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Wissen Ein Cent für Plastiktüte – Expertin bezeichnet „Schritt von Aldi nicht sehr mutig“ und nennt Alternative
Nachrichten Wissen Ein Cent für Plastiktüte – Expertin bezeichnet „Schritt von Aldi nicht sehr mutig“ und nennt Alternative
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14:54 12.06.2019
Pfirsiche, mal nicht in Plastik gehüllt – aber dann doch eingetütet. Quelle: www.imago-images.de
Hannover

Wer bei Aldi Äpfel, Trauben oder Tomaten künftig in dünne Knotenbeutel packen will, der muss dafür vom Sommer an einen Cent pro Stück zahlen. Das haben Aldi Nord und Aldi Süd jetzt angekündigt. Ob das eine Wirkung erzielt, beantwortet Elke Salzmann, Referentin Ressourcenschutz der Verbraucherzentrale Bundesverband.

Frau Salzmann, was halten Sie davon, dass Aldi künftig von seinen Kunden einen Cent für eine dünne Tüte verlangt?

Neben den Plastiktüten nun auch Hemdchenbeutel kostenpflichtig abzugeben, ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Immerhin verbrauchen wir in Deutschland jährlich noch 3 Milliarden davon. Diese Beutel gehören laut EU Kommission auch zu den zehn am häufigsten gefundenen Einwegartikeln an europäischen Küsten. Laut der EU-Richtlinie gegen Einwegplastik, die ab 2021 in deutsches Recht umgesetzt werden muss, muss die Bundesregierung hier auch Maßnahmen zur Reduktion veranlassen. Da kommt also sowieso etwas auf den Handel zu. Aldi will schneller sein und beim Umweltschutz punkten. Allerdings ist der Preis von einem Cent eher symbolisch, er wird kaum eine Lenkungswirkung erzielen.

Aldi will seine Kunden dazu bringen, weniger nach den Gratisbeuteln zu greifen. Wird dies gelingen?

Das bleibt abzuwarten, der Schritt von Aldi mit nur einem Cent ist nicht sehr mutig. Ich nehme nicht an, dass der Verbrauch der Beutel dadurch nennenswert zurückgeht.

Was wäre die bessere Lösung?

Wichtig ist vor allem, dass der Verbraucher Alternativen zu den Hemdchenbeuteln bekommt. Einige Filialen einzelner Handelsketten bieten schon Mehrwegnetze zum mehrmaligen Gebrauch an. In die Richtung muss man die Verbraucher motivieren, über Jahrzehnte eingeübte Verhaltensmuster zu verändern. Hier wäre der Handel gut beraten, mit positiven Anreizen zu arbeiten – etwa mit Rabatten, wenn man Mehrwegnetze benutzt. Papiertüten oder Bioplastik – der sollte übrigens gar nicht so heißen dürfen – sind keine gute Alternativen, denn die Ökobilanz ist nicht besser als bei den Hemdchenbeuteln.

Was muss sich generell verändern?

Wir müssen generell Verpackungsmüll verringern, nicht nur den aus Plastik. Laut unseren Umfragen wünschen sich 97 Prozent der Verbraucher weniger Verpackungsmüll. Der größere Teil des Verpackungsmülls sind PPK-Verpackungen, also Papier, Pappe, Karton. In dem Bereich gibt es auch ein großes Einsparpotenzial.

Was sollte die Politik Ihrer Meinung nach tun?

Bundesumweltministerin Schulze hatte bei ihrem Runden Tisch zur Verringerung von Verpackungsmüll im Februar diesen Jahres Hersteller und Handel eingeladen, Maßnahmen zur Verringerung von Verpackungsmüll zu vereinbaren. Analog der freiwilligen Vereinbarung mit dem HDE zur Plastiktüte setzt Frau Schulze wieder auf freiwillige Vereinbarungen. Im Herbst wurden Ergebnisse versprochen. Hier bleibt abzuwarten, was vorgelegt wird. Wichtig ist aus Sicht des Verbraucherschutzes, dass es für alle verbindliche, quantitative Reduktionsziele gibt.

Wie kann der Verbraucher dem Plastik im Supermarkt überhaupt trotzen?

Im Supermarkt oder Discounter ist es schwierig, Plastikverpackungen zu vermeiden. Die Verbraucherzentralen haben gerade einen Marktcheck bei den größten Discountern und Supermärkten durchgeführt und festgestellt, dass 63 Prozent bei Obst und Gemüse bereits vorverpackt sind. Bei Penny und Aldi ist die Plastikquote mit 74 Prozent übrigens besonders hoch.

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Von Sonja Fröhlich/RND

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