Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Wirtschaft Energiewende kommt voran: Fast die Hälfte des deutschen Stroms war zuletzt öko
Nachrichten Wirtschaft Energiewende kommt voran: Fast die Hälfte des deutschen Stroms war zuletzt öko
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:32 03.07.2019
Zur mit Abstand wichtigsten Quelle für die Stromproduktion ist der Wind geworden, der laut ISE genau ein Viertel des Bedarfs der Stromkunden gedeckt hat. Quelle: dpa
Frankfurt

Die Energiewende kam im gesamten ersten Halbjahr 2019 deutlich voran. Nach Berechnungen des Fraunhofer Instituts für solare Energiesysteme (ISE) deckte sie fast die Hälfte des Strombedarfs ab. Doch viel mehr könnte möglich sein.

Der Sonnenstrom allein hat im Juni 19 Prozent der sogenannten Nettostromerzeugung geliefert – damit ist die Energie gemeint, der tatsächlich aus der Steckdose kommt und von den Haushalten verbraucht wird. Nicht berücksichtigt wird der Strom, den die Kraftwerke für ihren Betrieb benötigen und mit dem sich die Industrie selbst versorgt. Knapp hinter Solar kommt in der Bilanz des vergangenen Monats die Braunkohle gefolgt von der Windenergie.

Der große Verlierer ist die Steinkohle, einst Rückgrat der Stromversorgung. Sie lag im vergangenen Monat mit 2,58 Terawattstunden nur noch auf den siebten Platz. Der Grund für den Niedergang: Steinkohle ist auf dem Weltmarkt derzeit relativ teuer, ihr Preis orientiert sich am Rohöl. Zudem kommen die gestiegenen Notierungen für die CO2-Emissionszertifikate dazu. Aktuell kostet ein Zertifikat für eine Tonne Kohlendioxid mehr als 26 Euro. Vor einem Jahr waren es nur rund 15 Euro gewesen.

Die Daten für Juni sind zwar nur eine Momentaufnahme. Sie passen aber zu einem unübersehbaren Trend: Die Erneuerbaren drängen nach vorne. Das zeigen auch die Zahlen, die Professor Bruno Burger und sein ISE-Team für das erste Halbjahr berechnet haben. Alle regenerativen Erzeugungsformen zusammen kamen auf einen Anteil von knapp 48 Prozent. Im Vorjahr waren es gut 40 Prozent, vor zehn Jahren sogar nur rund 18 Prozent.

Windstrom boomt

Zur mit Abstand wichtigsten Quelle für die Stromproduktion ist der Wind geworden, der laut ISE genau ein Viertel des Bedarfs der Stromkunden gedeckt hat. Dies wurde dadurch begünstigt, dass vor allem im Norden der Republik recht häufig eine ziemlich steife Brise wehte.

An zweiter Stelle rangiert die Braunkohle. Zwar fallen auch beim Verbrennen des Rohstoffs aus dem Tagebau Kosten für Emissionszertifikate an. Dies schlägt aber wegen der geringen Kosten fürs Ausbaggern der Kohle weniger stark ins Gewicht. Gleichwohl: Laut ISE schrumpfte der Anteil der Braunkohle am Strommix von Anfang Januar bis Ende Juni um rund 20 Prozent. Bei der Steinkohle beträgt das Minus sogar fast ein Viertel. All das wird sich günstig auf die Bilanz beim Klimaschutz auswirken.

Hält der Trend an?

Die üppige Ernte der Betreiber moderner Windmühlen ist das Ergebnis eines massiven Ausbaus in den vergangenen Jahren. Doch inzwischen ist da einiges ins Stocken geraten. Im ersten Quartal etwa lag die Gesamtleistung der neuen Anlagen um rund 90 Prozent unter dem Wert des Vorjahres.

Ursache dafür waren Fehlsteuerungen durch die Bundesregierung: Der Ausbau wurde vor gut zwei Jahren auf Ausschreibungen umgestellt, bei denen die günstigsten Bieter zum Zuge kommen. Die Regeln für die Errichtung der Windparks waren aber so lax, dass viele Projekte bislang nicht umgesetzt wurden. Bewerber mussten noch nicht einmal eine Genehmigung für ihre Anlagen vorweisen.

Inzwischen ist das behördliche Okay zwar wieder obligatorisch. Aber nach wie vor ist der jährliche Zubau für Windenergie an Land stark rationiert – auf eine maximale Leistung von 2800 Megawatt jährlich. Das ist laut mehrerer Studien zufolge viel zu wenig, um die Ziele der Bundesregierung zu erreichen, die 2030 einen Anteil der Erneuerbaren von 65 Prozent erreichen will.

Forscher: Schnellerer Ausbau nötig

Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) etwa wären 4300 Megawatt in jedem Fall nötig. Doch in diesem Jahr werden nach Hochrechnungen des Bundesverbandes Windenergie (BWE) sogar nur weniger als 2000 Megawatt zusätzlich ans Netz gehen. Unter anderem mangelt es inzwischen an Flächen, die für Windräder reserviert sind.

Zudem liegen laut BWE Projekte mit einem Umfang von 11000 Megawatt auf Eis: Genehmigungsverfahren ziehen sich hin und gegen viele Vorhaben laufen Klagen. Hermann Albers, BWE-Präsident, fordert einen „politischen Aufbruch“. Andere Verbände machen sich vehement für Sofortprogramme stark.

Photovoltaik-Ausbau stockt ebenfalls

Die wären auch für die Photovoltaik nötig, die von der Bundesregierung auf einen Zubau von 2500 Megawatt jährlich beschränkt wird. Laut DIW braucht es hier 4400 Megawatt, um das 2030er Ziel zu schaffen. Viele Branchenkenner gehen darüber hinaus davon aus, dass die Solarenergie langfristig sogar die wichtigste Energiequelle werden kann, da Sonnenstrom preiswerter wird, da es enorme Potenziale für Anlagen vor allem an und auf Gebäuden gibt und da die Speicherung der Energie mit Batterien immer attraktiver wird.

Die DIW-Forscher haben indes im Auftrag der Grünen hochgerechnet, dass bis 2030 sogar 100 Prozent Erneuerbare problemlos möglich wären, wenn die Politik die Voraussetzungen dafür schafft – vor allem mittels eines beschleunigten Kohleausstieges.

Lesen Sie auch:
Ausbau der Offshore-Windenergie kommt langsamer voran

Lesen Sie auch:
40 Prozent Ökostrom sind kein Grund zum Jubeln

Von RND/Frank-Thomas Wenzel

In Deutschland wird es teurer, Angestellte zu beschäftigen. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland aber immer noch zurück – aus Sicht von Wissenschaftlern ein Problem.

03.07.2019

Christine Lagarde soll EZB-Chefin werden – und damit Mario Draghi beerben, der deutschen Sparern historisch niedrige Zinsen eingebrockt hat. Ob sich daran etwas ändert, bezweifeln Experten allerdings.

03.07.2019

Deutsche Discounter sind günstig – doch Hersteller, Arbeiter und Bauern zahlen dafür einen hohen Preis. Bei fast allen Supermarktketten und ihren Zulieferern werden einer Studie zufolge Menschenrechte verletzt. Am schlimmsten ist es bei einem Händler, der gar nicht so billig ist.

03.07.2019