einfach gefragt: Wie entsteht überhaupt eine Lawinengefahr?

Lawinengefahr wird einerseits durch die meteorologischen Faktoren Neuschnee, Wind und Temperatur beeinflusst, aber auch durch schwache Schichten in der Schneedecke. Je größer die Neuschneezuwachs und je höher die Windgeschwindigkeit, desto mehr steigt die Lawinengefahr. In der derzeitigen Situation sind diese beiden Faktoren bestimmend, weshalb die Lawinensituation in den Alpen als besonders kritisch anzusehen ist.

Lawinenwarndienste graben in der Regel Schneeprofile aus. Können Sie einmal kurz erklären, wie das geht und was das bringt?

Es wird dabei ein Schacht bis zum Boden der Schneedecke gegraben. Danach werden die horizontalen Schichten bestimmt. Diese Schichten entstehen im Laufe des Winters durch unterschiedliche Einflüsse: Die häufigsten Schwachschichten sind eingeschneiter Oberflächenreif, Tiefenreif und Eislamellen. Die erste Form entsteht oft in klaren kalten Nächten an der Oberfläche des Schnees. Tiefenreif oder landläufig auch Schwimmschnee genannt, entsteht, wenn ein großer Temperaturunterschied zwischen Schneedecke und Oberfläche besteht. Eislamellen wiederum, wenn eine nasse Schicht in der Folge wieder gefriert. Mit geeigneten Testmethoden lässt sich die Stabilität der Schneedecke überprüfen. Diese sagen aus, wie gut oder schlecht die Schwachschichten mit dem umgebenden Schnee verbunden sind. Das ist der eigentliche Nutzen der Profilersterstellung. Um es einfach auszudrücken: Sollten die Schichten gut verbunden sein, so ist das in Bezug auf die Lawinengefahr positiv zu werten, sollten diese schlecht verbunden sein, so weist dies auf eine kritische Situation hin.

Wie können Laien eine Lawinengefahr erkennen?

Eine genaue Beobachtung des Geländes hilft: Gibt es im näheren Umgebungsbereich bereits abgegangene Lawinen? Wie groß ist die Einsinktiefe im Schnee? So kann man sich einen allgemeinen Überblick verschaffen. Sollte man plötzlich das typische „Wumm-Geräusch“ vernehmen, das entsteht, wenn kantige Kristalle unter dem Neuschnee kollabieren, so sollte man den Gefahrenbereich schnellstmöglich verlassen.

Wie können Skifahrer sich vor Lawinen schützen?

Lawinengefährdetes Gelände sollte eigentlich immer gemieden werden; grundsätzlich sollte jeder Tourengeher und Variantenfahrer ein sogenanntes LVS-Gerät (ein Lawinenverschütteten-Suchgerät), eine gute Schaufel (nicht aus Plastik) und eine Lawinensonde dabei haben, um im Ernstfall einen Verschütteten rasch orten und bergen zu können. Die Überlebenswahrscheinlichkeit sinkt nach den ersten 15 bis 20 Minuten sehr rasch ab. In jedem Fall muss man den Umgang mit dem LVS-Gerät aber beherrschen. Von immer mehr Tourengehern wird auch ein sogenannter Lawinen-Airbag mitgenommen, der eine Verschüttung verhindern soll. Die beste Ausrüstung sollte aber nicht zu einem risikofreudigeren Verhalten verleiten.

Wie fühlt sich der Schnee an, wenn Lawinengefahr besteht?

Das kann nicht generell beantwortet werden, weil es sowohl trockene als auch feuchte Lawinen gibt. Das hängt von den jeweiligen Temperaturverhältnissen ab. Während im Hochwinter die trockene Schneebrettlawinen vorherrschen, haben wir es im Frühling vor allem mit Nassschneelawinen zu tun. Abgelagerter Lawinenschnee ist jedenfalls sehr kompakt – um einen Verschütteten zu bergen, braucht man eine gute Lawinenschaufel.

Wenn eine Lawine auf mich zurollt, was kann ich tun?

Da Lawinen in sehr kurzer Zeit sehr hohe Geschwindigkeiten erreichen, hat man – sofern man bereits erfasst wurde – kaum mehr Möglichkeiten, allein zu entkommen. Sollte man sich am Rand der Lawinenbahn befinden, so kann man versuchen, durch sogenannte Schussflucht noch aus der eigentlichen Lawinenzone hinauszufahren. Aufgrund der hohen Lawinengeschwindigkeit ist dieses Unterfangen aber zumeist aussichtslos. Sollte man einen Lawinen-Airbag bei sich tragen, so ist dieser sofort auszulösen, um eine Verschüttung hintenanzuhalten. Man kann auch versuchen, sich von den Skiern zu befreien, da man durch Skier tiefer in die Lawine gezogen wird, aber auch das funktioniert nicht immer.

Lawinengefahr: Mehr zum Thema

Lawine trifft Hotel im Allgäu

Seehofer besucht Helfer im Katastrophengebiet

Sölden, Lech, Zürs und Co. nicht mehr erreichbar

Deutsche Lawinen-Tote identifiziert – das ist über sie bekannt

Von RND/Carina Bahl

Erst vor Kurzem hatten Forscher den Ertrag von Tabakpflanzen erhöht, indem sie Gene anderer Arten einfügten. Nun steigern Wissenschaftler den Ertrag von Reis deutlich – mit ausschließlich arteigenen Genen.

13.01.2019

Angesichts der rasanten Zunahme an Nilgänsen verlangt der Deutsche Jagdverband eine flächendeckende Bejagung. Der Verband bekommt dabei ungewohnte Schützenhilfe – vom Naturschutzbund.

13.01.2019

Chinas Rover Jadehase 2 rollt seit einigen Tagen über die Rückseite des Mondes. Jetzt hat das chinesische Staatsfernsehen erste Aufnahmen veröffentlicht. Dabei ist auch ein zwölfminütiges Video.

13.01.2019