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Nachrichten Politik So reagiert die Welt auf die neuen Klimaschutzregeln
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14:25 16.12.2018
Die Weltklimakonferenz in Polen hat ein 130-Seiten-Regelwerk zum Klimaschutz beschlossen. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Kattowitz

Der Weltklimagipfel in Polen hat ein umfassendes Regelwerk zum Klimaschutz beschlossen, das die Erderwärmung und ihre fatalen Folgen wie Dürren, Stürme und Überschwemmungen bremsen soll. Das nach zwei Wochen Verhandlungen in Kattowitz von fast 200 Staaten gebilligte Dokument legt fest, dass ab 2024 alle Länder regelmäßig berichten müssen, wie viel Treibhausgase sie ausstoßen und was sie dagegen tun.

Das gut 130 Seiten starke Regelbuch soll den Ländern dabei helfen, das als historisch eingestufte Pariser Klimaabkommen von 2015, praktisch umzusetzen. Ziel ist, die Erderwärmung auf unter zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Schon jetzt hat sich Erde um etwa ein Grad erwärmt, Deutschland sogar noch etwas stärker. Ein gewaltiger Fortschritt, der trotzdem nicht jeden überzeugen kann.

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Lesen Sie auch: Das sind die neuen Klima-Beschlüsse

Die Reaktionen im Überblick:

Der Kampf geht weiter

Der französische Staatschef Emmanuel Macron hat die Einigung der UN-Klimakonferenz in Polen auf gemeinsame Regeln für den weltweiten Klimaschutz begrüßt. Die internationale Gemeinschaft bleibe im Kampf gegen den Klimawandel engagiert, teilte der Präsident auf Twitter mit. „Ein Bravo an die UN, die Wissenschaftler, die NGOs und alle Unterhändler.“ Frankreich und Europa müssten den Weg zeigen. „Der Kampf geht weiter“, so Macron.

Letzte Chance, ungebremsten Klimawandel zu stoppen

UN-Generalsekretär António Guterres sprach von einem „soliden“ Ergebnis, mahnte aber erneut zu mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz. „Diese Gelegenheit zu verschleudern, würde unsere letzte gute Chance zunichte machen, einen ungebremsten Klimawandel zu stoppen. Das wäre nicht nur unmoralisch, das wäre selbstmörderisch.“

Ganzen Nationen droht das „Versinken im Meer“

Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan weist darauf hin, dass ganzen Nationen das Versinken im Meer und damit die „Auslöschung“ drohe. „Ein Jahr voller Klima-Katastrophen und eindringliche Warnungen der besten Wissenschaftler weltweit hätten zu viel mehr führen sollen.“

Die Welt muss sich in die Karten schauen lassen

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) erklärte, in geopolitisch schwierigen Zeiten habe der Gipfel gezeigt, dass es sich lohne, beharrlich an einem globalen Konsens zu arbeiten. Ab 2024 müsse sich nun zum ersten Mal nicht nur die halbe, sondern die ganze Welt beim Klimaschutz in die Karten schauen lassen. Vergleichbarkeit und Transparenz sind wichtig, da das Pariser Abkommen auf gegenseitigem Vertrauen beruht. Es gibt keine Sanktionen, wenn Länder nicht vorankommen. Vor allem der Gruppendruck soll alle auf Kurs halten.

1000 kleine Schritte vorwärts

EU-Umweltkommissar Miguel Arias Cañete erklärte: „Wir sind auf die Dringlichkeit der Wissenschaft eingegangen.“ Dies sei der EU und ihren Verbündeten ein wichtiges Anliegen gewesen. Konferenzpräsident Michal Kurtyka nannte die Beschlüsse „1000 kleine Schritte nach vorne“. Sabine Minninger von Brot für die Welt bedauerte, dass keine Einigung auf finanzielle Unterstützung von besonders armen und verletzlichen Staaten bei der Bewältigung von Klimaschäden zustande kam.

Kohleausstieg und CO2-Preis regeln

Christoph Bals, politischer Geschäftsführer der Umweltorganisation Germanwacht stellt konkrete Forderungen an Deutschland: „Nach dem Klimagipfel in Kattowitz muss Deutschland endlich wieder eine Führungsrolle durch Aktion übernehmen. Der Kohleausstieg, die Verkehrswende und ein CO2-Preis sollten im nächsten Jahr im Klimaschutzgesetz verbindlich geregelt werden.“

Klimaergebnis ist ein doppelter Erfolg

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus sieht in dem Ergebnis einen doppelten Erfolg: „Die Staaten werden im Kampf gegen den Klimawandel in die Pflicht genommen. Und: Die Welt kann doch noch zusammenwirken!“

Regierungen brauchen mehr Druck von den Bürgern

Michael Schäfer vom WWF stellte fest: „Die Regierungen der Welt brauchen viel mehr Druck von ihren Bürgerinnen und Bürgern, endlich mit dem Klimaschutz Ernst zu machen.“ Vitumbiko Chinoko von der Nichtregierungsorganisation Care mahnte: „Verletzliche Staaten können nicht die Last der Welt auf ihren Schultern tragen.“

Einigung gebremst, um heimische Industrie zu schützen

Das Präsidiumsmitglied des Deutschen Naturschutzrings, Hermann Ott, warf einer kleinen Gruppe von Staaten, „notorisch die USA, Russland und Saudi-Arabien“, vor, die Verhandlungen in Polen aus Eigeninteresse gebremst zu haben, um ihre heimische Öl- und Gasindustrie zu schützen.

15-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg hält Brandrede

Bereits auf der Klimakonferenz sorgte die 15-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg aus Schweden mit ihrer Rede für viel Aufsehen. Sie sprach sich nüchtern und deutlich gegen die aktuelle Politik aus und forderte ein grundsätzliches Umdenken: „Wir sind nicht hergekommen, um die Regierenden dieser Welt zu bitten, sich zu sorgen. Ihr habt uns in der Vergangenheit ignoriert und werdet es wieder tun. Euch gehen die Ausreden aus und uns die Zeit. Wir sind hergekommen, um euch wissen zu lassen, dass der Wandel kommt, ob es euch gefällt oder nicht. Die wahre Macht ist bei den Menschen.“

Übrigens: Der nächste UN-Klimagipfel tagt in Chile, und zwar nach Angaben des dortigen Umweltministeriums entweder im Dezember 2019 oder im Januar 2020.

Von RND/dpa/lf