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Promis Darf man über Sexismus lachen, Katrin Bauerfeind?
Nachrichten Promis Darf man über Sexismus lachen, Katrin Bauerfeind?
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20:27 07.10.2019
Katrin Bauerfeinds Karriere begann im Internet mit „Ehrensenf“. Quelle: imago/STAR-MEDIA
Hannover

Im Grunde könnte man Katrin Bauerfeind als die erste deutsche Youtuberin bezeichnen. Als Moderatorin von „Ehrensenf“ präsentierte sie täglich viereinhalb Minuten absurde Fundstücke aus den Weiten des World Wide Web. Bis 2007 stand sie für „Ehrensenf“ vor der Webcam. Nach zwei Jahren verabschiedete sich Bauerfeind von ihren Fans im Netz. „Die Mutmaßung sei gestattet, dass ,Ehrensenf‘ mit einem Mann als Moderator nie so populär geworden wäre und mit einer anderen Frau vermutlich auch nicht“, schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ damals.

Ihren ersten „richtigen“ Fernsehauftritt hatte Bauerfeind 2007, als sie für 3sat den täglichen Festivalbericht von der Berlinale moderierte. Es folgte „Polylux“, das Lifestylemagazin der ARD. Aktuell spielt sie in der Comedyserie „Frau Jordan stellt gleich“ eine Gleichstellungsbeauftragte, die Serie stammt aus der Feder des „Stromberg“-Autors Ralf Husmann und läuft immer montags beim Streamingdienst Joyn. Ein Interview.

Frau Bauerfeind, in der Serie „Frau Jordan stellt gleich“ spielen Sie eine Gleichstellungsbeauftragte in einer kommunalen Behörde. Darf man über Sexismus lachen?

Wir haben eine Comedyserie darüber gemacht, weil man darüber durchaus lachen darf – und auch soll. Das ist eben nicht dasselbe, wie sich über das Thema lustig zu machen. Das Thema ist ja zu Unrecht in der humorlosen Ecke. Wir wollten eine Serie machen, in der es für alle etwas zu lachen gibt: Frauen, Männer und alle, die auch sonst noch Humor haben. Die Idee, ein Thema mit Humor nach vorne zu bringen beziehungsweise den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich auch lachend statt immer nur ernst mit etwas auseinanderzusetzen, das ist doch das Tolle an Comedy.

Ist diese Frau Jordan denn nun ­Feministin? Oder regiert da im Grunde nur der gesunde Menschenverstand?

Frau Jordan ist schon von Berufs wegen Feministin, dafür bekommt sie schließlich ihr Gehalt. Sie ist auch sehr taff und schießt lieber mal übers Ziel hinaus, als es erst gar nicht zu erreichen. Am Ende heiligt der Zweck auch mal die Mittel. Es ist ihr lieber, etwas Streitbares zu unternehmen, aber am Ende für die gute Sache zu gewinnen. Kurz gesagt: Die Frau hat echt Eier.

Gibt es da Ähnlichkeiten zwischen Ihnen und Frau Jordan?

Im Job super und selbstsicher sein, in Kombination mit einer gewissen privaten Verwirrtheit, diese Facetten kenne ich gut. Ich bin nur nicht so extrem wie sie.

Katrin Bauerfeind spielt in „Frau Jordan stellt gleich“ eine Gleichstellungsbeauftragte. Quelle: Julian Essink/(c) Joyn/Julian Es

Haben Sie ein Beispiel?

Mein Job liefert die Kombi ja eigentlich mit. Als ich vor zehn Jahren die Internationalen Filmfestspiele Berlin moderiert habe, hatte ich hinter der Bühne ganz gutes Lampenfieber und war ein paar Minuten vor dem Auftritt nicht sicher, ob meine Zusage vielleicht die blödeste Idee war, die ich je hatte. Aber dann geht man da raus, auf die Bühne, moderiert und hält sich hinterher meist für ein Genie. Das ist so die Bandbreite, von der auch Eva Jordan profitiert hat.

Würden Sie sich als Feministin bezeichnen?

Natürlich. Es bedeutet nichts anderes, als dafür zu sein, dass Frauen dieselben Möglichkeiten haben sollten wie Männer und jede für sich die Entscheidungen treffen können sollte, die man selbst für richtig hält. Man hält Fairness und Gerechtigkeit für eine feine Sache, und wer das genauso sieht, sollte sich unbedingt als Feminist oder Feministin bezeichnen.

Hat das Thema auch die Dreharbeiten beeinflusst? Sprich: Wie viele Männer saßen in entscheidenden Positionen am Set?

Ich versuche das schon seit Jahren bei allen meinen Sendungen durchzusetzen. Es gibt aber immer noch Redakteure, die sagen: „Wir würden ja mehr Frauen einladen, aber es gibt ja keine ...“ Dabei ist es durchaus möglich, ein ausgeglichenes Verhältnis herzustellen, man muss nur ein bisschen länger recherchieren. Bei „Frau Jordan stellt gleich“ waren wir da sehr erfolgreich. Der Hauptcast besteht zu 85 Prozent aus Frauen, die verbleibenden 15 Prozent sind ein sehr feministischer Mann. Wir bestehen auch den Bechdel-Test in der Serie, mit dem man herausfinden kann, ob ein Film frauenunfreundlich ist.

Wie funktioniert der?

Man stellt drei Fragen: Spielen mehr als zwei Frauen mit, sprechen diese beiden Frauen miteinander – und zwar über etwas anderes als über einen Mann? Da fällt fast alles durch: „Findet Nemo“, „Herr der Ringe“, „Harry Potter“ und selbst „Lola rennt“. In der Serie fragt Frau Jordan den Bürgermeister nach dem Vornamen von dessen Vorzimmerdame Frau Schmidt, der Bürgermeister muss vor versammelter Mannschaft passen. Ist das immer noch Realität für viele Frauen, dass sie für ihre Chefs unsichtbarer sind als ihre männlichen Kollegen?

Am Ende geht es ja gar nicht um diese Einzelfälle, sondern um etwas sehr Strukturelles, und das gibt es überall. Frauen und Männer verdienen für denselben Job immer noch nicht dasselbe Geld. Gerade jetzt, im Zuge der Serie, hat mir jemand ein Bild geschickt aus Bayern, mit dem Spruch „Lieber im Wald bei einer wilden Sau als zu Hause bei einer bösen Frau“. Man würde doch meinen, so etwas gibt es nicht mehr. Ich denke, es ist also nicht unwahrscheinlich, dass auch der eine oder andere den Vornamen seiner Assistentin nicht kennt ...

Im Fernsehen werden fast alle Personalityshows von Männern moderiert.

Katrin Bauerfeind

Braucht es eine Quote bei der Besetzung von Spitzenpersonal?

Ja, ich bin sehr für die Frauenquote, aus dem ganz einfachen Grund, dass wir bisher eine Männerquote haben. Es kommt uns nämlich ganz normal vor, wenn auf einen Mann wieder ein Mann folgt. Das ist aber nichts anderes als eine versteckte Männerquote. Und für alle, die immer Angst vor Qualitätsverlust haben: Ich habe schon mit so vielen mittelmäßig guten Männern gearbeitet, die so oft scheitern durften und immer wieder neue Chancen bekommen haben, bis sie irgendwann richtig gut waren. Ich denke, das kriegen die Frauen genauso hin.

Braucht es auch eine Quote im Bereich Fernsehen und Entertainment?

Männer empfinden übrigens ein Verhältnis von zwei Dritteln Männern zu einem Drittel Frauen angeblich als ausgeglichen, besagen Studien. Das erklärt ja vielleicht schon einiges. In der Filmbranche gibt es Umfragen, nach denen an einer deutschen Filmhochschule die männlichen Absolventen fünf Jahre nach dem Abschluss zu 100 Prozent als Regisseure gearbeitet haben. Bei den Frauen lag die Quote bei 25 Prozent. Im Fernsehen werden fast alle Personalityshows von Männern moderiert. Ich denke, auch da liegt es nicht unbedingt daran, dass Frauen keine Personality haben.

Auch im Bereich Comedy zählt man mehr Männer vor der Kamera. Hat man es als Frau mit Humor schwerer?

Als ich angefangen habe, hieß es noch, Frauen seien einfach nicht lustig. Aber bis vor 100 Jahren dachte man auch noch, das Gehirn einer Frau sei weniger leistungsfähig als das eines Mannes. Manche Dinge brauchen einfach Zeit. Ich finde es super, dass heute Frauen auf den Comedybühnen stehen und man dort eine Bandbreite findet, die von Cindy aus Marzahn bis zu Carolin Kebekus reicht. Bis vor zehn Jahren haben sich Frauen noch lustige Perücken und Brillen mit dicken Gläsern aufgesetzt, damit überhaupt einer geschnallt hat, dass es lustig sein soll. Aber bis in die Sechzigerjahre stand in den Benimmfibeln „Die Dame halte sich mit der Darbietung von Scherzen bei Tische zurück“. Humor war eine Männerdomäne. Das heißt, wir haben sehr viel später angefangen, sind aber dafür sehr schnell.

Haben wir also doch schon mehr erreicht?

Klar, es ist definitiv vorwärtsgegangen. Man kann lustig sein und eine Frau. Das ist ein Fortschritt. Aber ich sehe im Fernsehen immer noch oft die Alibifrau, heißt: Eigentlich sitzen da Männer, aber weil man weiß, das kommt nicht mehr so gut an, setzt man eine Frau dazu. Wäre doch andersrum auch mal spannend oder zumindest ausgeglichen. Vier lustige Frauen und einen Mann habe ich jedenfalls noch nicht so oft gesehen.

Wo wir gerade über Vorurteile sprechen: Sie sind Einzelkind, können Sie verstehen, warum Einzelkinder so einen schlechten Ruf haben?

Das habe ich ehrlich gesagt nie verstanden. Aber ich bin vielleicht auch die Ausnahme. Ich habe zwar keine Geschwister, bin aber trotzdem nie verhätschelt oder bevorzugt worden. Aber seit meinen Zwanzigern hat mich da eigentlich auch kaum jemand mehr drauf angesprochen.

Sie haben ein Buch über die Liebe geschrieben. Wie sehr muss man seinen Beruf lieben, um wirklich erfolgreich zu sein?

Bei mir ist das so, dass ich gar nichts anderes kann. Und ich habe Glück, weil ich auch nichts anderes machen will. Bei mir war immer und allen klar, dass ich mein Geld mit Reden verdienen werde. In meinem Fall kann man also durchaus von Liebe sprechen.

Würden Sie sich denn als erfolgreich in Ihrem Beruf bezeichnen?

Ja, Ja. Auf jeden Fall! (lacht)

Es ist noch Luft nach oben?

Ja, das geht jetzt alles richtig durch die Decke. Ich sehe mich schon in Hollywood. Kann ich ja einfach mal so behaupten. Wer soll mich abhalten?

Ihre Fernsehkarriere begann im Internet.

Richtig, bei „Ehrensenf“ hat das alles damals angefangen.

Ich würde das heute genauso wieder machen.

Katrin Bauerfeind

Schauen Sie sich die alten Sendungen manchmal noch auf Youtube an?

Manchmal. Das ist ja alles ewig her und eigentlich nur noch eine Erinnerung, die gar nicht mehr mit der Realität übereinstimmt. Weil man noch so klein war und keine Ahnung von nichts hatte, hat man das viel schlechter abgespeichert, als es eigentlich war. Ich würde das heute genauso wieder machen. Das Einzige, worüber ich froh bin, ist, dass die Haare nicht mehr so nach Stuttgart aussehen.

Könnte ein Format wie „Ehrensenf“, in dem Sie damals Fundstücke aus dem Internet im Nachrichtenformat präsentiert haben, heute noch erfolgreich sein?

Ehrensenf“ war das erste deutsche Internetfernsehen. Das klingt immer, als wenn die Oma vom Krieg erzählt, aber als wir damit angefangen haben, da gab es kein Facebook und es gab kein Twitter, nur Youtube, und da sind drei pixelige Fahrräder umgefallen. Und da haben wir eine Sendung gemacht, die so auch im Fernsehen hätte laufen können. In der Begründung des Grimme-Instituts stand jedenfalls, „Ehrensenf“ sei wie „Die Harald Schmidt Show“. Im Prinzip eine Late-Night-Sendung im Internet gemacht, und das kann meiner Meinung nach zu jeder Zeit und in jedem Medium erfolgreich sein.

Funktioniert das, was man im Fernsehen macht, also auch im Internet und umgekehrt?

Auf keinen Fall. Ich bin immer der Meinung gewesen, dass das zwei unterschiedliche Medien sind. Das Internet hat den Charme, dass dort jeder alles machen und anbieten kann. Da gibt es viele kleine, schöne Ideen, die aber null fernsehtauglich sind. Fernsehen hingegen kann Show, glänzen, groß wirken, so etwas wie „Wetten, dass..?“ zum Beispiel. Ich finde, das ist das Tolle am Fernsehen. Deshalb habe ich nie verstanden, warum es oft das schlechtere Internet sein will.

Fehlt Ihnen im Fernsehen der große Showmoment?

Die großen Shows sind ja eher wieder auf dem Vormarsch, was ich begrüße. Ich liebe Spektakel und wenn Dinge passieren, die groß und live und schön sind.

Fehlt dem deutschen Fernsehen Harald Schmidt? Immerhin waren Sie auch Teil des Schmidt-Teams.

Jetzt gibt es Jan Böhmermann oder Klaas Heufer-Umlauf. Da sind ein paar gute Leute nachgerückt. Die Dinge verändern sich einfach.

Es gibt also nichts, was Sie vermissen?

Doch. Deutschland braucht dringend eine tägliche Late Night, das fänd ich ganz gut.

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Von Nora Lysk/RND

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