Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik Verdächtiger Stephan E. könnte weitere Gewalttat begangen haben – „Ermittlungen laufen auf Hochtouren“
Nachrichten Politik Verdächtiger Stephan E. könnte weitere Gewalttat begangen haben – „Ermittlungen laufen auf Hochtouren“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:00 27.07.2019
Stephan E. nach einem Haftprüfungstermin Anfang Juli. Quelle: Uli Deck/dpa
Berlin

Gegen den Tatverdächtigen im Mordfall Lübcke laufen weitere Ermittlungen wegen einer Gewalttat. Die Ermittler prüfen eine Beteiligung von Stephan E. in einem bislang ungeklärten Altfall, wie die Staatsanwaltschaft Kassel am Freitag mitteilte. Im Zusammenhang mit den Ermittlungen sei am Donnerstag erneut das Wohnhaus von Stephan E. durchsucht worden. Weitere Angaben machte die Staatsanwaltschaft nicht.

Laut „Spiegel Online“ geht es um einen Angriff auf einen irakischen Flüchtling vor dreieinhalb Jahren. Der damals 22 Jahre alte Asylbewerber wurde in Lohfelden bei Kassel von Unbekannten mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt. Den Angaben nach besteht der Anfangsverdacht, dass Stephan E. daran beteiligt war.

Reihenweise Gewalttaten

Der Rechtsextremist soll im Juni den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) mit einem Kopfschuss getötet haben. Der mutmaßliche Täter, gegen den die Bundesanwaltschaft wegen Mordes ermittelt, sitzt in Untersuchungshaft. Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Der 45-jährige Stephan E. hatte die Tat gestanden und dann sein Geständnis widerrufen.

Der mutmaßliche Mord an Lübcke wäre nicht seine erste Gewalttat. Bereits im Alter von 15 Jahren soll E. 1989 ein Mehrfamilienhaus in Aarbergen-Michelbach (Taunus) in Brand gesetzt haben. Gerade mal 19 geworden, verletzte er auf einer öffentlichen Toilette in Wiesbaden einen Ausländer mit einem Messer lebensgefährlich. Am Tag vor Heiligabend 1993 versuchte der 20-jährige E., der damals noch zu Hause wohnte, einen Sprengsatz vor einer Asylbewerberunterkunft in Hohenstein-Steckenrath (Taunus) zur Detonation zu bringen.

Grüne fordern Aufklärung

Dafür, dass der neueste Verdacht Substanz haben könnte, spricht neben der Vorgeschichte von E. und seiner rechtsextremistischen Gesinnung, dass sich der damalige Tatort in Lohfelden nur 2,5 Kilometer von Ernsts Wohnhaus befand. In Lohfelden fand im Oktober 2015 auch die Bürgerversammlung statt, bei der Lübcke während der Diskussion über eine geplante Erstaufnahme-Einrichtung für Asylbewerber auf Zwischenrufe mit dem Satz reagierte: „Da muss man für Werte eintreten, und wer diese Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er nicht einverstanden ist, das ist die Freiheit eines jeden Deutschen." E. war bei der Versammlung anwesend und nahm den Regierungspräsidenten anschließend offenbar ins Visier.

Die innenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) zum neuesten Ermittlungsstand: „Es ist richtig, dass die Sicherheitsbehörden jetzt ungeklärte rechtsextremistische Straftaten und insbesondere Tötungsdelikte auf Verbindungen zum Tatverdächtigen prüfen. Wir erwarten, dass die Aufklärung des rechtsterroristischen Mordanschlags auf Herrn Lübcke sowie möglicherweise damit in Verbindung stehende Netzwerkstrukturen konsequent fortgeführt wird."

Ermittlungen dauern noch Monate

In einem dem RND vorliegenden Brief des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesjustizministerium, Christian Lange (SPD), an die Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Andrea Lindholz (CDU), heißt es: „Die Ermittlungen laufen nach wie vor auf Hochtouren, und sie werden noch weitere Monate andauern.“ Zwischenergebnisse könnten weder mitgeteilt noch bestätigt werden, „um den Ermittlungserfolg nicht zu gefährden“.

Als sicher gilt in Sicherheitskreisen, dass die durch Rechtsextremisten verursachte Gefahr steigt. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte am Donnerstag, alle Sicherheitsbehörden seien wachsam und arbeiteten Hand in Hand.

Von Markus Decker/RND

Im RND-Interview erklärt der kommissarische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel, warum er Supereiche stärker zur Kasse bitten will, wieso die SPD-Parteimitglieder nicht über die Zukunft der GroKo abstimmen dürfen und was er persönlich tut, um seine Flugreisen zu kompensieren.

27.07.2019

Hat ein Polizist offenbar friedliche Demonstranten ohne Grund mit Pfefferspray besprüht? Ein Video zeigt den umstrittenen Polizeieinsatz am Rande einer Anti-Nazi-Demo in Kassel. Die Polizei hat interne Ermittlungen eingeleitet.

26.07.2019

Der mutmaßliche Mörder von Walter Lübcke soll vor dreieinhalb Jahren auf einen Iraker eingestochen haben. Verwunderlich wäre es nicht – auch weil er so etwas schon einmal gemacht hat, kommentiert Markus Decker.

26.07.2019