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Promis Jörg Pilawa: “Manchmal brülle ich laut los”
Nachrichten Promis Jörg Pilawa: “Manchmal brülle ich laut los”
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17:03 04.09.2019
Jörg Pilawa moderiert ab 6. September die „NDR Talkshow“ mit Bettina Tietjen. Quelle: imago/STAR-MEDIA

Jörg Pilawa gehört zu den beliebtesten Moderatoren Deutschlands. Am Freitag kehrt der Hamburger zurück zu seinen Talk-Wurzeln – und moderiert zum ersten Mal mit Bettina Tietjen die „NDR Talkshow“.

Herr Pilawa, Sie haben in Ihrem Leben schon Dutzende Shows moderiert. Kennen Sie vor der ersten Sendung der „NDR Talkshow“ überhaupt noch so etwas wie Lampenfieber?

Vor dem Start der „NDR Talkshow“ habe ich tatsächlich Lampenfieber, aber aus einem ganz bestimmten Grund. Bettina ist von allen meinen weiblichen Kolleginnen die spontanste, witzigste, charmanteste und intelligenteste. Vor 20 Jahren haben wir mal zueinander gesagt: „Wir müssen unbedingt etwas zusammen moderieren.“ Wir haben zig Anläufe genommen, aber es hat einfach nie gepasst. Wenn man so lange von etwas träumt, ist die Erwartung natürlich riesig und natürlich auch die Chance groß, eine Enttäuschung zu erleben.

Eigentlich sollten Sie bereits vor vier Wochen für die erste Sendung vor der Kamera stehen. Warum hat dann doch Bettina Tietjen allein moderiert?

Ich hatte mir einen dicken, fetten Infekt im Urlaub eingefangen und war einfach krank. Ausgerechnet die erste Sendung in den Seilen hängend und mit Fieber moderieren – das wollte ich niemandem antun.

Sie sind nicht der erste Mann, der an der Seite von Bettina Tietjen die „NDR Talkshow“ moderiert ...

Ich hab schon zu Bettina gesagt: „Dein Männerverschleiß macht mir etwas Sorgen.“ (lacht) Privat ist sie so seriös und seit Jahrzehnten mit ihrem Mann verheiratet und beruflich tauscht sie die Männer ständig aus. Immerhin: Die letzten Male hatte sie sich dem Trend zu jungen Männern hingegeben, jetzt nimmt sie endlich mal einen alten Sack wie mich. (lacht) Ich glaube daran, dass es bei einer Doppelmoderation wie bei einer gut funktionierenden Ehe ist: Man muss miteinander reden und lachen können. Sollte es bei Bettina und mir also mal kriseln, werde ich das sofort thematisieren.

„Ich bin kein Suchtmensch - das habe ich getestet“

Sind Sie der bessere Erzähler oder der bessere Zuhörer?

Da müssen Sie meine Frau fragen! (lacht) Im privaten Bereich mit Menschen, die mich lange kennen, bin ich bestimmt nicht der Wortführer. Da bin ich für viele der Zuhörer und rede am wenigsten von allen.

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Sie haben schon so viele Sendungen moderiert und können sich über Langeweile nicht beklagen. Nun nehmen Sie eine weitere an – kann es sein, dass Fernsehen süchtig macht?

Ich habe ja mal ein Jahr Auszeit vom Fernsehen gemacht. Wenn ich süchtig wäre, hätte ich da wahrscheinlich Entzugserscheinungen gehabt. Hatte ich aber nicht. Abhängigkeit – egal von was – ist nie gut, denn dann dreht sich vieles um einen selbst. Moderatoren, denen es nur um ihr Ego ging, waren nie lange erfolgreich. Außerdem bin ich kein Suchtmensch, das habe ich sogar mal getestet.

Jörg Pilawa mit seiner Frau Irina und seiner neuen Talk-Kollegin Bettina Tietjen. Quelle: picture alliance / BREUEL-BILD

Wie testet man denn so etwas?

Dank Studien weiß man mittlerweile, dass es genetisch bedingt ist, ob jemand zur Sucht neigt oder nicht. Ich habe das mal als Blindstudie mit dem Rauchen probiert. Wir wollten das als TV-Sendung unterbringen, aber die Sender haben sich an das Format nicht herangetraut. Auf jeden Fall war das Ergebnis: Ich konnte mit dem Rauchen problemlos wieder aufhören – die zweite Person musste anschließend leider ein Seminar besuchen, um von den Zigaretten loszukommen.

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Sie können sich meist über Ihre Einschaltquote nicht beschweren. Spielt sie trotzdem eine Rolle für Sie?

Jeder Mensch, der beim Fernsehen arbeitet und sagt, dass die Quote ihn nicht interessiert, lügt. Ich habe noch nie einen Dokumentarfilmer, einen Fernsehspielchef oder einen News Anchor gesehen, der sich beschwert hat, wenn er eine gute Quote hatte. Aber die Quote ist auch nicht alles.

„Es ist verrückt, dass heutzutage das Äußere oft wichtiger ist als der Inhalt“

Dann haben Sie sich vermutlich auch über die Schlagzeilen gefreut, dass Sie kürzlich mit Ihrer Show „Ich weiß alles!“ Helene Fischers Konzertfilm übertroffen haben ...

Ich habe das noch nicht mal mitbekommen, weil ich zu dem Zeitpunkt für ein Hilfsprojekt in Tadschikistan war. Als ich dann in Deutschland wieder mein Handy angemacht habe, hatte ich zig Glückwünsche, Lobeshymnen und Presseanfragen auf meinem Handy. Ich dachte nur: Sind denn alle verrückt geworden? Wenn man so etwas vier, fünf Tage später erst mitbekommt, hat es gar nicht mehr so eine große Bedeutung – wenn es sie überhaupt je hatte.

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Wie wichtig sind heutzutage eigentlich Äußerlichkeiten beim Fernsehen?

Ich finde es wirklich verrückt, dass heutzutage im Fernsehen das Äußere oft wichtiger ist als der Inhalt. Ich merke das immer dann, wenn ich mal ein Sakko anhatte, das nicht zur Hose passte, oder der Kragen mal schief stand. Darauf gibt es sofort Zuschauerreaktionen. Genauso, wenn ich die Haare extrem kurz geschnitten habe. Dann sieht es an den grauen Schläfen durch die Scheinwerfer wohl manchmal so aus, als hätte ich eine Glatze. Da frage ich mich manchmal schon, ob wir keine anderen Probleme haben.

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Haben Sie denn schon mal übers Haarefärben nachgedacht?

Das kommt für mich nicht infrage. Wenn ich anfangen würde, mir Gurkenmasken zu machen, Hyaluron und Botox zu benutzen, würde meine Familie mich für verrückt erklären. Ständig fragen mich Fotografen, was denn meine Schokoladenseite sei – ich kann es nie beantworten, weil es mich nicht interessiert. Ich bin einfach sehr uneitel. Trotzdem bekomme ich sehr oft mit, dass sich Gäste in meinen Sendungen sehr viele Gedanken darüber machen, ob sie in sozialen Medien für ihr Äußeres kritisiert werden könnten.

Wie äußert sich das?

Viele Gäste kommen heute mit großen Anforderungen in eine TV-Show: Mal dürfen sie nur von einer Seite gefilmt werden, mal muss das Licht anders eingestellt werden. Da gibt es so viele Anekdoten aus verschiedenen Formaten, dass ich darüber irgendwann mal ein Buch schreiben werde.

„Ich brülle auch einfach mal laut los und muss mich entschuldigen“

Sie strahlen immer so eine Grundzufriedenheit aus. Woher kommt die?

Ganz klar von meinem Umfeld. Mein Vater ist sehr früh gestorben und hat mir auf dem Sterbebett gesagt: „Du weißt nicht, wie lange dir gegeben ist. Mach das Beste aus der Zeit, die du hast.“ Ich hab wahnsinnig viel Glück mit meinem Job. Aber auch privat: Es ist nicht selbstverständlich, dass meine Ehe nach 20 Jahren noch so harmonisch ist. Dafür bin ich dankbar. Aber natürlich habe auch ich mal schlechte Laune und bin unzufrieden.

Wie äußert sich das?

Dann brülle ich einfach mal laut los und muss mich hinterher entschuldigen. (lacht) Aber manchmal ziehe ich mich auch in mein Schneckenhaus zurück. Da bekommt mich dann auch erst mal so schnell keiner raus.

Mit Stephanie Stumph hat Jörg Pilawa schon die MDR-Talkshow „Riverboat“ moderiert. Quelle: picture alliance / Geisler-Fotop

Wie bekommen Sie Job und Familie seit Jahren so gut unter einen Hut?

Gesetz Nummer eins: Geburtstage nehme ich mir immer frei. Dafür habe ich auch schon mal die ein oder andere Moderation abgesagt. Gesetz Nummer zwei: Während der Schulferien habe ich immer frei. Gesetz Nummer drei: Am Wochenende essen wir alle mindestens eine Mahlzeit zusammen.

Wie würden Sie Ihre Rolle zu Hause beschreiben? Liegen Ihre Stärken eher in der Küche, im Garten, bei den Kindern?

Ich würde sagen: Alles ist mein Gebiet, mit Ausnahme des Gartens. (lacht) Einen grünen Daumen hab ich wirklich nicht. Mittlerweile schlafe ich fast jede Nacht zu Hause, weil 90 Prozent meiner Produktionen in Hamburg sind. Deswegen gibt es einen Deal zwischen mir und meiner Frau: Ich versorge morgens immer die Kinder, sie abends. Dafür stehe ich dann jeden Morgen um 6 Uhr auf und kümmere mich um alles: Frühstück, anziehen, in die Schule bringen. Ich finde es toll, die Kinder in den Tag zu schicken.

Ihre älteren Kinder werden langsam flügge. Wie schwer fällt Ihnen das Loslassen?

Das ist gerade ein sehr sensibles Thema. Das Loslassen fällt mir viel schwerer, als ich geglaubt habe. Mein Ältester wohnt jetzt alleine, meine Tochter hat gerade Abi gemacht. Das Haus wird plötzlich leerer, man hört weniger Geräusche. Plötzlich müssen wir uns als Familie neu definieren. Man hat wieder mehr Zeit für sich als Paar, vermisst die Kinder aber trotzdem sehr.

Sie haben dieses Jahr ein Jubiläum: Seit 25 Jahren arbeiten Sie vor der Kamera. Was waren Ihre emotionalsten Momente?

Der emotionalste Moment war der Abschied von meiner Talkshow bei Sat.1. Da bin ich nach der letzten Sendung aus dem Studio gegangen und das gesamte Team hat für mich gesungen. Es gab stehende Ovationen. Ich habe in so viele traurige Gesichter geblickt und realisiert: Die haben nicht nur für mich gearbeitet, weil sie das Geld brauchten, sondern auch, weil sie Spaß hatten. Einer meiner schlimmsten Momente war mein desolates Interview mit Heike Makatsch in der „NDR Talkshow“. Sie war damals auf Promo-Tour für einen neuen Film und ich hatte ernsthaft geglaubt, dass es gut wäre, mit ihr über alles zu reden – nur nicht über den Film. Das ist total in die Hose gegangen, weil gar kein Gespräch zustande gekommen ist. Ich hab sie vor eineinhalb Jahren mal in einem Hotel beim Frühstück getroffen und mich bei ihr entschuldigt – doch sie konnte sich gar nicht mehr dran erinnern.

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