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Politik Kampf der Bands: Musikalisches Kräftemessen an der Grenze
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19:56 22.02.2019
Ein Kind trägt eine venezolanische Flagge bei dem Benefitkonzert Venezuela Aid Live auf der kolumbianischen Seite der Grenzbrücke Tienditas. Quelle: Fernando Vergara/AP/dpa
Cúcuta

Jetzt sprechen die Gitarren: An der Grenzbrücke Tienditas zwischen Kolumbien und Venezuela haben sich die Gegner und Anhänger des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro einen musikalischen Schlagabtausch geliefert. Während auf der kolumbianischen Seite zahlreiche Musiker bei dem BenefizkonzertVenezuela Aid Live“ um Spenden für humanitäre Hilfe warben, forderten regierungstreue Sänger auf der anderen Seite der Grenze: „Hände weg von Venezuela“.

Tausende Menschen jubelten am Freitag nahe der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta bekannten lateinamerikanischen Künstlern wie Luis Fonsi, Juanes, Maluma und Paulina Rubio zu. Mit dem Konzert wollten der britische Milliardär Richard Branson und die venezolanische Opposition um den selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó zehn Millionen US-Dollar an Spenden für die humanitäre Hilfe für Venezuela einsammeln. Mit weiteren staatlichen Hilfszusagen sollen innerhalb von 60 Tagen bis zu insgesamt 100 Millionen Dollar zusammenkommen.

„Menschen sterben jeden Tag in Venezuela, weil Medikamente fehlen. Das ist inakzeptabel“, sagte Branson vor Beginn des Konzerts. „Heute ist ein Tag der Hoffnung. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass sich etwas ändert.“ Den Auftakt zu dem Konzert machte die Sängerin Reymar Perdomo, die in ihrem bei der venezolanischen Diaspora sehr populären Lied „Me fui“ (Ich bin gegangen) erzählt, warum sie ihre Heimat verlassen musste. „Wir wollen Freiheit für alle“, sagte eine Besucherin des Konzerts. „Es lebe Juan Guaidó.“

Auf der venezolanischen Seite hielten Maduros Anhänger dagegen. „Alle Künstler auf der Bühne werden der Welt sagen, dass Venezuela frei und unabhängig ist“, sagte der Regierungsfunktionär Freddy Bernal. In der Ortschaft Pedro María Ureña sollten venezolanische Rock-, Pop-, Reggaeton- und Salsa-Künstler auftreten.

Gelangen die Hilfsgüter ins Land?

Am Samstag wollen Tausende freiwillige Helfer die bereits in Cúcuta bereitstehenden Hilfsgüter nach Venezuela schaffen. Staatschef Maduro sieht in der humanitären Hilfe allerdings einen Vorwand für eine militärische Intervention in dem südamerikanischen Land und hat die Streitkräfte angewiesen, die Lieferungen nicht passieren zu lassen.

Guaidó rief die Soldaten dazu auf, den Befehl zu ignorieren und die Lieferungen durchzulassen. „Diese Hilfe kann Leben retten“, schrieb er auf Twitter. Venezuela leidet unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. Aus Mangel an Devisen kann das einst reiche Land kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs einführen. Viele Menschen hungern und über drei Millionen Venezolaner haben ihre Heimat bereits verlassen.

Weil es an Medikamenten und finanziellen Mitteln für Präventionsprogramme fehlt, breiten sich zudem Infektionskrankheiten wieder aus. Laut einer in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet Infectious Diseases“ veröffentlichten Studie stieg die Zahl der Malariainfektionen von knapp 30 000 im Jahr 2010 auf über 411 000 im Jahr 2017. „Die Zunahme der Malariafälle könnte bald unkontrollierbar werden“, warnte einer der federführenden Autoren der Studie, Martin Llewellyn von der Universität in Glasgow.

Es droht Blutvergießen

An den Hilfslieferungen könnte sich der seit Wochen tobende Machtkampf zwischen Maduro und seinem Gegenspieler Guaidó entscheiden. Gelingt es dem selbst ernannten Interimspräsident tatsächlich, Lebensmittel, Medikamente und Hygieneartikel nach Venezuela zu schaffen und an die notleidende Bevölkerung zu verteilen, wäre das ein Coup. Gehen die Soldaten allerdings mit Gewalt gegen die Freiwilligen vor, könnte es Blutvergießen geben.

„An alle Soldaten: Heute und morgen entscheidet ihr, wie ihr in Erinnerung behalten werdet“, schrieb Guaidó auf Twitter. „Wir wissen bereits, dass ihr auf der Seite des Volkes steht, das habt ihr bereits klar gemacht. Morgen könnt ihr es beweisen.“

Auch auf der niederländischen Karibikinsel Curaçao und in Brasilien stehen zahlreiche Hilfsgüter bereit. Allerdings hat Maduro die Grenzen zu den Nachbarländern schließen lassen. Medienberichten zufolge verlegten die Streitkräfte Truppen und Panzer an die Grenze zu Brasilien. Nach Angaben der Opposition kam es dabei zu Zusammenstößen zwischen Soldaten und Angehörigen des indigenen Volkes der Pemón. Zwei Indigene seien dabei getötet und rund ein Dutzend weitere verletzt worden, schrieb der oppositionelle Abgeordnete Americo de Grazia am Freitag auf Twitter.

Lesen Sie auch: Was der Machtkampf in Venezuela mit Deutschland zu tun hat

Von RND/dpa

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