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Wissen Einfach keine Lust auf Sex? Was es mit Asexualität auf sich hat
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14:33 10.09.2019
Kuscheln statt Sex - asexuelle Menschen verspüren kein sexuelles Verlangen, wohl aber den Wunsch nach Intimität. Quelle: Jacqueline Schulz
Hannover

Was bedeutet es, wenn die schönste Nebensache der Welt einfach nur Nebensache ist, die für die eigene Zufriedenheit keine Relevanz hat? In der breiten Gesellschaft scheint Asexualität noch immer ein Tabuthema zu sein. Wenn darüber gesprochen wird, dann meist in Form eines Mangels, der sich negativ auf die eigene Psyche oder eine romantische Partnerschaft auswirkt.

Dabei ist Asexualität keine Abweichung von der Norm, denn eine solche sexuelle Norm gibt es nicht. Paradoxerweise hat gerade die sexuelle Revolution des 20. Jahrhunderts dazu beigetragen, dass es heute eher als "normal" angesehen wird, Sex haben zu wollen, als darauf zu verzichten. Die Enttabuisierung von Sex führte somit zur Tabuisierung seiner freiwilligen Ablehnung. Zeit, mit Vorurteilen aufzuräumen und der Asexualität auf den Grund zu gehen.

Was ist Asexualität?

Ursprünglich stammt der Begriff aus der Pflanzen- und Tierwelt, wo Asexualität die ungeschlechtliche Vermehrung von Lebewesen beschreibt. Für Menschen wurde der Begriff erstmals in den Neunzigerjahren benutzt. Und zwar für jene, die laut dem Asexuality Visibility and Education Network (AVEN) eine geringe bis nicht vorhandene Libido, also sexuelle Begierde, aufweisen. Dennoch gibt es Asexuelle, die masturbieren und lediglich keine Lust auf Sex mit anderen Menschen verspüren. Die Ausprägungen von Asexualität sind ebenso unterschiedlich wie bei jeder anderen sexuellen Orientierung und können sich im Laufe des Lebens ändern.

Das AVEN, dass sich selbst als "weltweit größte asexuelle Gemeinschaft" bezeichnet, definiert Asexualität als "keinen Wunsch nach sexueller Interaktion". Damit ist jedoch nicht sexuelle Abstinenz, wie etwa bei einem Zölibat, gemeint. In erster Linie zeichne sich die Asexualität durch ein mangelndes sexuelles Verlangen aus. Laut AVEN sei sie daher eher als sexuelle Orientierung zu verstehen. Wissenschaftliche Einigkeit herrscht dazu allerdings nicht.

Wie empfinden Betroffene Asexualität?

Für viele asexuelle Menschen ist vor allem der Weg zur Erkenntnis „Ich bin asexuell“ problematisch. Dabei wird die Schwierigkeit, sich einzugestehen, keine Lust auf Sex zu haben, vor allem durch die Gesellschaft befördert. Der Online-Partnervermittlung "ElitePartner" zufolge seien "die Scham und Angst vor der Dominanz der 'normalen' anderen" schlicht zu groß. Wer asexuell ist, sieht sich deshalb oft mit dem Vorurteil konfrontiert, dass etwas nicht in Ordnung sei. Das kann dazu führen, dass sich Menschen ausgegrenzt fühlen und an ihrer eigenen Gesundheit zweifeln. Das Selbstwertgefühl nimmt ab.

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Wichtig ist deshalb, sich über die eigenen Erfahrungen austauschen zu können. Internetforen und Informationsseiten im Netz sind dabei oft die erste Anlaufstelle, da sich die Betroffenen für ihre vermeintliche Abnormalität schämen und den Gang zu Freunden und Familie oder einem Therapeuten scheuen. Dabei geht es vor allem darum, Vorurteile abzubauen und sich mit den Eigenschaften von Asexualität auseinanderzusetzen.

Asexualität ist keine Krankheit

Laut dem Berliner Sexualpsychologen Christoph J. Ahlers ist Asexualität keine Krankheit. Folglich leidet eine asexuelle Person im Alltag nicht unter ihrer mangelnden Sexlust. Lust ist laut Ahlers nur eine von drei Funktionen von Sexualität. "Neben der Erregung geht es bei Sexualität auch um Fortpflanzung und vor allem um Kommunikation". Das bedeutet: Asexuelle haben keine Lust, sich mit anderen Personen sexuell zu stimulieren, einen Kinderwunsch können sie aber trotzdem haben. Und vor allem das Bedürfnis nach Innigkeit und Intimität durch Körper- und Hautkontakt (die Kommunikationsfunktion von Sexualität) ist vielen Asexuellen bekannt.

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Gründe für sexuelle Lustlosigkeit

Laut der Sexualtherapeutin Vivian Jückstock ist Asexualität nichts Unnormales. "Das sexuelle Verlangen und Interesse ist bei jedem Menschen anders ausgeprägt." So gebe es eben Menschen mit einem ausgeprägten sexuellen Interesse und solche ohne. Dabei ist es wichtig zu unterscheiden, dass sexuelle Lustlosigkeit nicht automatisch mit Asexualität gleichzusetzen ist.

Eine Umfrage von "ElitePartner" aus dem Jahr 2018 hat gezeigt: Die Sexfrequenz nimmt mit dem Alter kontinuierlich ab. 28 Prozent der Menschen zwischen 60 und 69 Jahren hätten demnach gar keinen Sex mehr. Wie es in jungen Altersklassen dazu kommt, dass Menschen keinerlei Lust auf Intimitäten verspüren, darüber ist sich die Wissenschaft uneins. Allerdings gibt es mittlerweile einige Erkenntnisse aus der Forschung, die sowohl körperliche als auch psychische Faktoren für fehlende sexuelle Vorlieben verantwortlich machen.

Körperliche Ursachen für Asexualität:

  • Hormonmangel oder Hormonumstellung in der Menopause
  • Medikamente wie Antidepressiva, Beruhigungs- oder Schlafmittel, Drogenkonsum
  • Fehlfunktion in den Lustzentren des Gehirns

Psychische Ursachen für Asexualität:

  • Stress/Überlastung
  • Schlafmangel
  • „Nachwirkungen“ der Geburt eines Kindes
  • Prägung durch sexuellen Missbrauch
  • Unzufriedenheit in der Partnerschaft

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Woher weiß ich, ob ich asexuell bin?

Letztlich kann niemand außer der asexuellen Person selbst Asexualität "diagnostizieren". Dagegen spricht schon die Betrachtungsweise von Asexualität als sexueller Orientierung. Nichtsdestotrotz können folgende Anzeichen auf Asexualität hinweisen:

  • Sex und sexuelle Darstellungen wirken nicht anziehend, sondern eher langweilig - was nicht bedeutet, dass Asexuelle Ekel oder Abneigung gegenüber Sex im Allgemeinen verspüren.
  • Sexuelle Erregung wird als gewöhnlich, ärgerlich oder unangenehm empfunden - was nicht bedeutet, dass Asexuelle keine sexuelle Erregung verspüren können.
  • Die Persönlichkeit eines Menschen hat eine größere Anziehungskraft als dessen Aussehen - was nicht bedeutet, dass sich Asexuelle nicht von Schönheit angezogen fühlen können.
  • Intimität wird nicht in der Erfüllung sexuellen Verlangens gesucht - was nicht bedeutet, dass Asexuelle auf Intimität und Innigkeit verzichten wollen.

Natürlich können diese Verhaltensweisen in unterschiedlicher Ausprägung auch auf sexuelle Menschen zutreffen. Zudem weist AVEN daraufhin, dass Asexualität nicht zwangsweise einen dauerhaften Zustand beschreiben muss. Wer sich jetzt als asexuell sieht, kann durchaus in der Zukunft sexuelles Verlangen zu einer Person entwickeln. Veränderung sei niemals auszuschließen. Wichtig sei lediglich, dass man mit sich selbst zufrieden ist und die Asexualität, auch wenn sie sich nur als eine Phase entpuppen sollte, als normal akzeptiert.

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