Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Wirtschaft Weil der Ausbau stockt: Jetzt soll es der Windenergie-Gipfel richten
Nachrichten Wirtschaft Weil der Ausbau stockt: Jetzt soll es der Windenergie-Gipfel richten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 05.09.2019
Ein Anblick mit Seltenheitswert: Es werden kaum noch neue Windräder in Deutschland gebaut. Quelle: ZB
Frankfurt

Wieder ein Gipfel in Berlin: Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) lädt für den Donnerstag Vertreter der Windenergiebranche, der Naturschutzverbände und der Bundesländer zu einem Krisengespräch. Ein Überblick darüber, wieso der Ausbau mit modernen Windmühlen eingebrochen ist, und wie er wieder in Gang gesetzt werden kann.

Warum braucht es einen Windenergie-Gipfel?

Die Anlagen werden dringend benötigt, um das Klimaschutzziel für 2030 zu erreichen - 55 Prozent weniger Kohlendioxidausstoß im Vergleich zu 1990. Deshalb soll der Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung bis 2030 auf 65 Prozent gesteigert werden. Derzeit sind es noch weniger als 50 Prozent. Setzt sich die aktuelle Entwicklung weiter fort, sind die Ziele nicht erreichbar. Die Produktion der elektrischen Energie ist der größte Einzelposten bei den CO2-Emissionen, und die Windenergie ist das neue Rückgrat der Stromversorgung.

Energie, Verkehr, Industrie: Das sind Deutschlands größte Klimasünder

Wer ist für die Versäumnisse verantwortlich?

Die aktuelle und die vorherige Bundesregierung. Zwar wurden Klimaziele definiert. Doch bei der Umsetzung wurden zahlreiche Fehler gemacht. So war schon vor mehr als zwei Jahren erkennbar, dass es bei der Windenergie eng wird. Nun erst will Altmaier mit dem Gipfel versuchen, den Ausbau wieder flott zu machen.

Wie sieht die aktuelle Lage aus?

Bei der jüngsten Ausschreibung für Windräder an Land konnte die zuständige Bundesnetzagentur nur Zuschläge für Anlagen mit einer Gesamtleistung von 208 Megawatt vergeben. Geplant waren eigentlich 650 Megawatt. Der Bundesverband Windenergie (BWE) rechnet damit, dass dieses Jahr insgesamt nur 1500 Megawatt hinzu kommen. Das ist etwas mehr als die Leistung eines Atomkraftwerks. Die Bundesregierung hat als Ziel eigentlich 2800 Megawatt jährlich vorgegeben. Doch die Hochrechnungen der Denkfabrik Agora Energiewende und vieler anderer Experten gehen davon aus, dass es jährlich mindestens 4000 Megawatt sein müssen, um das 2030er Ziel zu erreichen. Die Anlagenbauer-Lobby VDMA und der BWE kalkulieren sogar mit bis zu 5000 Megawatt.

Warum kommt die Windbranche nicht hinterher?

In den vergangenen zwei Jahren sind die Flächen zum Aufstellen von Windrädern immer knapper geworden. Zudem ziehen sich Genehmigungsverfahren zunehmend weiter in die Länge. Ferner laufen zahlreiche Klageverfahren gegen bereits genehmigte Windparks. Und schließlich werden Projekte verhindert, weil hierzulande extrem große Abstände zu den UKW-Navigationsanlagen für die Luftfahrt gelten. Laut BWE-Hochrechnung wird aufgrund dieser Faktoren derzeit das Errichten von Mühlen mit einer Gesamtleistung von fast 16.000 Megawatt blockiert.

Wer muss sich bewegen, um aus der Sackgasse herauszukommen?

Viele müssen sich bewegen. Eine zentrale Rolle kommt der Bundesregierung zu, die als Koordinator fungieren muss. Die Landesregierungen müssen ihre Flächenplanungen so umstricken, dass ausreichend Platz für Windräder verbindlich reserviert wird. Kommunen, Landkreise und die zuständigen Behörden müssten bei den Genehmigungsverfahren schneller werden.

Was ist das Haupthindernis?

Der Naturschutz. Häufig sind die Behörden überfordert. Deshalb haben jetzt Umwelt- und Branchenverbände in einem gemeinsamen Zehn-Punkte-Programm gefordert, „einheitliche, klare, praktikable Vorgaben“ zum Artenschutz zu erarbeiten. Es müssten Daten zu Vorkommen und Beständen „systematisch erfasst und verfügbar gemacht werden“ - es geht vor allem um bedrohte Vogelarten. Außerdem soll klargestellt werden, dass für Windenergieanlagen ein „überwiegendes Interesse“ besteht, was Ausnahmen vom Artenschutz rechtfertige.

Wie sieht es mit der Akzeptanz in der Bevölkerung aus?

Proteste gibt es mittlerweile fast überall, wo Windparks geplant werden. Deshalb wird seit Monaten in der Branche und unter Politikern darüber nachgedacht, die Akzeptanz durch eine Beteiligung der Standort-Kommunen an den Erlösen aus der Windstrom-Erzeugung vor Ort zu erhöhen. Mit dem Geld könnten der Betrieb kommunalen Einrichtungen wie Schwimmbäder oder der öffentliche Nahverkehr gefördert werden.

Könnten bestehende Standorte besser ausgenutzt werden?

Da gibt es große Potenziale: Das Prinzip heißt Repowering. Eine bestehende Anlage wird durch eine leistungsstärkere ersetzt. Das wird in den nächsten Jahren von wachsender Relevanz sein, da viele Windräder der ersten Generation aus der staatlichen Förderung mit fixen Einspeisevergütungen herausfallen. Im Zehn-Punkte-Programm wird gefordert, hierfür einfache Prüfverfahren zu entwickeln.

Ist das Ausweichen auf Windmühlen im Meer eine Alternative zum Ausbau an Land?

Es ist eher eine Ergänzung. Doch hier sind die Planungen noch erheblich komplexer, was die Realisierungszeiten verlängert – grob geschätzt vergehen fast zehn Jahre von der ersten Idee bis zum ersten Strom, der ins Netz eingespeist wird. Gleichwohl fordern Vertreter der Offshore-Branche, eine geplante Sonderausschreibung für 2000 Megawatt so schnell wie möglich auf den Weg zu bringen. Viele Experten plädieren zudem dafür, die Ziele für Offshore-Windanlagen deutlich nach oben zu setzen, damit 2030 eine Kapazität von mindestens 20.000 Megawatt existiert – die Bunderegierung hat bislang 15.000 Megawatt geplant. Wohlgemerkt: Zusätzlich zu mehr Windrädern an Land.

Weil Stromtrassen fehlen: Weniger neue Windräder für Deutschlands Norden

Wie schnell können die Ideen umgesetzt werden?

Es handelt sich in an allen Fällen um dicke Bretter, die gebohrt werden müssen. Vieles wird davon abhängen, ob die laufenden Genehmigungsverfahren kurzfristig zügiger abgewickelt werden können. Doch einiges spricht dafür, dass zumindest auch 2020 ein Jahr mit massiv gebremstem Windenergieausbau wird – mit Folgewirkungen für die nächsten Jahre.

Was passiert, wenn die Ziele nicht erreicht werden?

Dann muss Deutschland in einigen Jahren viele Milliarden aufwenden, um von anderen EU-Staaten Emissionsrechte zu kaufen. Nach Agora-Berechnungen könnte die Summe zwischen 30 und 60 Milliarden Euro liegen. Zugleich schlägt sich der stockende Windenergieausbau auch bei den Anlagenbauern nieder: Nach einer Erhebung im Auftrag der IG Metall Küste sind in der deutschen Windindustrie seit Beginn des vergangenen Jahres bereits 8000 bis 10 000 Arbeitsplätze verloren gegangen.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND

Volkswagen hat grünes Licht gegeben: Der Käfer darf unter Strom gesetzt werden. Schon bald rollt das Kultauto wieder über die Straßen - und zwar sauber mit einem Elektromotor. Das RND hat den e-Käfer getestet.

05.09.2019

Kriminelle Mitarbeiter oder Vertraute im Umfeld von Unternehmen haben einer Analyse zufolge im vergangenen Jahr mit Wirtschaftsstraftaten einen Versicherungsschaden von 225 Millionen Euro verursacht. Doch die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

04.09.2019

Ob Cum-Ex-Deals oder Dieselskandal – gleich zweimal haben sich Behörden mit scheinbar komplizierten Tricks narren lassen. Eigentlich hätte man beide Maschen früher durchschauen müssen, meint unser Autor trotzdem.

04.09.2019