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Nachrichten Wirtschaft Das ist über den Hacker-Angriff auf Bayer bekannt
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17:56 04.04.2019
Zentrale des Bayer-Konzerns in Leverkusen. Dort gab es schon Anfang 2018 Anzeichen für einen Cyber-Angriff. Quelle: Foto: Oliver Berg/Dpa
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Leverkusen

Die berüchtigte Hacker-Gruppe Winnti hat offenbar den Bayer-Konzern attackiert. „Die Angreifer gingen hoch professionell vor und haben sich Zugänge zum Bayer-Netzwerk geschaffen“, sagte ein Unternehmenssprecher. An der Schnittstelle vom Intranet zum Internet sei das Netzwerk infiziert worden, um von dort aus Zugang zu weiteren Systemen zu erhalten.

Bayer habe umgehend Analyse- und Monitoring-Werkzeuge eingesetzt und das Löschen der Schadsoftware vorbereitet, jedoch nicht sofort eingegriffen, um das Verhalten der Hacker beobachten zu können: „Die infizierten Systeme hat unser Cyber Defense Center bewusst zunächst nicht bereinigt, um potenzielle Kommunikation der Angreifer analysieren zu können“, so der Sprecher.

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Ende März 2019 seien die Systeme schließlich bereinigt worden: „Bis zu diesem Zeitpunkt sind die Angreifer nach unseren Erkenntnissen nicht aktiv geworden, um Informationen auszuleiten.“ Es sei jedoch nicht hundertprozentig auszuschließen, dass die Hacker Daten heruntergeladen hätten.

Bayer betrachte die Infektion seines Netzwerks „als signifikanten Angriffsversuch auf das Unternehmen“, so der Sprecher: „Auch wenn es keine Evidenz für einen Datenverlust gibt, nehmen wir solche Angriffsversuche sehr ernst“.

Angreifer aus China?

Experten vermuten, dass die Winnti-Spezialisten im Auftrag des chinesischen Staates arbeiten. Das macht die Sache auch politisch brisant. Seit Wochen wird hierzulande darüber diskutiert, ob im Zuge des Ausbaus der Mobilfunknetze mit dem neuen 5G-Standard das chinesische Unternehmen Huawei bei der Vergabe der Aufträge zum Zuge kommen soll.

Die US-Regierung unterstellt dem Konzern, mit dem chinesischen Geheimdienst zu kooperieren. Beweise dafür wurden bislang aber nicht vorgelegt. Huawei ist in der 5G-Technik weltweit führend. Am Donnerstag hat die EU-Kommission gemahnt, bei 5G-Projekten nicht nur finanzielle Belange zu beachten.

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Die Kölner Staatsanwaltschaft hat im Fall Bayer Ermittlungen aufgenommen. Unklar sind die genauen Motive der Angreifer. Die Winnti-Gruppe ist seit vielen Jahren bekannt. Der IT-Sicherheitsspezialist Kaspersky machte erstmals 2011 seine Erkenntnisse über die Hacker publik, die in der Branche auch unter den Namen Axiom oder Wicked Panda bekannt sind.

Die Kaspersky-Experten sind davon überzeugt, dass die Hacker aus China kommen. Auch deutsche Sicherheitsbehörden vertreten diese These. Es könnte sich um eine Gruppe oder mehrere Gruppen handeln, die im Auftrag der chinesischen Regierung Industriespionage vor allem für staatsnahe Firmen betreiben soll. Beweise gibt es jedoch nicht.

Von Hendrik Geisler und Frank-Thomas Wenzel/RND