Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Wirtschaft Darum beunruhigt Facebooks Digitalwährung Libra so viele Banker, Politiker und Experten
Nachrichten Wirtschaft Darum beunruhigt Facebooks Digitalwährung Libra so viele Banker, Politiker und Experten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:29 27.06.2019
Was bedeutet die neue Digitalwährung Libra für die Geldpolitik? Quelle: Jenny Kane/AP/dpa
Hannover

Was Facebook mit Partnern wie Visa, Mastercard, Ebay und anderen plant, mutet zunächst progressiv an: Statt mit Scheinen und Münzen zu bezahlen, wechseln bei der angekündigten Digitalwährung Libra in einigen Jahre nur noch Datenblöcke den Besitzer – transferiert von Smartphone zu Smartphone. Für die Sicherheit sorgt die Blockchain-Technologie, die sich schon bei anderen Kryptowährungen bewährt hat.

Im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen wie Bitcoins ist Libra allerdings als sogenannte Stablecoin konzipiert. Während bei Bitcoins letztendlich jeder neue Währungseinheiten schürfen kann, soll die Ausgabe von Libra über digitale Wechselstuben erfolgen – die wiederum Libra bei der sogenannten „Libra Reserve“ kaufen. Diese solle dann die eingenommenen Dollars, Euros und anderen Währungen in sichere Staatsanleihen und Devisen investieren, kündigte die Libra-Allianz an.

Lesen Sie auch

Zahlen wir bald alle mit „Libra“, statt mit Euro und Dollar?

Wird Facebook ein eigener digitaler Staat?

Und prompt schrillten bei Notenbankern, Finanzaufsehern und Politikern die Alarmsirenen. Denn spätestens jetzt ist klar, dass Facebook nicht auf ein Paypal-ähnliches digitales Bezahlsystem setzt. Sondern, dass Libra eine echte Währung werden soll. Und weil Facebook allein 2,7 Milliarden Nutzer in das Projekt einbringen kann, könnte „Libra“ die globalen Finanzmärkte komplett durcheinander wirbeln. Eine Übersicht über die Sorgen und Ängste von Finanzaufsehern, Politikern und Experten.

Wer hat die Aufsicht?

Nach den aktuellen Vorstellungen soll Libra weltweit (außer in China) zur Verfügung stehen – was Regulierungsbehörden vor große Herausforderungen stellen würde. Denn bislang erfolgt Bankenregulierung weitgehend national oder im Fall der EU auf europäischer Ebene. So wird unter anderem sichergestellt, dass große Finanzmarktakteure stabil bleiben und, dass Geldwäsche sowie Terrorfinanzierung unterbleiben.

Findet Libra tatsächlich große Verbreitung, würden sich erhebliche Kontrollfragen stellen, erklärte deshalb Deutschlands oberster Finanzaufseher, BaFin-Chef Felix Hufeld. „Ich kann nur hoffen, dass es uns gelingt, mindestens europäisch, wenn nicht global ein paar Grundstandards zu entwickeln.“

Ähnlich sehen es Politiker weltweit. In den USA, wo Facebook derzeit ohnehin in der Kritik steht, geben sich die Demokraten noch weitaus kämpferischer. „Wir können Facebook nicht erlauben, eine neue und riskante Digitalwährung ohne Aufsicht aus der Schweiz heraus zu betreiben“, sagte Sherrod Brown, Vorsitzender des Banken-Kommitees im US-Senat. Facebook und seine Partner wollen die Libra-Zentrale in der Schweiz ansiedeln.

Was passiert mit den Daten?

Facebook weiß ohnehin schon sehr viel über seine Nutzer – doch was auf deren Bankkonten geschieht, blieb dem Unternehmen bislang verborgen. Zwar soll Libra losgelöst von Facebook funktionieren, auch verspricht der Konzern, Daten aus der Libra-Nutzung nur mit Einverständnis der Nutzer zu verwenden.

Doch daran bleiben Zweifel. Facebook habe dank seines Datenmonopols schon jetzt viel Macht. Mit der Digitalwährung könnten weitere Informationen über die Nutzer hinzukommen, glaubt zum Beispiel Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire.

Funktioniert die geplante Zentralbank?

Im Kern funktioniert die Libra-Reserve ähnlich wie eine Notenbank: Einzelne digitale Wechselstuben kaufen und verkaufen dort Libra-Coins, die sie an ihre Kunden weitergeben. Die Libra-Reserve bekommt so wiederum andere Währungen, die sie laut den Libra-Plänen in sichere Staatsanleihen und stabile Währungen investieren will, um den Wert der Libra-Coins an reale Güter zu koppeln. So soll Libra stets gedeckt sein, wie Facebook-Manager David Marcus kürzlich gegenüber der Deutschen Presseagentur erklärte.

Wird das Geld aber in Staatsanleihen geparkt, können diese nicht im großen Stil auf einen Schlag wieder abgestoßen werden, ohne dass das plötzliche Überangebot zu Wertverlusten der Anleihen führt. Auch wenn die Libra-Reserve beispielsweise große Mengen Dollar zur Deckung der Digitalwährung verwendet, könnten diese nicht auf einen Schlag zurückgegeben werden, ohne dass das plötzliche Dollar-Überangebot den Dollar schwächt – und damit Wertverluste produziert. „Die Liquidität der Vermögenswerte kann nicht garantiert werden“, analysiert deshalb die Financial-Times-Kolumnistin Izabella Kaminska.

Werden einzelne Staatsanleihen wertlos?

Die von der Libra-Reserve angehäuften Vermögenswerte führen zu einem weiteren Problem: Wenn Milliarden Nutzer auf Libra zurückgreifen, muss die Libra-Reserve zur Ausgabe der Libra-Coins Abermilliarden Euro, Dollar und andere Währungen annehmen – und dieses Gelde sicher in bestimmten Vermögenswerten anlegen.

Fließen so große Summen beispielsweise in einzelne Staatsanleihen, droht deren Preis zu schwanken. Es brauche Sicherheit, dass Stablecoins nicht zulasten des Werts einzelner Vermögenswerte ausgegeben werden, sagt deshalb Bundesbank-Chef Jens Weidmann.

Droht die Entmachtung einzelner Geldhäuser?

Geht es nach Facebook und seinen Libra-Partnern, hilft die neue Digitalwährung nicht zuletzt Bewohnern von Ländern, in denen es keine stabile Währung gibt.

Doch ausgerechnet denen könnte Ungemach drohen, weil die Libra-Allianz ein sehr mächtiger Player werden könnte. „Facebook und seine Partner entscheiden, mit welchen Banken und Zahlungsabwicklern sie zusammenarbeiten. Das kann Unternehmen über Nacht stärken oder ganz ruinieren“, warnt Facebook-Mitgründer Chris Hughes.

Er befürchtet, dass von Libra vor allem große multinationale Konzerne und Geldhäuser bei Libra profitieren, während Banken in Entwicklungsländern kaum Einfluss haben könnten.

Wird Libra „Too big to fail“?

Wenn Libra eine bestimmte Größe überschreitet, könnte der Digitalwährung das drohen, was traditionelle Banken während der Finanzkrise 2008/2009 erlebten: Sie waren zu groß, als dass man sie hätte in die Insolvenz schlittern lassen können – denn im eng verzahnten Finanzwesen hätte das eine Kettenreaktion auslösen können. Im Ergebnis mussten 2008/2009 die Staaten Milliarden in den Bankensektor stecken, um eine noch größere Wirtschaftskrise zu verhindern.

Hat Libra den Erfolg, den Facebook sich erhofft, könnte das auch bald für den Internetgiganten gelten. „Too big to fail, wie wir es von Banken kennen und eigentlich überwinden wollten, gäbe es dann auch in Bezug auf Facebook“, warnt der Finanzexperte Gerhard Schick.

Fazit

Ob Experten, Politiker oder Banker – viele Kenner der Finanzmärkte sehen die Digitalwährung kritisch und nennen plausible Gründe. Was nach Facebooks vollmundiger Ankündigung von dem Vorhaben übrig bleibt, liegt deshalb nun vor allem in den Händen von Regulierungsbehörden.

Von Christoph Höland/RND

Der öffentliche Druck auf die Industrie nimmt weiter zu: Nun hat sich McDonalds dafür entschieden auf Plastik zu verzichten – allerdings nur wo „es für die Systemgastronomie Sinn macht“.

27.06.2019

Ein E-Auto per App mieten und gleich losfahren: Der Volkswagen-Konzern geht in Berlin nun mit einem eigenen Carsharing-Angebot namens WeShare an den Start. Ab sofort stehen 1500 Fahrzeuge bereit.

27.06.2019

Boeing vor neuen Problemen: Für eine Wiederzulassung der Unglücksjets vom Typ 737 Max müssen zusätzliche Auflagen erfüllt werden. Grund ist ein mögliches Risiko, das die US-Aufsichtsbehörde FAA entdeckt hat.

27.06.2019