Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik Verena Bahlsen: Viel Widerspruch und eine Einladung in NS-Dokumentationszentrum
Nachrichten Politik Verena Bahlsen: Viel Widerspruch und eine Einladung in NS-Dokumentationszentrum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:03 14.05.2019
Verena Bahlsen hat mit Äußerungen über Zwangsarbeiter Aufsehen erregt. Quelle: imago images / tagesspiegel
Hannover

Nach ihren Äußerungen über NS-Zwangsarbeitern reißt die Kritik an Verena Bahlsen nicht ab. Auch als Erbin der Keks-Firma habe sie eine Verantwortung „gegenüber den Menschen, die bei Bahlsen gearbeitet haben – oder arbeiten mussten“, sagte Christine Glauning, die Leiterin des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit in Berlin, der „Bild“. „Frau Bahlsen ist Erbin eines großen und bekannten deutschen Unternehmens, dessen Erfolg nach 1945 auch dem Einsatz von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern während des Krieges geschuldet war.“

Gleichzeitig sprach Glauning eine Einladung in ihr Dokumentationszentrum aus. „Ich würde mich freuen, mit ihr über das Gelände des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers in Berlin-Schöneweide und in die Ausstellungen zu gehen.“

Verena Bahlsen: „Zwangsarbeiter gut behandelt“

Bahlsen hatte zum Einsatz von Zwangsarbeitern in dem Keks-Unternehmen gesagt: „Das war vor meiner Zeit und wir haben die Zwangsarbeiter genauso bezahlt wie die Deutschen und sie gut behandelt.“ Bahlsen habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Expertin Glauning glaubt das nicht: Vor allem die Zwangsarbeiter aus Osteuropa seien in allen Betrieben und in allen Belangen schlechter gestellt gewesen als die deutschen Arbeitskräfte und der Willkür in den Lagern aber auch in den Betrieben ausgeliefert. Und: Auch ihr Lohn habe sich durch Abgaben für die schlechte Unterbringung und das miserable Essen verringert.

Nach eigenen Angaben beschäftigte das Keks-Imperium zwischen 1942 und 1945 rund 200 Zwangsarbeiter, vor allem Frauen aus Osteuropa. 1999 berichteten ukrainische Zeitungen über die Arbeitssklavinnen von Bahlsen.

Bahlsen: Klage von Zwangsarbeiterinnen abgewiesen

Die Kiewer Frauen seien in ihrer Heimat abgeholt, in Viehwaggons verladen und ins rund 1500 Kilometer entfernte Hannover gebracht worden. Eine Klage von 45 ehemaligen Zwangsarbeiterinnen wurde im Jahr 2000 abgewiesen – wegen Verjährung.

Für eine verstärkte Aufarbeitung der Zwangsarbeit in deutschen Unternehmen zur Nazizeit wirbt derweil der in Hildesheim geborene US-Wissenschaftler Guy Stern (97). Als Reaktion auf Äußerungen der Unternehmenserbin Verena Bahlsen zum Umgang des gleichnamigen Keks-Imperiums mit Zwangsarbeitern sagte er der Deutschen Presse-Agentur: „Das schwerwiegende Wort dabei ist nicht ,arbeiten’, das schwerwiegende Wort dabei ist ,Zwang’. Das ist eine psychologische Erniedrigung – das sind Fesseln, die jemandem auferlegt werden.“

Mehr lesen:
Bahlsen-Erbin sorgt für Empörung

Von pach/jps/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach der tödlichen Messerattacke auf einen Mann in Chemnitz veröffentlicht ein Polizist einen der Haftbefehle auf Facebook. Dafür bekam er nun eine Geldbuße.

14.05.2019

Der AfD-Europakandidat Gunnar Beck nannte sich bisher Professor. Nun hat ihm seine Partei den Titel gestrichen, zumindest auf der Internetseite. Beck hatte eine britische Bezeichnung übertragen – laut deutschen Behörden zu Unrecht.

14.05.2019

Die Uno vermeldet einen Teilerfolg im Jemen-Konflikt: Die Huthi-Rebellen haben die Kontrolle über wichtige Häfen abgegeben. Aber die Regierung zeigt sich unzufrieden.

14.05.2019