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Wirtschaft Wachstumsprognosen: Berappelt sich die Wirtschaft – oder nicht?
Nachrichten Wirtschaft Wachstumsprognosen: Berappelt sich die Wirtschaft – oder nicht?
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15:29 04.04.2019
In Deutschland wächst die Wirtschaft langsamer. Quelle: dpa
Berlin

Die weitere Entwicklung der Wirtschaftslage ist derzeit schwer abzuschätzen: Während führende Wirtschaftsforscher eine deutliche Verlangsamung des Wachstums sehen, schätzen Unternehmen die Lage schon wieder besser ein.

Die führenden Wirtschaftsforscher sind sich einig: „Die deutsche Wirtschaft hat sich abgekühlt, aber sie friert noch nicht“, sagte Stefan Kooths vom Institut für Weltwirtschaft Kiel bei der Vorstellung der Frühjahrsprognose in Berlin.

Die Forschungs-Institute senkten ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr deutlich. Sie erwarten nur noch eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 0,8 Prozent. Im Herbst hatten sie mit 1,9 Prozent gerechnet. Optimistischer sind die Forscher für 2020. Dann rechnen sie mit einem Wachstum von 1,8 Prozent - allerdings hat das kommende Jahr mehr Arbeitstage.

Der langjährige Aufschwung der deutschen Wirtschaft sei zu Ende, sagte denn auch Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle. Die Gefahr einer „ausgeprägten Rezession“ sei aber gering. Einen Anstieg der Arbeitslosigkeit erwarten die Experten nicht.

Der Hauptgrund für die schwächere Konjunktur im laufenden Jahr ist die Abkühlung der Weltwirtschaft. Axel Lindner vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle sagte, die internationale Konjunktur sei in einer Schwächephase. Hintergrund sind Handelskonflikte sowie ein schwächeres Wachstum in China, dazu kommen Unsicherheiten wegen des unklaren Ausgangs beim geplanten Brexit. Dies belastet vor allem die exportstarke deutsche Industrie, die unter den Unwägbarkeiten auf den Weltmärkten besonders leidet.

Dazu passt, dass im Februar der Auftragseingang für die deutsche Industrie im Monatsvergleich um 4,2 Prozent einbrach, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Das ist der stärkste Dämpfer seit mehr als zwei Jahren. Ausschlaggebend war ein starker Rückgang der Nachfrage nach deutschen Produkten aus dem Ausland.

Binnenkonsum läuft gut

Im Inland dagegen läuft vor allem die Bauwirtschaft weiter auf Hochtouren. Auch die Löhne entwickelten sich kräftig, dies stärke den privaten Konsum, sagte Holtemöller vom IWH Halle. Laut Prognose legen die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte im laufenden Jahr voraussichtlich um 3,1 Prozent und im kommenden Jahr um 3,3 Prozent zu. Holtemöller verwies auch auf Entlastungen etwa bei Abgaben oder der Einkommensteuer.

Auch die deutschen Unternehmen sind dank des stabilen Binnenkonsums zuletzt wieder optimistischer geworden: Der Geschäftsklima-Index des Mittelstands steigt im März um 1,5 Zähler auf jetzt 8,1 Saldenpunkte, wie das aktuelle KfW-ifo-Mittelstandsbarometer berichtet. Damit endet eine Serie von zuvor fünf Stimmungsrückgängen in Folge.

Auch in den Großunternehmen präsentiert sich die Stimmung zu Frühlingsbeginn nicht mehr ganz so unterkühlt wie noch im Februar. Die großen Firmen revidieren sowohl ihre Geschäftslageurteile (+1,4 Zähler auf 8,3 Saldenpunkte) als auch ihre Geschäftserwartungen (+0,5 Zähler auf -10,4 Saldenpunkte) etwas nach oben.

„Das März-Ergebnis bestätigt das bekannte Bild: Die Außenwirtschaft macht sich Sorgen, die Binnenwirtschaft hält dagegen und stabilisiert die deutsche Konjunktur“, fasste Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW, die Ergebnisse zusammen.

Ostdeutschland wächst schneller

Allerdings unterscheidet sich die wirtschaftliche Entwicklung auch regional stark: Für die ostdeutsche Wirtschaft prognostizieren Forscher in diesem Jahr ein etwas stärkeres Wachstum als für Deutschland insgesamt. In den neuen Ländern einschließlich Berlin dürfte das Plus bei 1,0 Prozent liegen, wie das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) am Donnerstag mitteilte. Das wären 0,2 Punkte mehr als für ganz Deutschland erwartet wird.

Ein Grund dafür ist aus Sicht der Forscher die anhaltend dynamische Entwicklung Berlins. Im Umfeld der Hauptstadt profitierten besonders die Dienstleistungsbranchen davon, dass die Menschen dank der zuletzt deutlich steigenden verfügbaren Einkommen viel konsumierten. Laut Mitteilung sorgte Berlin schon im Jahr 2018 mit seinem Wachstum von 3,1 Prozent dafür, dass der Osten insgesamt mit einem Plus von 1,6 Prozent etwas stärker zulegte als im Bundesschnitt (+1,4 Prozent).

Von RND/dpa/hö

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