Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Wissen Japan erlaubt Geburt von Mensch-Tier-Mischwesen
Nachrichten Wissen Japan erlaubt Geburt von Mensch-Tier-Mischwesen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:54 31.07.2019
Schon 2017 haben US-Forscher Chimäre aus Mensch und Schwein gezüchtet. Das vier Wochen alte Schweine-Embryo enthält menschliche Zellen. Quelle: Salk Institute/AP/dpa
Tokio/Hannover

Die Entscheidung löst kontroverse Diskussionen auf der ganzen Welt aus. Japan genehmigt weltweit das erste Experiment, bei dem Mischwesen aus Mensch und Tier bis zur Geburt gezüchtet werden dürfen. Dabei sollen Tierembryonen menschliche Zellen erhalten und dann Muttertieren eingepflanzt werden, die sie zur Welt bringen. Das berichtet das Wissenschaftsjournal „Nature“. Mit den sogenannten Mensch-Tier-Chimären wird langfristig das Ziel verfolgt, Spenderorgane für Menschen zu gewinnen.

„Wir erwarten nicht, dass wir die menschlichen Organe sofort schaffen“, sagte der leitende Wissenschaftler Hiromitsu Nakauchi von der University of Tokyo der japanischen Zeitung „The Asahi Shimbun“. „Aber nach zehnjähriger Vorbereitungszeit sind wir jetzt in der Lage, ernsthafte Studien auf diesem Gebiet zu beginnen.“

Tests zunächst an Ratten und Mäusen

Schon seit einigen Jahren experimentieren Forscher in unterschiedlichen Ländern mit Mischwesen aus Mensch und Tier. Bisher dürfen sie diese jedoch nur wenige Wochen im Muttertier wachsen lassen. Geboren wurden die Chimären noch nie. Bis März 2019 durften die Mischwesen auch in Japan nur höchstens 14 Tage im Muttertier wachsen, dann änderte Japan seine Leitlinien. Im August soll Nakauchis Forscherteam die offizielle Genehmigung für die Versuche erhalten. Nakauchi will das Verfahren zunächst an Ratten und Mäusen testen. Anschließend wollen die Forscher die Hybridembryonen in Schweinen heranwachsen lassen.

Lesen Sie auch:
Ethikrat: Gen-Veränderungen bei Menschen (noch) unzulässig

Bei dem Experiment wird zunächst ein tierischer Embryo gezüchtet, bei dem die Voraussetzungen für die Bildung eines bestimmten Organs ausgeschaltet wurden. Anschließend werden menschliche Stammzellen in den tierischen Embryo injiziert. Diese sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) können sich wieder zu jeder Art von Gewebe und Organ entwickeln. Aus den iPS-Zellen, die Nakauchis Team nutzt, sollen sich zunächst Bauchspeicheldrüsen bilden. In späteren Versuchen sollen Lebern und Nieren gewonnen werden, erklärte Nakauchi. In Zukunft sollten diese in Schweinen und Schafen gezüchtet werden, da die Größe des Organs für den Menschen ausreichen muss.

Deutscher Mediziner warnt vor „Nebeneffekten“

Unter Wissenschaftlern und Ethikern ist die Methode umstritten. „Ich bezweifele nicht, dass das Prozedere funktioniert. Allerdings besteht das Risiko von unerwünschten Nebeneffekten“, sagte der Münchner Herzchirurg und Transplantationsmediziner Bruno Reichart dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. So bestehe unter anderem das Risiko, dass die menschlichen Zellen außer Kontrolle gerieten und auch andere Orte des Tierkörpers beeinflussen könnten – zum Beispiel das Gehirn. „Man will sich die Folgen nicht ausmalen.“ In Deutschland sei eine solche Genehmigung derzeit nicht denkbar, sagt Reichart. Die Verwendung embryonaler humaner Stammzellen verbietet das Embryonenschutzgesetz.

Xenotransplantationen schon deutlich weiter

Der Münchner Herzchirurg hatte im vergangenen Jahr ähnlich Aufsehen erregt, indem er mit einer speziellen Technik gentechnisch veränderte Schweineherzen in Paviane einpflanzte, die damit erstaunlich lange überlebten. Damit sei die Übertragung von Schweineherzen auf Menschen als Lösung für den Mangel an Spenderorganen einen großen Schritt näher gerückt, hieß von Wissenschaftlern weltweit. Diese Form der sogenannten Xenotransplantation – also der Übertragung von Zellen und Organe auf Menschen – sei aber „etwas völlig anderes“ als die Züchtung von Mensch-Tier-Chimären, so Reichart.

Lesen Sie auch:
Bald könnten Menschen Schweineherzen eingesetzt werden

Japaner will Kritiker beschwichtigen

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte gegenüber dem „Spiegel“, Japans Vorstoß sei ein „klarer ethischer Megaverstoß“. „Mit der Züchtung von Mensch-Tier-Mischwesen wird eine Grenze überschritten, die wir als Menschen nicht überschreiten dürfen.“ Auch Jens Reich, Mediziner und Molekularbiologe am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin kritisierte die Versuche.

Der japanische Forscher Nakauchi versucht indes, die Bedenken der Kritiker zu zerstreuen. Wenn sein Team während der Experimente feststellte, dass menschliche Zellen mehr als 30 Prozent des Gehirns der Nagetierembryonen ausmachten, würde es das Experiment abbrechen. „Auf dieser Ebene wird niemals ein Tier mit einem menschlichen Gesicht geboren“, sagte er.

Lesen Sie auch:
Gentechnik: Forscher erzeugen schneller wachsenden Tabak

Von Sonja Fröhlich/RND

Die Sommerferien sind da – eine gute Zeit für eine Fahrradtour. Doch gerade unerfahrene Radler sollten nicht ohne Plan in die Pedale treten. Woran man vor einer längeren Fahrradtour unbedingt denken sollte, lesen Sie hier.

31.07.2019

Derzeit steht die Steuererklärung für das Jahr 2018 an. Eine für viele sehr ungeliebte Thematik. Ob nun Kosten rund um den Haushalt, Familie oder Job: Finanzexpertin Marieke Einbrodt von der Stiftung Warentest gibt Tipps, was alles zu beachten ist.

31.07.2019

Die Hanfpalme stammt aus Asien, schlägt mittlerweile aber auch mitten in Europa Wurzeln: In Österreich, der Schweiz und auch in Deutschland. Es ist erst der Anfang einer Entwicklung.

31.07.2019