Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik „Hart aber fair“: Lafontaine, Heil und Graf Lambsdorff im Sozial-Zoff
Nachrichten Politik „Hart aber fair“: Lafontaine, Heil und Graf Lambsdorff im Sozial-Zoff
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:17 07.05.2019
Talkshow-Gastgeber Plasberg: „Es grummelt in diesem Land.“ Quelle: Horst Galuschka/dpa
Berlin

Es sollte eine Sendung werden über dieses Gefühl, dass etwas aus den Fugen geraten ist in der Republik, dass die soziale Schere immer weiter auseinander geht. Eine Bestandsaufnahme, eine Vermessung der sozialen Realität in Deutschland – soweit es jedenfalls ein Format wie „Hart, aber fair“ zulässt.

Die Gäste

Vier Herren, eine Frau. Ganz links sitzt Immobilienunternehmer Christoph Gröner, der klassisch wirtschaftsliberal argumentiert und gleich zu Beginn mit der These einsteigt, dass es kein Menschenrecht auf Wohnen in der Innenstadt von Berlin oder Frankfurt/Main gebe. Daneben sitzt Sozialunternehmerin Sina Trinkwalder. In der Mitte hat Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) Platz genommen, an seiner Seite FDP-Mann Alexander Graf Lambsdorff, eigentlich ein Außenpolitiker. Rechts außen: Oskar Lafontaine, früher SPD-Chef und dann nach dem Bruch mit seiner alten Partei und dem Streit um die Hartz-IV-Reformen Gründer der Linken.

Eine Runde, die Zuspitzung verspricht, maximale Gegensätze, packende Rededuell. „Hören Sie jetzt mal zu!“, raunzt Arbeitsminister Heil. „Vulgärmarxismus“, wirft Immobilienunternehmer Gröner Linken-Politiker Lafontaine vor. So geht es in dieser mitunter hektisch-zerfahrenen Sendung zu.

Darüber wurde diskutiert

 „Keine Frage: Es grummelt in diesem Land, und zwar weil die Menschen das Gefühl haben, dass der Satz ‚Arm durch Arbeit, reich durch Immobilien‘ keine Parole ist, sondern ein Symptom“, leitet Moderator Frank Plasberg ein – und tippt gleich auf den Knopf fürs erste Einspielfilmchen. Eine Frau wird auf der Straße gefragt, ob ihre Tochter es einmal besser haben solle als sie. „Ja, natürlich, dafür kämpft man doch als Mutter“, lautet die Antwort. Nur wie?

Im Zentrum des Abends: Das große Aufstiegsversprechen, das einst mit der sozialen Marktwirtschaft verbunden war. Es geht um Mindestlohn und Mieten, um Wohlstand, Vermögen und die Dumping-Löhne von Paketboten, die von Subunternehmen angeheuert werden.

Nur wenige Minuten läuft die Sendung – und da ist sie auch schon bei Kevin Kühnert und der von ihm angestoßenen Sozialismus-Debatte um Enteignungen und die Kollektivierung von Unternehmen angelangt. Ohne den Juso-Chef und dessen Wortmeldungen der vergangenen Woche hätte Plasberg sicher ein anderes Thema gewählt.

„Unfug“, meldet sich Immobilien-Fachmann Gröner zu Wort, sei die ganze Enteignungsdebatte. Sie schrecke Investoren ab. „Die stehen da und überlegen, ob sie nicht ein anderes Land gehen“, sagt der Unternehmer. Die Verunsicherung reiche schon aus, und es gebe weniger Neubauten. SPD-Mann Heil geht auf Distanz zu Kühnert: „Meine Meinung ist das nicht. Ich bin nicht für Enteignungen.“  

Der Aufreger des Abends

Lafontaine, auch mit seinen inzwischen 75 Jahren noch ein Freund von Zuspitzung und Provokation, bekommt Applaus, als er sich an BMW abarbeitet und Zahlen von 2017 zitiert. Für seine damals 87.000 Beschäftigten habe das Unternehmen in diesem Jahr rund 8,7 Milliarden Euro ausgegeben, 1,2 Milliarden Euro seien dagegen an die Anteilseigner Susanne Klatten und Stefan Quandt gegangen. Zwei Menschen, die so viel bekommen hätten wie rund 10.000 Beschäftigte, das sei doch „irre“. Prompt springt FDP-Mann Lambsdorff für die BMW-Erben in die Bresche, die Familie sei voll „ins unternehmerische Risiko“ gegangen und habe für Wohlstand und Jobs gesorgt.

Lafontaine lässt das alles nicht gelten. Das sei ja „wie bei Grimms Märchen“, hält er Lambsdorff entgegen: „Sie glauben wohl immer noch, die Kaiser und Könige hätten die Schlösser gebaut. Sie haben die Steine nicht geschleppt.“ Die Grundlage der Wirtschaft in Deutschland sei massenhafte Enteignung von Arbeitnehmern, poltert der Linken-Mann weiter.

Der emotionalste Augenblick

Das ist der Moment, in dem es am lautesten wird im Studio. „Das ist ja die Lafontaine-Show hier“, ruft Arbeitsminister Heil. „Das ist nicht die Wahrheit über Deutschland“, empört sich der SPD-Politiker über Lafontaine und dessen BMW-Beispiel. Lieber will Heil über Tarifverträge sprechen, über Gewerkschaften, die am Verhandlungstisch in der Lage sind, etwas durchzusetzen, und über die Vorzüge der sozialen Marktwirtschaft.

Fazit

Am Ende einer turbulenten Debatte steht inhaltlich wenig wirklich Neues. Nur weiß man jetzt, dass Lafontaine-Ehefrau Sahra Wagenknecht vor dem Fernseher sitzt, wenn ihr Mann in Talkshows ist. Oder dass Arbeitsminister Heil, Kevin Kühnert eigentlich für „einen klugen Kerl“ hält, aber nicht alles, was der Juso-Chef sage, gleich SPD-Position werden müsse.

Am erstaunlichsten ist dann doch, dass Immobilien-Unternehmer Gröner am liebsten mit Lafontaine in eine WG ziehen würde, um ihn in langen Gesprächen davon zu überzeugen, dass es Linkspartei und SPD wieder zusammengehen müssten. Und zwar mit dem Ziel. die Interessen „des kleinen und des armen Mannes“ zu vertreten. „Dafür sind nicht viele Gespräche notwendig“, antwortete Lafontaine schelmisch lächelnd. Was genau er damit meint, bleibt allerdings sein Geheimnis an diesem Abend.

Lesen Sie auch: Wohlstand in Deutschland auf Niveau der Neunziger

Von Rasmus Buchsteiner/RND

Die Linke im Bundestag fordert, dem „Treuhand-Trauma“ erneut nachzugehen und will dazu auch den ehemaligen Bundesfinanzminister einladen. Der sagt: „Angst habe ich keine.“

07.05.2019

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will E-Roller, die nicht schneller als 12 Kilometer pro Stunde fahren, künftig auf Gehwegen zulassen. Die deutsche Versicherungswirtschaft ist nicht glücklich mit den Plänen.

07.05.2019

Außenminister Heiko Maas will beim bevorstehenden Berlin-Besuch seines US-Amtskollegen Mike Pompeo nach Lösungen für internationale Konflikte suchen. Denn ohne die USA, so Maas, ließe sich kein Großthema bearbeiten.

07.05.2019