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Wissen Borkenkäfer 2019: Was macht er und wieso ist er so schädlich für unsere Wälder?
Nachrichten Wissen Borkenkäfer 2019: Was macht er und wieso ist er so schädlich für unsere Wälder?
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13:31 08.09.2019
Mit 50 Soldaten unterstützt die Bundeswehr Forstleuten in Sachsen bei der Bekämpfung des Borkenkäfers. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/
Hannover

Hitze, Stürme, umgeknickte Bäume - Der Sommer hinterlässt Spuren in den Wäldern und ein Waldbewohner trägt in besonderem Maße dazu bei: der Borkenkäfer. In der Forstwirtschaft gilt der Borkenkäfer als einer der gefährlichsten Schädlinge. Je nach Unterart befällt er unterschiedliche kränkelnde oder absterbende Bäume, die ihm als Lebensraum dienen – steigt seine Population jedoch aufgrund günstiger Witterungsbedingungen enorm an, können sich die Käfer auch auf gesunde und vitale Bäume ausbreiten. Mit teils verheerenden Auswirkungen für den Wald. Wie gefährlich ist er für die Forstwirtschaft, und wie lässt sich der Schädling bekämpfen?

Was machen Borkenkäfer?

Ist von dem Borkenkäfer die Rede, so ist damit in den meisten Fällen der Buchdrucker oder Kupferstecher gemeint. Beide Unterarten befallen die Fichte und gelten als sogenannte „sekundäre Schädlinge“. Damit ist gemeint, dass sie nur in kranken und absterbenden Bäumen ideale Lebensbedingungen und Brutstätten finden. Unter besonderen Umständen wie etwa Dürre und ausreichend Brutmaterial kann sich eine Population des Borkenkäfers allerdings so massiv vermehren, dass diese auf gesunde Bäume übergreift. Die Rede ist dann von einer Massenvermehrung oder auch Kalamität.

Borkenkäfer entwickeln sich unter der Rinde von Bäumen, dort fressen sie während ihrer Nahrungsaufnahme Gänge in den weichen Rindenbast. Sie schädigen die betroffenen Bäume, da sie den Saftstrom im Baumstamm unterbrechen und die Bäume so zum Absterben bringen.

Wie zerstören Borkenkäfer Wälder?

Normalerweise können sich gesunde Bäume gegen die Schädlinge wehren, indem sie Harz abgeben, durch das die Käfer steckenbleiben. Bei einer massenhaften Vermehrung kommen die Bäume mit der Harzproduktion jedoch nicht mehr hinterher. Gleichzeitig lockt der Duft des Harzes immer mehr Käfer an, die dem Baum schließlich so sehr zusetzen, dass er durch die unterbrochenen Saftstromleitungen verdurstet. Im schlimmsten Fall können auf diese Weise innerhalb kurzer Zeit ganze Waldteile betroffen sein.

Mehr zum Thema: Deutschlands größter Klimaschützer braucht Hilfe (Kommentar)

Normalerweise ist der Borkenkäfer – sofern er nicht als Überpopulation auftritt – ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Waldes, denn er spielt eine entscheidende Rolle bei der Zersetzung verrottender Totholzbestände.

Wie erkennt man Borkenkäfer?

Allein in Europa kommen über 150 Arten des Borkenkäfers vor, weltweit sind es sogar einige Tausend. Der in Deutschland wohl am häufigsten auftretende Borkenkäfer ist der Buchdrucker, der zwischen 4,2 und 5,5 Millimeter groß werden kann. Er ist rotbraun und schwarzbraun gefärbt, hat drei Paar Beine, ist stark behaart und mit Flügeln ausgestattet.

Wie erkennt man einen Borkenkäferbefall am Baum?

Ob ein Baum von einem Borkenkäfer befallen ist, lässt sich relativ leicht erkennen. Bei befallenen Bäumen verfärbt sich die Krone erst rot und später grau. Am Stamm und dickeren Ästen lassen sich bei genauerem Hinsehen außerdem Ein- und Ausbohrlöcher des Käfers entdecken. Für einen Befall spricht auch braunes Bohrmehl direkt vor dem Stamm. Besonders eindeutig ist der Borkenkäferbefall jedoch unter der Rinde zu sehen: Dort zeichnen sich die Gänge des Käfers deutlich im Holz ab und bilden feine Linien in alle erdenklichen Richtungen.

Borkenkäfer und Dürre: Gefahr für Fichte, Buche und Eiche

Dieses Jahr scheint es die Fichtenwälder besonders hart zu treffen. Im Gespräch mit dem SWR sagte Hans-Werner Schröck von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz:

"Wir haben im letzten Jahr drei komplette Generationen Borkenkäfer, die sich entwickelt haben. Das heißt, das Potenzial an Käfern, die dieses Jahr entweder aus dem Boden oder aus den Bäumen ausfliegen und neue Fichten besiedeln können, ist extrem hoch."

Nicht nur die jetzigen Temperaturen sind ideal für den Borkenkäfer, sondern auch die vergangenen Sommer haben seine Lebensbedingungen unterstützt. Durch die hohen Temperaturen konnten sich mehrere Generationen bilden – schon 16,5 Grad gelten als Schwellenwert, bei dem der Borkenkäfer beginnt auszufliegen. Laut SWR könnten die Tiere 2019 daher einen Schaden von etwa 100 Millionen Euro bei Waldbesitzern allein in Baden-Württemberg anrichten.

Was tun bei Borkenkäferbefall?

In der Forstwirtschaft gibt es einige Möglichkeiten, um sich gegen Kalamitäten von Borkenkäfern zur Wehr zu setzen. Darunter fällt zum Beispiel der Umbau von Nadelholzreinbeständen in laubholzreiche Mischbestände. Sie sind wesentlich stabiler gegen abiotische Schäden, also etwa Schneebruch oder Windwurf.

Bei einem bereits vorhandenen Befall rät die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft zu folgenden Maßnahmen:

  • Befallene Fichten einschlagen und entrinden oder aus dem Bestand abfahren.
  • Bruttaugliches Material im Wald muss entfernt oder unschädlich gemacht werden, etwa durch Verbrennen, Hacken oder Mulchen.
  • Ist der Wald auch durch Kupferstecher (neben dem Buchdrucker der häufigste Borkenkäfer hierzulande) gefährdet, muss ebenfalls das Gipfelmaterial unschädlich gemacht werden, zum Beispiel durch Häckseln oder Verbrennen.

Wie bekämpft man Borkenkäfer am besten?

Bei der Bekämpfung von Borkenkäfern kamen in der Vergangenheit häufig Lockstoffe zum Einsatz. Leider zeigte sich im Laufe der vergangenen Jahre, dass mit Lockstoffen gespickte Borkenkäferfallen die Vermehrung und Ausbreitung der Käfer nicht verhindern können. Die anfangs hohen Erwartungen wurden insbesondere in Zeiten von Massenvermehrungen des Borkenkäfers schnell relativiert. Dennoch sind die Fallen als ergänzende Maßnahme nach einer Befallsherdsanierung zu empfehlen. Auch zum Monitoring eignen sich die Borkenkäferfallen – sie können zum Beispiel dazu beitragen, den Flugbeginn der Käfer im Frühling festzustellen oder die generelle Käfersituation abzuschätzen.

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Borkenkäfer im Garten: Was tun bei häuslichem Befall?

Nicht nur im Fichtenwald kann der Borkenkäfer zur Gefahr werden, sondern auch im Garten. Zwar können Gartenbesitzer teilweise vorbeugen, bei einem bereits befallenem Baum gibt es aber meist nur eine letztendliche Konsequenz – den Griff zu Axt oder Säge. Insektizide sind an den Bäumen nicht zulässig und darüber hinaus auch nicht wirkungsvoll. Nur selten reicht es, lediglich einige betroffene Äste abzusägen, stattdessen muss meist der komplette Baum gefällt werden. Und das so schnell wie möglich, denn die Käfer locken weitere Artgenossen an und können dementsprechend weitere Wirtsbäume in unmittelbarer Nähe anfallen.

Borkenkäfer vorbeugen: Was kann man tun?

Um dem Borkenkäfer vorzubeugen, sollte man die Bäume im Garten vital und gesund halten, damit sie sich bestmöglich gegen den Schädling zur Wehr setzen können. Dafür braucht es eine gute Wasser- und Nährstoffversorgung.

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Bundeswehreinsatz gegen Borkenkäfer in Sachsen

Bäume fällen statt Panzer fahren: In Sachsen ist die Borkenkäferplage nun so groß geworden, dass die Bundeswehr dem Schädling in den Wäldern zu Leibe rückt. Im Zuge der Amtshilfe greifen insgesamt rund 50 Soldaten in den nächsten Wochen den Forstleuten unter die Arme. Die ersten 30 Panzergrenadiere, darunter mehrere Motorkettensägentrupps, haben nach Angaben des Landeskommandos Sachsen am Dienstag in den Forstbezirken Bärenfels, Chemnitz und Marienberg ihre ungewohnte Arbeit aufgenommen. Weitere sollen in den Gebieten Eibenstock und Neudorf tätig werden.

"In den sächsischen Wäldern spielt sich eine Katastrophe ab, die ihresgleichen sucht", sagte Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) beim Einsatzbesuch in der Nähe von Flöha (Mittelsachsen). Er hatte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) unlängst um Unterstützung gebeten. Die Bundeswehr kann nach Artikel 35 Absatz 1 Grundgesetz Amtshilfe leisten, sie ist auf technische Unterstützung wie Unterbringung, Versorgung oder Transport beschränkt. Die Kosten dafür trägt der Freistaat.

Laut Schmidt muss das Schadholz so schnell es geht aus dem Wald, um die weitere Ausbreitung des Borkenkäfers einzudämmen. Der für den Staatswald zuständige Sachsenforst sei bereits an die Grenzen seiner Ressourcen gelangt. "Die Zeit läuft unerbittlich gegen uns." Die Soldaten werden zusammen mit den Waldarbeitern befallene Bäume finden, fällen und entrinden, bereits gefälltes Holz entasten und vorhandene Borkenkäferlarven mit Pflanzenschutzmitteln abtöten. Vor allem kleine und verteilte Befallstellen müssen nach Angaben des Ministeriums beseitigt werden. "Sie sind die Hotspots, von denen das flächige Absterben ausgeht", sagte Schmidt.

Von Denise Orlean/Patrick Fam/dpa