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Wirtschaft EZB fährt Anleihenkäufe zurück
Nachrichten Wirtschaft EZB fährt Anleihenkäufe zurück
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14:16 26.10.2017
Mario Draghi steuert seinen Kurs der ultralockeren Geldpolitik nur sehr langsam um. Quelle: dpa
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Frankfurt

Die Europäische Zentralbank (EZB) läutet den Einstieg in den Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik ein. Die Notenbank setzt die milliardenschweren Wertpapierkäufe im kommenden Jahr zwar fort, verringert das Volumen aber deutlich. Von Januar 2018 an wollen die Währungshüter monatlich Staatsanleihen und andere Wertpapiere für 30 Milliarden Euro kaufen, wie die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt im Anschluss an eine Sitzung des EZB-Rates mitteilte.

Das Programm soll bis mindestens Ende September 2018 laufen und damit neun Monate länger als bislang geplant. Bis Ende Dezember 2017 steckt die EZB monatlich noch 60 Milliarden Euro in Anleihenkäufe - bis dahin veranschlagtes Volumen: 2,28 Billionen Euro. Die EZB lässt sich weiterhin die Möglichkeit offen, das Kaufprogramm in Umfang und Dauer auszuweiten, falls die Konjunkturlage sich verschlechtern sollte.

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Was ist mit dem Leitzins?

Sparer müssen sich weiter gedulden. Den Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen können, beließ das oberste Entscheidungsgremium der EZB erwartungsgemäß auf dem Rekordtief von null Prozent.

Warum steuert die EZB nicht schneller um?

Die Kapitalmärkte reagieren extrem sensibel auf jede Maßnahme und selbst auf Äußerungen einer Notenbank. Würde sich die Finanzwelt auf eine starke Straffung der Geldpolitik einstellen – zum Beispiel eine baldige Zinserhöhung – würde das die Zinsen schon im Vorfeld stärker hochtreiben als erwünscht. Das würde unter anderem hoch verschuldete Staaten treffen, für die die Finanzierung deutlich teurer würde. Der Euro-Kurs würde deutlich steigen und damit die Exportunternehmen belasten, Aktienkurse würden deutlich fallen. Nach Einschätzung der EZB ist die europäische Konjunktur noch nicht stark genug, um sie solchen Risiken auszusetzen.

Welche Folgen hat der Beschluss?

Die Verringerung der monatlichen Anleihekäufe ist vor allem ein Signal an die Finanzmärkte, dass die EZB beginnt, zu einer normalen Geldpolitik zurückzukehren. Die Verlängerung der Laufzeit sagt aber, dass es extrem vorsichtig geschehen wird – es soll keine Unruhe entstehen. In erster Linie dürften die langfristigen Zinsen nun langsam weiter steigen. Im Gegensatz zu den kurzfristigen Zinsen haben sie den Tiefpunkt schon seit einiger Zeit hinter sich.

Wann steigen die Zinsen wieder?

Draghi hat immer wieder betont, dass die Zinsen nach dem Ende der Anleihekäufe noch lange niedrig bleiben werden. Parken Institute Geld bei der Notenbank, kostet sie das 0,4 Prozent Strafzinsen. Nach Einschätzung von Berenbank-Chefvolkswirt Holger Schmieding dürfte die Notenbank gegen Ende 2018 zunächst diesen Strafzins verringern. Eine Erhöhung des Leitzinses, zu dem sich Geschäftsbanken bei der EZB Geld leihen, erwartet er erst 2019. Seit März 2015 liegt der Zins auf dem Rekordtief von null Prozent.

Was heißt das für Sparer?

Sie werden sich zunächst weiter mit mickrigen oder gar keinen Zinsen für Tagesgeld, Sparbuch und Co. begnügen müssen. Da die Banken den Strafzins an ihre normalen Privatkunden ohnehin nicht weiterreichen, werden diese auch eine Verringerung nicht spüren. Erst eine Leitzinsänderung würde auf kurzfristige Anlagen wie Festgeld und Tagesgeld durchschlagen. Da die Zeiten einer Inflation nahe Null seit geraumer Zeit vorbei sind, verlieren Sparer unter dem Strich Geld. In Deutschland lag die Jahresinflation mit 1,8 Prozent im September über dem EU-Schnitt von 1,5 Prozent.

Was bedeutet der Schritt für langfristige Zinsen, zum Beispiel bei Immobilienkrediten?

Für Immobilienkäufer neigt sich die Zeit des ultrabilligen Geldes allmählich dem Ende. Die Zinsen von Hypothekendarlehen in Deutschland orientieren sich vor allem an der Verzinsung von Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit. Verringert die Notenbank ihre Anleihenkäufe, könnten die Zinsen dieser Papiere steigen. Einen rasanten Zuwachs erwarten Ökonomen allerdings nicht. Auf der anderen Seite wird für die Staaten, die sich mit der Ausgabe von Anleihen finanzieren, die Verschuldung teurer.

Von dpa/RND

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