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Politik Rauchen, trinken, schlemmen: Deutschland reguliert am wenigsten
Nachrichten Politik Rauchen, trinken, schlemmen: Deutschland reguliert am wenigsten
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12:22 30.04.2019
Deutschland gilt als Paradies des Ungesunden – EU-weit sind schädliche Genussmittel hierzulande am wenigsten besteuert und reguliert. Quelle: Lino Mirgeler/dpa
London/Berlin

Deutschland ist das Land des ungehemmten Genusses. Das legt eine Studie eines Londoner Forschungsinstituts nahe. In keinem anderen EU-Land werden Alkohol, Essen, Tabak und E-Zigaretten so wenig reguliert und besteuert, hat das „Institute for Economic Affairs“ (IEA) herausgefunden.

Das marktliberale Institut ermittelt jährlich den so genannten „Nanny State Index“ (Kindermädchen-Staat-Index). Der Name zeigt bereits, wie die auch von der Tabakindustrie unterstützten Forscher das Thema sehen: Je weniger sich der Staat in den Konsum einmischt, desto besser.

Finnland und Estland rangieren ganz oben

Ein nordeuropäischer Staat rangiert traditionell ganz oben auf der Nanny-Liste. Supernanny-Staat ist Finnland, gefolgt von zwei baltischen Aufsteigern: Litauen und Estland. Litauen hat 2018 verschärfte Alkohol-Gesetze eingeführt. Estland erhöhte die Steuern auf alkoholische Getränke und führte zudem eine Limonaden-Steuer ein.

Deutschland wird von den Autoren gelobt: „Deutschland ist das beste Land, um zu trinken, zu rauchen und zu schlemmen“, fasst der Autor Christopher Snowdon die Studie zusammen. Die Bundesrepublik habe keine Zuckersteuer, auch die Steuern auf Tabak, Alkohol und Bier seien unter dem EU-Durchschnitt.

Zudem habe die Bundesrepublik vergleichsweise liberale Regelungen für Tabak- und Alkoholwerbung. Im europäischen Vergleich sei auch das Rauchverbot vergleichsweise harmlos, schließlich hätten nur drei von 16 Bundesländern ein wirklich umfassendes Rauchverbot erlassen. Ein weiterer Pluspunkt für Snowdon: In Deutschland können E-Zigaretten ohne Restriktionen verkauft werden.

Kritik der Krankenkassen

„Dieses Ranking ist absurd“, sagte Luise Molling von der Organisation Foodwatch der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ). Es werde so getan, als sei „jedwede gesundheitspolitische Maßnahme gleich eine Bevormundung und ein Eingriff in die individuelle Freiheit“. In Wahrheit hinke „Deutschland in der internationalen Entwicklung im Gesundheitsschutz meilenweit hinterher“.

Widerspruch kommt auch von den Krankenkassen: „Unter Gesundheitsexperten ist es völlig unstrittig, dass Regierungen durch Gesetze die Gesundheit der Bevölkerung fördern können“, sagt Kai Kolpatzik, Leiter der Abteilung Prävention des AOK-Bundesverbandes der FAZ. „Deutschland aber gleicht in vielen Bereichen sinnvoller staatlicher Krankheitsprävention einem Entwicklungsland.“ Als Beispiele nennt er die mangelnde Reduktion von Zucker in Nahrungsmitteln und ein fehlendes umfassendes Tabakwerbeverbot.

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Von Christoph Hoeland und Jan Sternberg/RND

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