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Wirtschaft Flughafenbetreiber: Darum ist es so schwer, auf Inlandsflüge zu verzichten
Nachrichten Wirtschaft Flughafenbetreiber: Darum ist es so schwer, auf Inlandsflüge zu verzichten
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21:03 30.08.2019
Die Silhouette eines startendes Flugzeuges zeichnet sich am am Flughafen Hannover ) vor dem im Sonnenuntergang verfärbten Abendhimmel ab.

Die Luftfahrtbranche steht bei der Diskussion über den Klimaschutz immer stärker im Fokus. Nun sind die Flughafenbetreiber bereit, auf einen Teil der innerdeutschen Flüge zu verzichten.

Woher kommt die Idee, Inlandsflüge zu streichen?

Darüber wird seit Jahren diskutiert. Es gab zahlreiche Anläufe – ohne Erfolg. Hintergrund ist, dass sowohl Airportbetreiber als auch Airlines, insbesondere der Marktführer Lufthansa ein Interesse daran haben, kurze Inlandsflüge auf die Schiene zu verlagern. Es handelt sich dabei weitgehend um sogenannte Zubringer-Verbindungen. Passagiere werden zu einem der großen Flughäfen befördert, um dort in einen Mittel- oder Langstreckenjet umzusteigen.

Was ist daran so problematisch?

Zubringerflüge müssen auch geflogen werden, wenn die Maschine nur halbvoll ist. Damit machen Airlines aber Verluste. Zudem nehmen die Jets überproportional große Kapazitäten an den Flughäfen in Beschlag. Das verkompliziert die Abläufe vor allem beim Starten und Landen. Angesichts der erwarteten Steigerung der Fluggäste bis 2030 um rund 20 Prozent hierzulande würde eine Verlagerung von Zubringerflügen auf die Bahn, die großen Airports entlasten. Sie hätten dann mehr Kapazitäten für Europa-Flüge und Interkontinentalverbindungen, denn auch der stark belastete Luftraum rund um die großen Airports würde entlastet.

Wie sehen die Vorschläge nun konkret aus?

Kürzlich signalisierte schon der Luftfahrlobby BDL die Bereitschaft, Inlandsflüge zu streichen. Nun hat Stefan Schulte, Präsident des Flughafenverbandes ADV und Chef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport, vorgeschlagen, Kurzstrecken unter 400 Kilometern zu streichen. Also etwa von Frankfurt nach Düsseldorf.

Was sind die Bedingungen?

Schulte sagte der Süddeutschen Zeitung, es müsse sichergestellt sein, dass die Deutsche Bahn ein wettbewerbsfähiges Angebot bieten müsse. Dazu gehöre mehr Pünktlichkeit, eine höhere Frequenz bei den Verbindungen und mehr Anschlüsse von Flughäfen ans ICE-Netz. Bislang ist das nur bei vier der 22 großen Flughäfen der Fall. Der Effekt eines Ausbau wäre, dass damit auch die Erreichbarkeit der Airports massiv gesteigert würde.

Wie wäre der Effekt für den Klimaschutz?

Die Kurzstreckenflüge im Inland machen nur einen kleinen Teil des gesamten Flugverkehrs hierzulande aus. Gleichwohl würde sich ein positiver Effekt für den Klimaschutz ergeben. Die Umweltforscher des Heidelberger Ifeu-Instituts haben errechnet, dass bei den IC- und ICE-Zügen der Deutschen Bahn bei durchschnittlicher Auslastung pro Fahrgast und Kilometer nur 36 Gramm Kohlendioxid in die Luftgeblasen werden. Bei der effizientesten Airline in Europa, Ryanair, sind es 66 Gramm. Bei der Lufthansa sind es im Schnitt um die 90 Gramm. Wobei der Wert bei Zubringerflügen deutlich höher liegen dürfte. Auch weil ein Großteil des Sprits beim Start verbrannt wird und nur relativ wenig während der kurzen Flugphase.

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Wo liegen die Knackpunkte?

Bei der Bahn. Ein Problem bei der Vernetzung von Schiene und Flug ist das Gepäck. Werden die Koffer nicht schon am Bahnhof eingecheckt, entstehen für die großen Umsteige-Flughäfen zusätzliche Belastungen im Vergleich zu den Zubringer-Flügen. Dafür müsste an den Bahnhöfen aber massiv umgebaut werden. Außerdem hätte die Bahn enorme Investitionen zu tätigen, um weitere Flughäfen zuverlässig anzuschließen.

Wie wahrscheinlich ist die Umsetzung?

Das kann viele Jahre dauern – in Anbetracht eines gigantischen Nachholbedarfs, den die Bahn ohnehin schon für ihre bestehende Infrastruktur vor sich her schiebt. Womöglich will Schulte nun mit seinem Vorstoß Druck auf die Bundesregierung machen: Sie will im September die Weichen für mehr Klimaschutz stellen und sie hat beim Staatsbetrieb Bahn das Sagen.

Ist eine Luftfahrt möglich, die kein Kohlendioxid mehr in die Luft bläst?

Theoretisch ja. Aber das würde bedeuten, dass Kerosin synthetisch aus Öko-Strom hergestellt werden müsste. Die elektrische Energie dient der Elektrolyse, die Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Der Wasserstoff muss dann in einem weiteren Verfahren mit Kohlendioxid zusammengebracht werden. Enorme Mengen von Energie sind nötig. Nach derzeitigem Stand würde sich der Treibstoff um mindestens das Fünffache verteuern, was enorme Aufschläge bei den Ticketpreisen nach sich ziehen würde.

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Von Frank-Thomas Wenzel/RND

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