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Politik Die Chance auf einen Platz im Wohnheim ist so schlecht wie nie
Nachrichten Politik Die Chance auf einen Platz im Wohnheim ist so schlecht wie nie
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06:22 15.07.2019
Viele Studenten haben Schwierigkeiten, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
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Berlin

Mehr Studenten, fehlende Wohnheimplätze: Seit dem Jahr 2005 hat die Zahl der Studenten um 45 Prozent zugenommen, die Zahl der öffentlich geförderten Wohnheimplätze nur um 8,5 Prozent. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Die Chance auf einen Platz im Wohnheim ist damit so schlecht wie noch nie seit der Wiedervereinigung: Die Unterbringungsquote liegt nur noch bei 9,6 Prozent, 1991 waren es noch fast 15 Prozent.

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„Das Allzeittief bei den Wohnheimplätzen muss der Bundesregierung ein Weckruf sein“, sagte Kai Gehring, hochschulpolitischer Sprecher der Grünen, dem RND. „Eine Wohnheim-Offensive gemeinsam mit den Ländern ist die richtige Antwort auf lange Wartezeiten auf einen Wohnheimplatz“, forderte er. „Andernfalls drohen zu Semesterbeginn weiter Zelt- und Matratzenlager auf dem Campus.“

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Gleichzeitig macht der Anstieg der Mieten auch vor den öffentlich geförderten Wohnheimen nicht halt. Zwischen 2010 und Ende 2017 stiegen die Preise dort um mehr als 18 Prozent, wie sich aus der Antwort der Bundesregierung ergibt. Die Monatsmiete in den Wohnanlagen der Studentenwerke belief sich demnach Ende 2017 auf durchschnittlich rund 246 Euro. Damit ist das Leben im öffentlich geförderten Wohnheim noch immer die preisgünstigste Unterbringung für Studierende – es sei denn, sie leben noch bei den Eltern.

Dass der Mietpreisboom auch Studenten trifft, zeigt regelmäßig der Studentenwohnpreisindex im Auftrag des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Demnach sind vor allem die Mieten für Studenten in Berlin seit 2010 mit einem Plus von 67,3 Prozent überdurchschnittlich stark gestiegen, wie die Untersuchung ergab, die im Oktober 2018 veröffentlicht wurde. Doch auch anderswo legten die Mieten zu. In Greifwald etwa mussten Studenten real fast zehn Prozent mehr Miete zahlen als in 2010.

Die Grenzen der Mietpreisbremse

Der baupolitische Sprecher der Grünen, Chris Kühn, sagte, angesichts der gestiegenen Mieten bleibe den Studenten immer weniger Geld zum Leben übrig. Zwar habe die Zahl der privaten Wohnheimplätze – anders als die der öffentlich geförderten – sehr stark zugenommen. „Das hilft Studierenden aber wenig, wenn sie dafür gezwungen sind, ganz tief in die Tasche zu greifen“, sagte Kühn. „Möblierte Wohnungen und Zimmer gehören zu den vielen unsinnigen Ausnahmen in der löchrigen Mietpreisbremse dieser Bundesregierung“, sagte er. Die Schlupflöcher müssten weg – „auch und gerade in unseren Universitäts- und Hochschulstädten“.

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD heißt es: „Auch die Schaffung studentischen Wohnraums, u. a. auch Wohnheimplätze, wollen wir fördern.“ Die Bundesregierung verweist auf Mittel, die sie den Ländern für den sozialen Wohnungsbau gibt – und die auch für Wohnheime verwendet werden könnten. Die Grünen fordern dagegen, Bund und Länder sollten gemeinsam ein Programm auflegen, das ausdrücklich auf den Bau von Studentenwohnheimen zielt.

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Von Tobias Peter/RND

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