Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik Warum der Afghanistan-Einsatz am Scheitern ist und doch andauern muss
Nachrichten Politik Warum der Afghanistan-Einsatz am Scheitern ist und doch andauern muss
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:28 11.09.2019
Ein Soldat der Bundeswehr sichert am Stadtrand von Kundus (Afghanistan) ein Gebäude. (Symbolbild)
Berlin

Es ist die Geschichte eines großen Scheiterns und von traurigen Rekorden: Der internationale Einsatz in Afghanistan geht in sein 19. Jahr und es ist keine Lösung des Konflikts in Sicht, sondern eine neue Eskalation. Es gibt keinen Frieden und keine Unbeschwertheit für das Land am Hindukusch.

Im Gegenteil: Aus Afghanistan kommen weiter Trauernachrichten. Anschlag auf eine Hochzeitsgesellschaft, Anschlag auf internationale Organisationen, eine weitere Autobombe wenige Tage später. Dutzende Tote hat es so alleine in den vergangenen Wochen gegeben und über 100 Verletzte. Die Zahl der Angriffe auf Schulen nahm 2018 drastisch zu. Über 1000 Schulen mussten schließen. Die radikalislamischen Taliban sind wieder auf dem Vormarsch. Während die Bundesregierung Abschiebungen weiter für unbedenklich hält, stoppte die Bundespolizei ihre Ausbildungsmission. Entwicklungsorganisationen ziehen Mitarbeiter ab. Bundeswehrsoldaten sitzen in streng bewachten Camps. Der deutsche Botschafter hat Unterschlupf gefunden auf dem Gelände der US-Botschaft.

Lesen Sie auch: Bundespolizei setzt Afghanistan Mission aus

Entwicklung, die hoffnungslos macht

Es ist eine Entwicklung, die hoffnungslos macht, die den Wunsch weckt, die Augen schließen zu können, damit das Drama wenigstens so verschwindet.

Nach Barack Obama will nun auch US-Präsident Donald Trump lieber heute als morgen die US-Truppen zurückziehen: Der Einsatz eignet sich nicht für militärische Heldenerzählungen. Als Vergeltung für die Terroranschläge vom 11. September 2001 hatten die Truppen den Einmarsch in das damals von den Taliban beherrschte Land begonnen, das der Terrororganisation Al Kaida von Osama bin Laden Unterschlupf bot. Nun ist bin Laden zwar tot, nicht aber der Terror. Die Taliban sind nicht mehr an der Regierung, aber der Einfluss des gewählten Präsidenten ist überschaubar. Und die USA wird als besiegbar vorgeführt. Der Vergleich mit dem Vietnamkrieg, den die USA erst anzettelten und aus dem sie sich dann 1975 nach elf elenden Jahren geschlagen zurückzogen, liegt auf der Hand.

Die Krux ist: Der internationale Einsatz hat den Konflikt nicht gelöst. Ein Abzug aber löst ihn genauso wenig, sondern würde neue Probleme schaffen. Denn kleine Fortschritte hat es gegeben: Zumindest auf dem Papier besteht eine einigermaßen fortschrittliche Verfassung. Mehr Kinder konnten in die Schule gehen, Frauen bekamen Rechte.

Taliban würden nach Rückzug in ein Vakuum stoßen

Damit wäre ziemlich sicher Schluss, wenn das Land sich selbst überlassen würde. Die staatlichen Institutionen des Landes sind schwach, die afghanischen Sicherheitskräfte haben den Taliban nicht genug entgegenzusetzen. In einer über Generationen mit Gewalt und Krieg konfrontierten Gesellschaft, in der das Überleben nicht allein vom (unsicheren) Einkommen abhängt, ist das Recht des Stärkeren eine feste Größe. Die Taliban würden die von den internationalen Truppen geräumten Plätze schnell füllen. Im Irak hat sich das beobachten lassen: Nach dem Rückzug der USA prosperierte dort die Terrorbande Islamischer Staat erst recht.

Auch die radikal-islamischen Taliban haben ihre Pläne mehr als deutlich gemacht. Sie fordern eine Neuverhandlung der Verfassung. In Regionen, in denen sie die Macht übernehmen, werden Frauen schon jetzt zurückgedrängt ins häusliche Gefängnis.

Trumps Tonfall könnte Konflikt erneut eskalieren lassen

Der US-Regierung, die in den letzten Monaten versuchte, mit den Taliban zu verhandeln, ist es nicht gelungen, dagegenzuhalten. Der Unterhändler erreichte keinen Waffenstillstand, sondern lediglich die vage Zusicherung, es werde keinen Terror mehr geben aus Afghanistan. Stabilität, Sicherheit und Frieden bekommt man so nicht. Der Tonfall aber, mit dem Donald Trump nun die Gespräche für gescheitert erklärte, wird nicht weiterhelfen, sondern den Konflikt erneut eskalieren lassen.

Es bedarf neuer Gespräche, wieder und immer wieder. Entschlossenheit zeigt dabei nicht, wer gleichzeitig einen baldigen Rückzug ankündigt. Es war richtig, das Gespräch mit den Taliban als zentraler Konfliktpartei zu suchen und falsch, die Regierung daran nicht zu beteiligen und sie damit zu entwerten. Das muss nun der nächste Versuch sein.

Mit der Intervention in Afghanistan haben die internationalen Truppensteller –auch Deutschland – Verantwortung übernommen. Es hilft nichts, entsetzt die Augen zu schließen.

Lesen Sie auch: Afghanistan-Gespräche gestoppt - Furcht vor wachsendem Chaos

Von Daniela Vates/RND

In mehreren norddeutschen Bundesländern sollen am Mittwochmorgen Anti-Terror-Razzien stattgefunden haben. Demnach durchsuchten Polizisten in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mehrere Objekte.

11.09.2019

Die Fraktionschefin der Linken im Bundestag gehört zu den bekanntesten Politikerinnen Deutschlands. Aus der ersten Reihe will sich Sahra Wagenknecht aber nach den Wahlen in Thüringen Ende Oktober zurückziehen. Ein Burn-out war der ausschlaggebende Punkt - aber zur Geschichte gehört mehr.

11.09.2019

Einst bewunderte Donald Trump den markigen Hardliner John Bolton. Doch seine Kritik wurde dem Präsidenten zu laut. Künftig muss er keinen Widerspruch mehr fürchten.

11.09.2019