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Wirtschaft Stellenabbau bei Enercon – 1500 Jobs in Magdeburg sollen wegfallen
Nachrichten Wirtschaft Stellenabbau bei Enercon – 1500 Jobs in Magdeburg sollen wegfallen
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18:58 08.11.2019
Die Zufahrt zum Enercon-Werk Magdeburg. Hier verkündete das Unternehmen am Freitag seinen Mitarbeitern, dass jeder vierte Jobs gestrichen wird. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Magdeburg

Die Krise beim Windkraftanlagen-Hersteller Enercon droht vor allem Sachsen-Anhalt zu treffen. Die Hälfte der 3000, die die Firma bundesweit streichen will, sollen allein in Magdeburg wegfallen. Allein 800 Jobs sind es im Hauptwerk in der Landeshauptstadt, berichtet der MDR unter Berufung auf die IG Metall. Weitere 700 sollen es bei anderen Enercon-Töchtern rund um Madgeburg sein. Das wäre mehr als jede zweite der bisher 3000 Stellen am Standort.

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Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) zeigte sich entsetzt. „Mit rund 3000 Beschäftigten ist Enercon mit seinen Tochterunternehmen einer der größten Arbeitgeber im Norden Sachsen-Anhalts“, sagte er am Freitag. „Sollte es zutreffen, dass Enercon in erheblichem Maße Arbeitsplätze abbaut, wäre das ein harter Schlag für die Region.“

Scharfe Kritik übte er daran, dass Magdeburg offenbar die Hauptlast des Stellenabbaus tragen soll. „Ich erwarte von der Enercon-Geschäftsführung, dass ein möglicher Beschäftigungsabbau nicht allein auf Kosten des Standortes Magdeburg vorgenommen wird.“ Zugleich verwies er darauf, „dass das Land die Investitionen des Unternehmens wiederholt unterstützt hat“.

Enercon-Chef gibt Energiepolitik die Schuld

Laut MDR hatte das Unternehmen seine Mitarbeiter am Freitag auf außerordentlichen Betriebsversammlungen in Magdeburg und am Hauptsitz in Aurich in Ostfriesland über die drohenden Massenentlassungen informiert. Schuld sei die Energiepolitik der Bundesregierung, die zu einem Einbruch des Markts für Windenergie an Land geführt habe, sagte Enercon-Chef Hans-Dieter Kettwig in Aurich.

„Die aktuelle Energie- und Klimapolitik gefährdet nicht nur über Jahre aufgebautes Know-how und Arbeitsplätze in unserer Branche, sondern auch den Klimaschutz und die Energiewende insgesamt“, sagte Kettwig. Der Markt für Windkraftanlagen sei 2019 bereits um fast 90 Prozent eingebrochen. „Nach Vorlage des Klimaschutzpakets der Bundesregierung wird klar, dass die Probleme für uns sogar noch größer werden.“

Enercon ist einer der größten deutschen Hersteller der Branche. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Konzern angekündigt, sich stärker international auszurichten und in seinen deutschen Werken rund 800 Arbeitsplätze abzubauen. Im ersten Halbjahr 2019 war der Ausbau der Windkraft an Land in Deutschland fast zum Erliegen gekommen. Als Hauptgründe gelten lange Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen und viele Klagen von Bürgerinitiativen.

Sachsen-Anhalt bietet Unterstützung an

Sachsen-Anhalts Landesregierung sei sich der schwierigen Lage der Windkraft-Branche in Deutschland bewusst, fügte Willingmann hinzu. „Deshalb haben wir als Wirtschaftsministerium dem Unternehmen – zuletzt im Sommer – signalisiert, dass die Möglichkeit einer Innovationsförderung durch das Land bestehen würde“, so Willingmann. „Ich sehe aber auch Enercon in der Pflicht, nach Jahren erfolgreicher Geschäftstätigkeit seiner sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen.“

Zugleich appellierte Willingmann an die Verantwortlichen in Berlin: „Hier ist die Bundesregierung in der Pflicht. Wir dürfen nicht zulassen, dass der Arbeitsplatzabbau in der Windenergie-Branche weiter voranschreitet.“

Dalbert: „Armutszeugnis für den Industriestandort Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalts Umwelt- und Energieministerin Claudia Dalbert (Grüne) erklärte: „Es ist ein Armutszeugnis für den Industriestandort Sachsen-Anhalt, wenn hier 1500 Arbeitsplätze in der Windenergie verloren gehen. Sachsen-Anhalt war bisher der größte Windindustriestandort in Deutschland!“

Der Verlust der hochwertigen Arbeitsplätze sei das Ergebnis einer falschen Energie- und Industriepolitik in Deutschland seit Jahren. „In Zeiten der Klimakrise ist es unsere Aufgabe die Energiewende voranzubringen, um 100 Prozent erneuerbare Energien zu schaffen. Dafür muss Politik die Rahmenbedingungen schaffen. Ich fordere eine konsequente Förderung der erneuerbaren Energien.“

Von Frank Johannsen (mit dpa)

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