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Politik Endstation Brexit: Wenn nur die Queen das Drama beenden kann
Nachrichten Politik Endstation Brexit: Wenn nur die Queen das Drama beenden kann
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15:12 14.03.2019
Bei Maischberger herrschte Ratlosigkeit bei der Frage: „Das Brexit-Drama: Kann das Chaos noch verhindert werden?“ Quelle: xR.xSchmiegeltx/xFuturexImage/www.imago-images.de
Berlin

 Eigentlich sollte am Mittwoch-Abend in der Halbrunde der ARD-Talkshow „Maischberger“ über Alltagsdiskriminierung diskutiert werden. Mit Tessa Ganserer vom Bündnis´90/Grüne hätte man dort sogar das erste transidente Parlamentsmitglied begrüßen dürfen. Doch am Mittwoch-Mittag schmeißt die ARD die Planungen um. „Das Brexit-Drama: Kann das Chaos noch verhindert werden?“ lautet die neue Marschroute. Doch gab es auf die Schnelle auch Antworten auf die Frage, die ganz Europa im Atem hält?

Die Gäste

Großbritannien steht vor großen Aufgaben. Nachdem in dieser Woche schon der von Premierministerin Theresa May mit der EU ausgehandelte Brexit-Vertrag abgelehnt wurde, stimmten die Abgeordneten im Unterhaus nun auch gegen einen Brexit ohne Abkommen. Was nun? Sandra Maischberger sucht gemeinsam mit dem Außenminister von Luxenburg, Jean Asselborn, dem ehemaligen ARD-Studioleiter von Brüssel, Rolf-Dieter Krause, dem Europakorrespondenten der „Welt“, Dirk Schümer, dem britischen Politikwissenschaftler Anthony Gleese, der ARD-Börsenexpertin Anja Kohl und dem AfD-Chef Jörg Meuthen nach Antworten.

Der Spieler droht mit dem „Dexit“

Jörg Meuthen sieht den Brexit trotz der chaotischen Zustände gelassen. „So dicke kommt das nicht!“, sagt er und mahnt zur Besonnenheit. Und prophezeit darüber, dass auch Deutschland die Staatengemeinschaft verlassen wird. Es bedürfe dringend Reformen. „Der #Dexit ist nicht das, was wir wollen, sondern das, was zwangsläufig passiert, wenn sie in Europa so weitermachen.“ Mit dem „Dexit“, einem Austritt Deutschlands aus der EU, drohte die Partei jüngst auf dem Europaparteitag. Doch schon AfD-Politikerin Beatrix von Storch war am Sonntag bei „Anne Will“ mit der „Dexit“-Idee vorangeprescht und gescheitert.

Der Besonnene geht auf Fehlersuche

Mit Jean Asselborn nahm der dienstälteste Außenminister der Europäischen Union Platz auf einem der roten Sessel. Schon 2016 hat er dort gesessen und das damalige Referendum als einen historischen Fehler Camerons bezeichnet. Auch dieses Mal bekräftigt der 69-Jährige, dass Camerons Entscheidung zu diesem Chaos geführt habe. Sein Fazit des Abends: Die Briten haben sich überschätzt und werden mit diversen Einschnitten im Alltag zu kämpfen haben.

Die Finanzexpertin liefert die Fakten

Wie Asselborn hat auch Anja Kohl an der 2016er Sendung mitgewirkt. Die Finanzexpertin der ARD fungierte in dieser Runde als Ruhepol. Das merkte man unter anderem daran, dass sie - anfangs ohne nennenswerten Redeanteil - erst von Maischberger zum Reden aufgefordert werden musste. Aber dann lieferte die Börsenexpertin ab. Ihre wichtigste Erkenntnis: Auf den Brexit ist die europäische Wirtschaft besser vorbereitet als die britische.

Der Analytiker beobachtet Täuschung der Briten

Rolf-Dieter Krause ist ehemaliger Leiter des ARD-Studios in Brüssel und wird als Experte für europäische Themen für solch eine Sendung gerne aus der redaktionellen Trickkiste geholt. Der 68-Jährige habe selten so viel Abstand zur Realität erlebt, wie die Briten es gerade präsentieren. Er sieht, ähnlich wie Asselborn, den Kern des Übels in Camerons Referendum und den vielen verdrehten Fakten während der damaligen Brexit-Kampagne.

Der Journalist sieht humoristische Züge im Brexit-Desaster

Dirk Schümer berichtet für die „Welt“ über europäische Themen, Politik, Gesellschaft und Kultur. Bei Maischberger vergleicht er die Komplexität der Brexit-Problematik mit Literatur und Komödie: Das Theater im britischen Unterhaus habe Anzeichen von Shakespeare-Dramen gehabt – sei mittlerweile aber eher zu einem Monty-Python-Stück verkommen. Monty Pyton ist eine ehemalige britische Komikergruppe. Auch er ist überzeugt: „Die Briten haben sich überschätzt.“

Der Politologe nimmt die Queen in die Pflicht

Last but not least: Anthony Gleese. Der Historiker und Politologe fiel vor allem durch seine farbenfrohe Krawatte und sein Lächeln auf, welches er über die gesamte Sendezeit aufrecht zu erhalten schien. Der 69-Jährige plädiert für ein starkes Wort und sieht tatsächlich die Queen in der Pflicht – irgendwer muss die Briten schließlich aus dem Schlamassel führen. Sollte es zu einem erneuten Referendum kommen, hält er die Bürger des Vereinten Königreiches heute für besser informiert als damals. Dennoch ist er überzeugt: „Der Brexit wird kommen und Großbritannien einen Schritt aus der Moderne ins 19. Jahrhundert zurückgehen.“

Der hitzigste Moment

Erst nach einer halben Stunde kam richtig Feuer in die Runde – und zwar genau da, als Maischberger die Schuldfrage stellt. Es fallen Namen: Der ehemalige Premierminister David Cameron hätte das Referendum nicht durchführen dürfen, Kanzlerin Angela Merkel hätte für sichere EU-Außengrenzen sorgen sollen, der ehemalige Chef der Ukip und vehementer Brexit-Verfechter, Nigel Farrage, habe die Gunst der Stunde genutzt – so richtig einig wird man sich nicht, was auch daran liegen mag, dass die Antwort komplex und nicht mit einem Namen zu klären ist. Für leicht angeheizte Wortwechsel war die Frage aber gut.

Der krasseste Satz

„Wenn ich mich in einem Restaurant nicht entscheiden kann und die Küche macht zu, dann bekomme ich auch nichts mehr zu essen“, brachte Dirk Schümer das Problem der britischen Unentschlossenheit auf den Punkt. Denn kommt der Austritt aus der EU zeitnah und mit aller Härte, dann werden Croissant und Sauerkraut zu Luxusgütern.

Die Frage des Sendungstitels („Kann das Chaos noch verhindert werden?“) vermag die Runde nicht zu klären. Ähnlich wie im britischen Unterhaus zeugen die Meinungen und Beiträge der Gäste von der Komplexität der Problematik. Aber anders als im Unterhaus verlief die Runde harmonisch, ohne großes Gezeter und Unfreundlichkeiten.

Das letzte Wort

Einzig das letzte Wort von Jörg Meuthen hätte noch für Zündstoff sorgen können: „Wir ( die AfD, Anm. d. Red.) sind die wahren Europäer.“ Leider ist die Sendezeit vorbei, Maischberger moderiert die Runde ab. Ob Meuthen dieses Statement mit Absicht so prominent ans Ende gesetzt hat? Da wo niemand widersprechen kann? Eines ist sicher und das weiß auch Sandra Maischberger: „Es wird sicher nicht die letzte Sendung zu dem Thema gewesen sein.“

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Von Moritz Naumann/RND

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