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Politik US-Botschafter Richard Grenell – Swing und Bier mit den Linken
Nachrichten Politik US-Botschafter Richard Grenell – Swing und Bier mit den Linken
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19:00 29.01.2019
Richard Grenell, Botschafter der USA in Deutschland, hat hier nicht viele Freunde – außer neuerdings bei der Linken. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa
Berlin

Bei der Linksfraktion waren sie am Montagabend ein bisschen stolz. Denn während zum Neujahrsempfang sonst wenn überhaupt nur die Botschafter einst sozialistischer Bruderstaaten der DDR erscheinen, wartete die ehemalige Parteichefin Gesine Lötzsch diesmal am Eingang des Oderberger Stadtbades in Prenzlauer Berg, um keinen Geringeren zu begrüßen als den Emissär der Vereinigten Staaten von Amerika.

Der besagte Richard Grenell wiederum schrieb um 20.41 Uhr via Twitter: „Thanks to die Linke for the invitation and the GREAT music.” Also: Danke für die Einladung und die großartige Musik.

Ja, die Welt steht heute manchmal Kopf. Und nicht nur für Grenell war dies ein besonderer Tag.

Zunächst wohnte der 52-Jährige der Verleihung des Fulbright-Preises an Kanzlerin Angela Merkel bei. Die Auslandschefin des Senders CNN, Christiane Amanpour, übernahm es, Merkel zu loben wegen ihres herausragenden Engagements für gegenseitiges Verständnis, internationale Zusammenarbeit und Frieden. Dabei ist CNN nicht nur der Sender, den US-Präsident Donald Trump wohl am meisten hasst.

Die Attribute, mit denen die Fulbright-Stiftung und Amanpour Merkel versahen, sind genau jene Attribute, mit denen man Trump schlechterdings nicht versehen kann. Grenell blieb also nichts anderes übrig, als die Würdigung einer Frau zu erleben, die zu seinem Förderer im größtmöglichen Gegensatz steht.

Amüsement beim Swing

Umso kurioser war, dass derselbe Grenell, der wie die gesamte Trump-Administration als weit rechts stehend gilt, bald darauf ausgerechnet der deutschen Linken seine Aufwartung machte. Schließlich finden sich in ihren Reihen immer noch ein paar engagierte Anti-Amerikanisten – ein Grund unter anderen, weshalb konkurrierende Parteien zur Linken nach wie vor Abstand halten.

Grenell wiederum hat sich ins Abseits manövriert, weil er in Berlin weniger als Diplomat denn als Dompteur in Erscheinung tritt und Politik und Wirtschaft in Deutschland gern sagt, was sie zu tun hätten. Die Zahl der Einladungen an ihn dürfte sich längst in Grenzen halten.

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Der seit jeher pragmatische und gar nicht anti-amerikanische Linke-Außenpolitiker Stefan Liebich betonte beim Neujahrsempfang gleichwohl, dass Grenell ein sehr netter Mensch sei. Überhaupt dächten in seiner Partei manche anders über die USA, seit der an Hillary Clinton gescheiterte demokratische Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders gezeigt habe, dass es dort auch richtige Linke gebe.

Der Botschafter schien jedenfalls Spaß zu haben. Er trank ein Bier, plauderte und erfreute sich sichtlich an der dargebotenen Musik; es war amerikanischer Swing. Ja, und Grenell scherzte selbstironisch. Als eine Journalistin ihn in die Redaktion einlud, um seine „opinion“ (Meinung) zur Zeitung zu sagen, erwiderte der Verfemte: Ja, in Sachen „opinion“ sei er stark.

Von Markus Decker/RND

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