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Politik Wer wird was – das Minister-Roulette
Nachrichten Politik Wer wird was – das Minister-Roulette
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12:36 14.11.2017
Quelle: dpa
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Berlin

Erst die Themen, dann die Namen: Auf nichts reagieren Jamaika-Verhandler in diesen Tagen so sensibel und zurückweisend wie auf die Frage, wer in einer gemeinsamen Regierung aus Union, FDP und Grünen welches Amt bekleiden könnte. Richtig ist: Noch sind viele inhaltliche Hürden aus dem Weg zu räumen. Und noch ist nicht klar, ob es überhaupt zu einem Jamaika-Bündnis kommt. Richtig ist aber auch: Längst werden hinter vorgehaltener Hand Favoriten für Ministersessel und Posten genannt.

Über allem thront Angela Merkel (CDU). Kommt es zu Jamaika, bleibt sie Kanzlerin. Zumindest so viel steht fest. Als wahrscheinlich gilt auch, dass CSU, FDP und Grüne jeweils drei Ministerämter bekleiden werden. Die CDU soll fünf Ministerien bekommen – plus den Posten des Kanzleramtschefs.

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Das Finanzministerium ist hinter dem Kanzleramt das zweitmächtigste Haus. FDP-Chef Christian Lindner soll es nach dem Willen der Kanzlerin übernehmen, sollten die Liberalen darauf bestehen, dieses Ressort zu übernehmen. Lindner wäre dann Vizekanzler und Finanzminister. Doch das ist längst nicht mehr oberstes Ziel der FDP.

Wird er Finanzminister oder bleibt er weiter Vorsitzender der FDP-Fraktion? Christian Lindner. Quelle: dpa

Neues Globalisierungsministerium für Graf Lambsdorff?

Anders als 2009, als das Programm der Liberalen nur aus einem einzigen Punkt, der Forderung nach Steuersenkungen, bestand und es die Partei versäumte, das dafür notwendige Finanzministerium zu übernehmen, sind die Freien Demokraten aktuell thematisch breiter aufgestellt. Um bessere Bildung, Digitalisierung und die Herausforderungen der Globalisierungen zu steuern, schielen die Liberalen auf ein Globalisierungsministerium. Das soll das bisherige Außenamt mit dem Entwicklungsministerium verschmelzen. Heißester Kandidat: FDP-Außenexperte Alexander Graf Lambsdorff, früherer Vizepräsident des EU-Parlaments.

Für diesen Fall würde Merkels Mann für alle Fälle, Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU), ins Finanzministerium wechseln – und Lindner Bundestagsfraktionschef bleiben. FDP-Generalsekretärin Nicola Beer wird sowohl als künftige Bildungs- als auch als Verkehrs- und Umweltministerin gehandelt. Sie gilt in den eigenen Reihen als „unbedingt ministrabel“.

Lange Zeit schien als ausgemacht, dass Grünen-Chef Cem Özdemir in einem Jamaika-Bündnis Außenminister wird. Doch die Grünen haben inzwischen offenbar andere Prioritäten gesetzt. Sie halten das Außenamt für „einflusslos“. Wie der „Spiegel“ berichtete, will die Öko-Partei angeblich das Umwelt-, das Landwirtschafts- oder Verkehrsministerium sowie das Sozialressort für sich reklamieren. Darauf hätten sich die Grünen auf einer Klausur im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg verständigt. Als gesetzt gilt neben Özdemir Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt. Robert Habeck werden gute Chancen eingeräumt, ebenfalls Minister zu werden. In Schleswig-Holstein ist er zurzeit in einem Jamaika-Bündnis für Energiewende, Landwirtschaft und Umwelt zuständig.

Sie sind das mögliche Minister-Trio der Grünen: Cem Özdemir (links), und Katrin Göring-Eckardt und Robert Habeck. Quelle: dpa

Beerbt CSU-Mann Herrmann Unions-Kollegin von der Leyen?

Heiß umkämpft innerhalb der Union ist das Innenressort. Der bisherige Amtsinhaber Thomas de Maizière (CDU) möchte gern auf seinem Posten bleiben. Doch mit Joachim Herrmann hat ihm die CSU einen Mitstreiter aus der Union vor die Nase gesetzt. Wer von den beiden sich letztlich durchsetzen wird, ist noch völlig offen. Herrmann gilt auch als Anwärter auf den Chefposten im Verteidigungsministerium. Dort kämpft Amtsinhaberin Ursula von der Leyen (CDU) mit schwindendem Rückhalt in der Truppe.

Senkrechtstarter Jens Spahn (CDU), bislang Staatssekretär im Finanzressort, hat nie ein Hehl daraus gemacht, Gesundheitsminister werden zu wollen. Die Nachwuchshoffnung der CDU will unbedingt Minister werden. Spahn wird auch als künftiger Sozial- und/oder Arbeitsminister gehandelt.

Will wohl Minister werden: CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn. Quelle: dpa

Von Jörg Köpke/RND