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Politik Tod und Trauer: Landesbischof Ralf Meister fordert mehr freie Tage für Angehörige
Nachrichten Politik Tod und Trauer: Landesbischof Ralf Meister fordert mehr freie Tage für Angehörige
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14:24 15.08.2019
Der Landesbischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, Ralf Meister.
Berlin

Hannovers evangelisch-lutherischer Landesbischof Ralf Meister hat den Umgang der Deutschen mit Tod und Trauer kritisiert. „Aufmerksamkeit und Zeit fließen inzwischen fast nur noch in die Phase vor dem Tod eines Angehörigen. Danach gehen viele viel zu schnell zur Tagesordnung über, auch weil ihnen die Gesellschaft kaum Zeit zum Innehalten lässt“, sagte Meister dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Laut Meister sollten Betriebe betroffenen Mitarbeitern im Falle des Todes naher Angehöriger mehr Zeit zum Trauern einräumen. „Für viele Menschen reichen zwei freie Tage nicht. Vorgesetzte sollten eine besondere Großzügigkeit walten lassen“, sagte der Landesbischof. Er höre von Angehörigen immer häufiger den Satz: „Ich bin zum Trauern nicht gekommen, weil ich den Tod organisieren musste.“ Der Tod sei inzwischen fast vollständig „ökonomisiert“. Alles müsse schnell gehen und billig sein. Bislang haben deutsche Arbeitnehmer Anspruch auf zwei Sonderurlaubstage nach dem Tod eines Kindes, Elternteils oder Ehepartners.

Meister: "Eines Tages brauchen wir keine Friedhöfe mehr"

Der Hintergrund für die verloren gehende Trauerkultur ist nach Ansicht Meisters hochtheologisch. „In unserer Gesellschaft ist der Glauben an die Ewigkeit verloren gegangen“, sagte Hannovers Landesbischof. „Ohne an den Glauben an ein Leben danach endet mit dem Tod alles. Und dann brauchen wir eines Tages auch keine Friedhöfe mehr.“

Grünen-Vizefraktionschef Konstantin von Notz nannte den Umgang mit Tod und Trauer „eine höchstpersönliche und sehr individuelle Frage“. Alle seien „politisch und gesellschaftlich in der Verantwortung, Trauernden den notwendigen Raum für die Organisation wichtiger familiärer und behördlicher Belange, vor allem aber für eine emotionale Auseinandersetzung mit dem Verlust einzuräumen“, sagte von Notz dem RND. Linksfraktionschef Dietmar Bartsch erklärte, es sei „wert, über das Thema Trauer eine öffentliche Debatte anzustoßen“.

Merkel mahnt Notwendigkeit privater Trauerräume an

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die in diesem Jahr ihre Mutter verloren hatte, mahnte am Dienstag auf einer RND-Veranstaltung in Stralsund die Notwendigkeit privater Trauerräume an. Sie wünsche sich einen Raum, in dem „ich auch traurig sein kann, ohne dass ich nun der gesamten Öffentlichkeit darüber Bericht erstatten muss“.

Ich wünsche mir einen Raum, in dem ich auch traurig sein kann, ohne dass ich nun der gesamten Öffentlichkeit darüber Bericht erstatten muss.

Angela Merkel; Bundeskanzlerin

Die frühere Grünen-Chefin Claudia Roth sprach vom „schwersten Moment“ ihres Lebens, als sie mitten im Bundestagswahlkampf 2013 die Nachricht vom Tod ihrer Mutter erhalten habe. Nur widerwillig sei sie bereits einen Tag nach der Beerdigung wieder auf Wahlkampftour gegangen. „Ich habe das alles einfach nicht mehr zusammengekriegt. Ich habe mich gefragt: Was mache ich hier eigentlich, ich habe ja nicht mal Zeit zu trauern?“, sagte sie dem Stern.

Ex-Grünen-Chefin Roth trat nach Tod der Mutter vom Parteivorsitz zurück

Erst Monate später sei die Trauer gekommen, „sie hat mich überwältigt. Plötzlich spürte ich, dass mir die Kraft ausgeht“. Eine „unendliche Einsamkeit“ sei über sie gekommen, sagte Roth. „Ich hatte Angst davor, durch den Druck weiter funktionieren zu müssen, mich allmählich aufzulösen“.

Roth erklärte, dass ihre Entscheidung, unmittelbar nach der Bundestagswahl im September 2013 vom Vorsitz der Grünen zurückzutreten, auch mit dieser schwierigen Lebensphase zu tun hatte. „Ich dachte, die Grünen brauchen jetzt einen Neuanfang - aber ich auch. Für mich!“

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Von Jörg Köpke/RND

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