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Promis Tod von Peter Lindbergh: Mehr als ein Fotograf der Mode
Nachrichten Promis Tod von Peter Lindbergh: Mehr als ein Fotograf der Mode
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18:47 04.09.2019
Peter Lindbergh bei der Präsentation seines Bildbandes „Images of Woman II“ bei C/O Berlin im Foyer des Amerika-Hauses im Jahr 2015. Quelle: imago images / Future Image
Paris

Die Gesichter sind ausnahmslos schön, und das Schöne liegt weniger im Perfekten denn im Besonderen. Es liegt im von unzähligen Sommersprossen überdeckten Gesicht einer Penélope Cruz, im kindlichen Ernst einer Greta Thunberg oder im übermütig aufgerissenen Mund einer Linda Evangelista auf dem legendären Foto von ihr und fünf anderen Topmodels in weißen Herrenhemden am Strand von Malibu, das der Fotograf Peter Lindbergh im Jahr 1998 geschossen hat. Seine Gabe war es, diese Schönheit des Besonderen herauszufiltern und zu zeigen, was andere lieber wegretuschierten.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass Lindbergh bereits am Dienstag im Alter von 74 Jahren gestorben ist. Geboren unter dem Namen Peter Brodbeck in Lissa (Leszno) im heutigen Polen, von wo seine Eltern fliehen mussten, wuchs er in Duisburg auf, ging 1978 nach Paris und lebte zuletzt abwechselnd in der französischen Hauptstadt, Arles und New York.

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„Er hinterlässt eine große Leere“

Das letzte Foto auf Lindberghs Instagram-Profil zeigt einen leeren Tisch in einem leeren Studio, auf der Leinwand erscheint ein Strand mit einer Staffelei, dahinter das Meer und darüber ein bewegter Himmel, alles in Schwarz-Weiß. Unter dem Bild heißt es: „Er hinterlässt eine große Leere.“ Zurück bleiben seine Frau Petra, seine erste Frau Astrid, die vier Söhne Benjamin, Jérémy, Simon, Joseph und sieben Enkel.

Durch seine Arbeit für Magazine wie „Vogue“, den Pirelli-Kalender, aber auch für fast alle großen Modeschöpfer von Jean Paul Gaultier über Karl Lagerfeld bis Giorgio Armani galt Lindbergh als einer der bedeutendsten Modefotografen überhaupt. Das Phänomen der Supermodels der 90er prägte er mit, indem er Helena Christensen, Naomi Campbell, Christy Turlington oder Kate Moss jeweils als Persönlichkeiten mit einem starken Charakter darstellte, über die vermeintliche Perfektion ihrer Gesichter und Körper hinaus.

Sein Durchbruch kam 1978

Früh hatte sich Lindbergh für einen künstlerischen Weg entschieden. Als junger Mann zog er unter anderem nach Berlin, wo er Abendkurse an der Kunstakademie belegte, und studierte anschließend Malerei in Krefeld, bevor er sich auf die Fotografie konzentrierte. Seinen Durchbruch hatte er 1978 mit einer Modeserie für den „Stern“, er arbeitete in der Folge für die „Vogue,“ „The New Yorker“ oder den „Rolling Stone“. Indem er auf diese Weise tiefe Einblicke in die erbarmungslose Schönheitsindustrie erhielt, geriet Lindbergh aber mehr und mehr zu einem ihrer großen Kritiker.

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„Als Fotografen sind wir dafür da, die Frauen von der Diktatur der Perfektion und der Jugend zu befreien“, sagte er 2016 gegenüber der Zeitung „Le Monde“. Durch die nachträgliche Bearbeitung würden aus Frauen „Roboter“. Ein Gewicht von 45 Kilogramm bei einer Größe von 1,80 Metern vorauszusetzen, das bedeute für ihn „das Ende der Zivilisation“.

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„Er ist unglaublich gut darin, das Echte festzuhalten“

Zunehmend bildete er nicht nur Mannequins ab, sondern porträtierte auch Rockstars oder Schauspielerinnen. Für ein Bild ließ er sich Zeit, stellte eine Nähe zu dem Modell her, suchte den Blick hinter die Fassade. „Er ist unglaublich gut darin, das Echte festzuhalten“, sagte die Schauspielerin Penélope Cruz nach einem Shooting mit ihm 2016 in New York.

Längst gelten Lindberghs markante Schwarz-Weiß-Fotografien als Kunst, die er in Buchbänden und Ausstellungen zeigte, zuletzt in Paris, München und Düsseldorf. In erster Linie habe er stets die Persönlichkeit vor dem Objektiv herausgestellt, sagte Thierry-Maxime Loriot, Kurator der letzten Pariser Ausstellung: Lindbergh sei es darum gegangen, „eine unabhängige Frau zu zeigen, die Abenteurergeist hat, für ihr Leben verantwortlich ist, sich nicht um ihren sozialen Status schert und von den Männern emanzipiert ist“.

Indem er die müden Augen einer dennoch sinnlichen Charlotte Rampling zeigte und den selbstbewussten Optimismus einer Jacinda Ardern, der neuseeländischen Premierministerin, machte er die Frauen zu Subjekten. Und er wurde damit vielleicht der Feminist unter den Modefotografen; und zugleich viel mehr als ein Fotograf der Mode.

Von Birgit Holzer/RND

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