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Wirtschaft 10000 Streetscooter unterwegs: Ist der Post-Stromer wirklich eine Erfolgsgeschichte?
Nachrichten Wirtschaft 10000 Streetscooter unterwegs: Ist der Post-Stromer wirklich eine Erfolgsgeschichte?
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12:42 30.08.2019
10000 Streetscooter sind auf deutschen Straßen unterwegs - doch ob sich das für die Post wirklich lohnt, ist unklar.
Köln 

Bei der Elektrifizierung ihrer Transporterflotte kommt die Deutsche Post voran. Sie schickt nun den 10 000. Elektro-Lieferwagen des Modells Streetscooter auf die Straße, wie der Konzern am Freitag in Köln mitteilte. Damit ist nun etwa jeder fünfte Post-Transporter in Deutschland ein Stromer.

Der Clou: Die Post kauft die Streetscooter von einer eigenen Tochterfirma. Die hat die Post 2014 gekauft - aus Mangel an günstigen Alternativen für den städtischen Lieferverkehr. Denn der Streetscooter ist vor allem ein Arbeitstier: Kein Beifahrersitz, wenig Schnickschnack, dafür ein Elektromotor.

Bei Zustellern beliebt

Bei den Zustellern kommt das gut an: „Das Auto erleichtert mir die Arbeit erheblich“, sagt Frank Heck über den Streetscooter. Kuppeln, schalten, aussteigen, zustellen und wieder von vorn, das war einmal. „Der Street­scooter schont meine Knie“, so Heck.

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Post-Vorstand Tobias Meyer sieht sein Unternehmen als „klaren Marktführer in der grünen Logistik“. Man meine es ernst „mit unserem ambitionierten Null-Emissionen-Ziel bis 2050“. Die Post hat derzeit nach eigenen Angaben 13 500 Elektro-Ladesäulen und damit das größte private Ladesäulennetz hierzulande.

Nur wenige Verkäufe?

Trotzdem bleiben Zweifel an der Erfolgsgeschichte. Denn es ist unklar, wie viele Streetscooter bis heute verkauft wurden - klar ist aber, dass die Kapazitäten bei Weitem nicht ausgeschöpft wurden. Die Post gibt nur die Eigenkäufe bekannt - also die Zahl der Fahrzeuge für die eigene Paketzustellung. Hinzu kommen noch externe Käufer, etwa Stadtwerke.

Nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA), die vom CAR Institut der Universität Duisburg-Essen ausgewertet wurden, sind insgesamt nur 11 722 Streetscooter in Deutschland zugelassen. Hinzu kommen noch Aufträge aus dem Ausland - zu denen aber bislang nicht viel bekannt wurde.

Experte skeptisch

Unter Experten gibt es Zweifel, dass der Streetscooter ohne interne Subventionen am Markt bestehen könnte. Das Fahrzeug sei technisch sehr simpel gehalten, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. „Die Reichweite ist überschaubar, und die Herstellung in der Manufakturarbeit dürfte sehr teuer sein.“ Der Professor verwies auf die aus seiner Sicht insgesamt niedrigen Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). „Das ist nach meiner Einschätzung alles andere als eine Erfolgsgeschichte für die Post“, sagte Dudenhöfer. „Eigengeschäfte wie die jetzt mitgeteilten 10 000 Fahrzeuge sind ebenfalls nicht unbedingt ein Ausweis für hohe Profitabilität.“

Offen ist, wie es mit dem Streetscooter weitergeht. Schon seit längerem erwägt die Konzernspitze einen Verkauf der Sparte oder eine Zusammenarbeit mit einer anderen Firma. Seit Mai hat die Tochterfirma mit ihren rund 500 Mitarbeitern einen neuen Chef. Ein Post-Sprecher sagte, man sei „aktuell im Gespräch mit international agierenden Partnern“. Man werde das neue Streetscooter-Management „auf dem weiteren Wachstumspfad unterstützen“. Als Eigentümer stehe man unter keinem Zeitdruck, so der Sprecher.

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RND/dpa

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