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Wirtschaft Siemens-Chef: Zugfusion mit Alstom könnte scheitern
Nachrichten Wirtschaft Siemens-Chef: Zugfusion mit Alstom könnte scheitern
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21:07 27.01.2019
Der Siemens-Vorstandsvorsitzende, Joe Kaeser und Alstom-CEO Henri Poupart-Lafarge Quelle: Thibault Camus/AP/dpa
München

Siemens-Chef Joe Kaeser schließt bei der geplanten Zugfusion mit dem französischen Konzern Alstom ein Scheitern nicht aus. Man müsse realistisch sein, sagte Kaeser in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg am Rande des Jahrestreffens des Weltwirtschaftsforums in Davos. Seine „Arbeitshypothese“ sei jedoch, dass die Fusion gelinge. Sollte der geplante Zusammenschluss scheitern, habe Siemens für seine Zugsparte mehrere Optionen. Ein Börsengang sei dabei eine hypothetische davon.

Die Zugfusion steht wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken der EU-Kommission auf der Kippe. In einem Interview der Wochenzeitung „Die Zeit“ hatte sich Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager erneut skeptisch geäußert und die Hoffnungen auf eine Fusion gedämpft. Aus Unternehmenskreisen verlautete zuletzt, Siemens und Alstom würden keine weiteren Zugeständnisse mehr machen. Man warte nun ab, wie die Entscheidung der Kommission ausfalle.

Allianz gegen chinesische Konkurrenz

Mit dem Zusammenlegen der Zugsparten wollen beide Konzerne der wachsenden globalen Konkurrenz vor allem aus China etwas entgegensetzen. Siemens geht davon aus, dass langfristig der weltgrößte Zughersteller CRRC auch im Bereich der Hochgeschwindigkeitszüge in Europa mitmischen könnte. Die französische und deutsche Regierung befürworten deshalb das Vorhaben.

„Ich glaube, mit einer notwendigen europäischen Industrie-Strategie müssen wir wettbewerbsfähig bleiben“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in Davos. Sein französischer Amtskollege Bruno Le Maire warnte in der Zeitung „Le Journal du Dimanche“: „Die Fusion zwischen Alstom und Siemens abzulehnen, wäre ein wirtschaftlicher und politischer Fehler.“ Er glaube, dass die Fusion die beste und einzige Antwort auf Chinas wachsende Bedeutung im Eisenbahnsektor ist.

Uneinigkeit in der Wettbewerbskommission

Aus Brüssel mehren sich die Anzeichen, dass EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager von solchen Argumenten nicht überzeugt ist. Die beiden Konzerne „sind bereits Weltmeister in ihrem Geschäft, nicht nur Europameister“, sagte sie der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Wir sprechen hier über zwei tolle Unternehmen, die in der Lage sind, im Wettbewerb zu bestehen.“ Ein Champion sei nach ihrem Verständnis jemand, „der auf seinem Feld der beste ist und nicht jemand, der besonders geschützt wurde.“

Doch innerhalb der Kommission gibt es unterschiedliche Meinungen. „Wir brauchen europäische Champions“, sagte Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici ebenfalls in Davos. „Es wäre besser, wenn diese Fusion erlaubt würde. Aber diese Entscheidung muss anhand bestehender Regeln gefällt werden. Ich habe volles Vertrauen in das, was Frau Vestager vorschlägt.“ Die Frage in den kommenden Tagen sei, wie die Fusion zustande kommen könnten und gleichzeitig die Regeln eingehalten würden.

Die Behörde fürchtet um den Wettbewerb innerhalb der EU, wenn die Hersteller der Hochgeschwindigkeitszüge TGV und ICE zusammengehen - sowohl bei den Zügen als auch bei der Signaltechnik. Sie verlangt deshalb, dass die Wettbewerber Teile dieser Geschäftsbereiche an Konkurrenten abtreten. Siemens hatte deshalb nach eigenen Angaben unter anderem Veräußerungen mit einem Volumen von rund vier Prozent des Umsatzes angeboten, also etwa 600 Millionen Euro. Diese hätten sich vor allem auf die Signaltechnik bezogen, bei der der Wettbewerb in Europa als vergleichsweise schwach gilt.

Von Matthias Arnold