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Nachrichten Wissen Organismen überlebten 533 Tage im Weltraum
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16:43 27.03.2019
Das BIOMEX-Experiment mit den dem Weltraum ausgesetzten Organismen auf der Internationalen Raumstation ISS. Quelle: ESA/ROSCOSMOS
Köln

Das BIOMEX-Projekt (BIOlogy and Mars EXperiment) wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt koordiniert und auf der Internationalen Raumstation ISS durchgeführt. Ein wesentliches Resultat des Experiments lautet: Leben im Weltraum bzw. auf dem Mars ist grundsätzlich möglich.

Denn, so das DLR, manch irdische biologische Substanzen und Strukturen sind sehr hart im Nehmen. Sie überlebten grenzwertige Umweltbedingungen während eines 18-monatigen Stresstests im Weltall. Dabei waren Proben unterschiedlicher Organismen wie Bakterien, Algen, Flechten und Pilze auf einer Außenplattform der ISS insgesamt 533 Tage dem Vakuum, intensiver UV-Strahlung und extremen Temperatur-Unterschieden ausgesetzt. „Einige der Organismen und Biomoleküle haben im offenen Weltraum eine enorme Strahlungsresistenz gezeigt und kehrten tatsächlich als ‚Überlebende‘ aus dem All zur Erde zurück“, sagt Dr. Jean-Pierre Paul de Vera vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof.

Urbakterien aus dem Meer überlebten im All

Der Astrobiologe war der wissenschaftliche Leiter des BIOMEX-Experiments. „Wir haben unter anderem Archäen, also einzellige Mikroorganismen, wie es sie auf der Erde seit über dreieinhalb Milliarden Jahren im salzigen Meerwasser gibt, untersucht. Unsere ‚Probanden‘ sind Verwandte, die aus dem Permafrost der Arktis isoliert wurden. Sie haben unter Weltraumbedingungen überlebt und sind zudem mit unseren Instrumenten detektierbar. Solche Einzeller wären Kandidaten für Lebensformen, die wir uns auch auf dem Mars vorstellen könnten.“

Damit wurde das Hauptziel des Experiments erreicht. Prinzipiell, so das DLR, scheinen manche Lebewesen, die auf der Erde unter extremen Umweltbedingungen vorkommen, sogenannte „extremophile“ Organismen, auch auf dem Mars existieren zu können. „Das bedeutet freilich noch lange nicht, dass Leben auch wirklich auf dem Mars vorkommt“, schränkt de Vera ein. „Aber die Suche danach ist nun mehr denn je die stärkste Triebfeder für die nächste Generation von Raumfahrtmissionen zum Mars.“

Der „wohnlichste“ aller Planeten

Von allen Planeten des Sonnensystems ist der Mars derjenige, auf dem Leben am ehesten möglich sein könnte. Aber auch er ist extrem lebensfeindlich – zumindest aus irdischer Sicht: staubig, trocken, mit geringer Schwerkraft und niedrigem Sauerstoffgehalt, kalt, aufgrund seiner dünnen Atmosphäre extremer Strahlung ausgesetzt, und häufig Schauplatz gewaltiger Staubstürme, die den ganzen Planeten in Dunkelheit hüllen. Dennoch gibt es auf dem Mars etliche Voraussetzungen für Leben: eine Atmosphäre, Elemente wie Karbon, Wasserstoff, Stickstoff, Schwefel und Phosphor, gefrorenes Wasser und gegebenenfalls sogar flüssiges Wasser.

Und so stärken die BIOMEX-Ergebnisse auch eine Hypothese, die unter Wissenschaftler heiß diskutiert wird und die für die Frage, wie das Leben vor 3,8 Milliarden Jahre auf die Erde kam, nicht unbedeutend ist: Die sogenannte Panspermia-Theorie geht davon aus, dass Organismen auf dem frühen Mars existierten und durch einen Asteroideneinschlag in ausgeworfenem Gestein von dem Planeten weggeschleudert und ins innere Sonnensystem verfrachtet wurden. Dort kollidierten manche als Meteoriten mit der Erde und die darin enthaltenen Organismen entwickelten sich weiter.

Vakuum, UV-Strahlung, Hitze, Kälte – ein kosmischer Stresstest

Für das BIOMEX-Experiment wurden am 18. August 2014 mehrere hundert Proben in einem Experimentkasten von den russischen Kosmonauten Alexander Skwortzow und Oleg Artemjew auf der Außenplattform des russischen ISS-Moduls Swesda angebracht. In den zum Weltraum-Vakuum hin offenen Probenbehältern befanden sich primitive irdische Organismen wie Moose, Flechten, Pilze, Bakterien, Archäen (Urbakterien) und Algen sowie Zellmembranen und Pigmente. Sie waren unter anderem in simulierten mineralischen Marsböden mit imitierter Marsatmosphäre eingebettet. Am 22. Oktober 2014 entfernten die Kosmonauten Maxim Surajew und Alexandr Samokutjaew die Schutzabdeckung. Ab diesem Zeitpunkt waren die Proben unter hochtransparenten Gläsern permanent den harten Weltraumbedingungen im Vakuum ausgesetzt, mit großen Temperaturschwankungen und der dort herrschenden starken UV-Strahlung. „Dabei bot die ISS einmal mehr ideale Voraussetzungen für ein Experiment, das nur unter Weltraumbedingungen durchgeführt werden konnte“, sagt Jean-Pierre Paul de Vera.

Von Daniel Killy/RND

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