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Wissen Countdown zum Weltuntergang 2019: Doomsday Clock bei „zwei Minuten vor Mitternacht“
Nachrichten Wissen Countdown zum Weltuntergang 2019: Doomsday Clock bei „zwei Minuten vor Mitternacht“
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18:13 24.01.2019
„Fünf Minuten vor Mitternacht“ – So weit weg stand die Welt zuletzt 2012 vor dem Weltuntergang. Inzwischen ist die Weltlage bedrohlicher geworden. Aktuell steht die Doomsday Clock auf „zwei Minuten vor zwölf“. Quelle: AP
Washington

Je nach aktueller Weltlage wird die „Doomsday Clock“ von Wissenschaftlern des „Bulletin of the Atomic Scientists“ nach vorne oder hinten verstellt. Am 24. Januar 2019 ist es wieder soweit. Die aktualisierte Uhrzeit der Weltuntergangsuhr wurde auf einer Pressekonferenz in Washington, D.C. veröffentlicht: Es ist immer noch „zwei Minuten vor Mitternacht“.

Seit der vorletzten Umstellung im Januar 2018 steht die Welt damit immer noch so nah wie seit 1953 nicht mehr am Rande ihres Untergangs. Doch die Dramatik ist nicht unbegründet - hinter der Idee der Weltuntergangsuhr stecken reale politische und ökologische Krisen.

Was ist die Doomsday Clock?

Die Doomsday Clock, zu deutsch Weltuntergangsuhr oder auch „Uhr des Jüngsten Gerichts“, ist ein symbolisches Warnsystem mit simpler Botschaft: Je näher die Zeiger der Uhr auf Mitternacht stehen, desto näher ist die Welt an ihrem metaphorischen Untergang. Dargestellt wird das durch die Anzahl an Minuten, die die Menschheit von der „Stunde Null“, also 12 Uhr Mitternacht, trennen.

Als die Weltuntergangsuhr 1947 zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert wurde, befand sich die Welt in den Anfängen des Kalten Krieges. Ein Atomkrieg, angefacht durch das atomare Wettrüsten der beiden Hauptkontrahenten USA und UdSSR, schien damals imminent. Vor allem früher war deshalb auch der Begriff Atomkriegsuhr im deutschen Sprachgebrauch üblich.

Ist die Atomkriegsuhr noch zeitgemäß?

Auch im 21. Jahrhundert hat die Weltuntergangsuhr nichts von ihrer Warnfunktion eingebüßt. Im Gegenteil: Der Kalte Krieg mag offiziell beendet sein, inzwischen lassen neue Spannungen zwischen Ost und West aber wieder Ängste vor einem Wettrüsten aufkommen. Sogar von einem drohenden neuen Kalten Krieg ist die Rede.

Dazu kommt die Bedrohung durch den Klimawandel, der erst langsam als akute Bedrohung in der breiten Gesellschaft erkannt wird. In vielen Regionen der Welt sind die dramatischen Folgen der globalen Erderwärmung jedoch bereits heute zu spüren.

Woher stammt die Doomsday Clock?

Die Idee der Atomkriegsuhr stammt von Wissenschaftlern, die im Rahmen des sogenannten Manhattan-Projektes an der Entwicklung von Atomwaffen in den USA geforscht hatten.

Kurz nach den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki begannen diese mit der Veröffentlichung des „Bulletin of the Atomic Scientists“ (BAS). Hierbei handelt es sich um eine wissenschaftliche Zeitschrift, in der primär über die Atompolitik und den Status der globalen Sicherheit informiert werden sollte.

Seit 1947 begann man damit, die symbolische Atomkriegsuhr auf dem Titelblatt abzubilden, um so das Bewusstsein der Öffentlichkeit für das Risiko einer globalen, nuklearen Katastrophe zu schärfen. Als weiterer Schwerpunkt ist seit 2007 die Gefahr durch Naturkatastrophen, die durch den Klimawandel bedingt sind, hinzugekommen.

Wer entscheidet, „wie spät“ es ist?

Seit 1973 entscheidet das „Science and Security Board“, eine Art Sicherheitsrat der Zeitschrift, zusammen mit einem Sponsorenteam, bestehend aus 14 bis 17 Nobelpreisträgern, über die Minutenanzeige der Doomsday Clock. Dafür beraten sich die Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen zweimal im Jahr.

Welche Kriterien sind für die Zeitumstellung relevant?

Ob der Minutenzeiger der Uhr nach vorne oder nach hinten verstellt wird, unterliegt unterschiedlichen Kriterien. Es ist aber auch möglich, dass die Uhrzeit unverändert bleibt. Bisher kam das einmal, bei der Verkündung 2016 vor.

Über den genauen Entscheidungsprozess ist nicht viel bekannt. Allerdings verweisen die Wissenschaftler darauf, dass bereits geschehene Ereignisse und zeitgenössische Trends in die Analyse miteinfließen. Neben der aktuellen politischen und ökologischen Weltlage bestimmt auch die weltweite Anzahl an Atomwaffen, der Stickoxidgehalt in der Erdatmosphäre oder der Anstieg des Meeresspiegels darüber, wie sich die Uhrzeit auf der Doomsday Clock verändert.

Hat die Doomsday Clock Einfluss auf die Politik?

Wenngleich die Wissenschaftler betonen, dass sie keine politische Agenda verfolgen, sehen sie in ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung des Friedens auf der ganzen Welt. Das primäre Ziel der Doomsday Clock ist, die Weltbevölkerung über die Gefahren destruktiver Technologien zu informieren und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie hoch das Risiko einer globalen Katastrophe ist.

Die Doomsday Clock im historischen Verlauf

Als die Weltuntergangsuhr das erste Mal 1947 verkündet wurde, stellte man die Zeiger noch willkürlich auf sieben Minuten vor zwölf. Schon zwei Jahre darauf sah man sich jedoch gezwungen, die Uhrzeit um vier Minuten nach vorne, auf „11:57“ zu verändern. Hintergrund war damals der erste Kernwaffentest der Sowjetunion.

Seitdem wurde die Uhr 23 Mal verstellt, davon 15 Mal nach vorne und achtmal nach hinten. Zuletzt wurde die Doomsday Clock am 25. Januar 2018 vorgestellt. Als Gründe nannten die Verantwortlichen unter anderen die Wortgefechte zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un, sowie die deutliche Bedrohung durch den Klimawandel. Auch wenn sich die beiden Streithälse in der Zwischenzeit um friedliche Worte bemüht haben, bleibt die atomare Aufrüstung einstiger Kalter-Krieg-Konfliktparteien nach wie vor ein Thema.

Eine historische Übersicht, über die Veränderungen der Doomsday Clock bietet die folgende Liste. Die Jahre in denen die Menschheit näher an der Katastrophe stand, sind fett markiert.

• 1947, 11:53 Uhr („Es ist sieben Minuten vor Mitternacht.“)

1949, 11:57 Uhr („Es ist drei Minuten vor Mitternacht.“)

1953, 11:58 Uhr („Es ist zwei Minuten vor Mitternacht.“)

• 1960, 11:53 Uhr („Es ist sieben Minuten vor Mitternacht.“)

• 1963, 11:48 Uhr („Es ist zwölf Minuten vor Mitternacht.“)

1968, 11:53 Uhr („Es ist sieben Minuten vor Mitternacht.“)

• 1969, 11:50 Uhr („Es ist zehn Minuten vor Mitternacht.“)

• 1972, 11:48 Uhr („Es ist zwölf Minuten vor Mitternacht.“)

1974, 11:51 Uhr („Es ist neun Minuten vor Mitternacht.“)

1980, 11:53 Uhr („Es ist sieben Minuten vor Mitternacht.“)

1981, 11:56 Uhr („Es ist vier Minuten vor Mitternacht.“)

1984, 11:57 Uhr („Es ist drei Minuten vor Mitternacht.“)

• 1988, 11:54 Uhr („Es ist sechs Minuten vor Mitternacht.“)

• 1990, 11:50 Uhr („Es ist zehn Minuten vor Mitternacht.“)

• 1991, 11:43 Uhr („Es ist 17 Minuten vor Mitternacht.“)

1995, 11:46 Uhr („Es ist 14 Minuten vor Mitternacht.“)

1998, 11:51 Uhr („Es ist neun Minuten vor Mitternacht.“)

2002, 11:53 Uhr („Es ist sieben Minuten vor Mitternacht.“)

2007, 11:55 Uhr („Es ist fünf Minuten vor Mitternacht.“)

• 2010, 11:54 Uhr („Es ist sechs Minuten vor Mitternacht.“)

2012, 11:55 Uhr („Es ist fünf Minuten vor Mitternacht.“)

2015, 11:57 Uhr („Es ist drei Minuten vor Mitternacht.“)

• 2016, 11:57 Uhr („Es ist immer noch drei Minuten vor Mitternacht.“)

2017, 11:57:30 Uhr („Es ist zweieinhalb Minuten vor Mitternacht.“)

2018, 11:58 Uhr („Es ist zwei Minuten vor Mitternacht.“)

• 2019, 11:58 Uhr („Es ist immer noch zwei Minuten vor Mitternacht.“)

Wo lässt sich die Verkündung der Doomsday Clock live verfolgen?

Das „Bulletin of the Atomic Scientists“ wird die neue Uhrzeit der Doomsday Clock im Rahmen einer internationalen Pressekonferenz am 24. Januar 2019 um 10 Uhr morgens (16 Uhr deutscher Zeit) bekanntgeben. Live verfolgen kann man die Verkündung auf der Webseite des „Bulletins“, sowie auf Facebook und Twitter. Dort finden sich auch weitere Informationen über die jeweiligen Hintergründe der Zeitverstellung.

Doomsday Clock 2019: Begründung zur Beibehaltung der Vorjahres-Uhrzeit

In Ihrer Stellungnahme zur Entscheidung, die Weltuntergangsuhr im Jahr 2019 nicht zu verstellen, sagten die Verantwortlichen, dass sich die prekäre Weltlage nicht entspannt habe. Auf der Pressekonferenz äußerten sie auch ihren Eindruck, dass die Gesellschaft dazu neige, eine „sehr gefährliche Welt zu normalisieren“.

Als Gründe nannten die Wissenschaftler unter anderen die anhaltende nukleare Bedrohung sowie das „neue, abnormale“ Klima. Somit ist der Stellenwert des Klimawandels für die Uhrzeit der Doomsday Clock seit seiner ersten Berücksichtigung im Jahr 2007 weiter gestiegen.

Von RND/pf

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