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Politik „Die Ärztegruppe beachtet die Grenzen ihres Wissens nicht“
Nachrichten Politik „Die Ärztegruppe beachtet die Grenzen ihres Wissens nicht“
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09:55 24.01.2019
Mehr als hundert Lungenspezialisten bezweifeln den gesundheitlichen Nutzen der aktuellen Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Berlin

Sind Autoabgase wirklich so gefährlich wie gedacht? Mehr als hundert Lungenspezialisten bezweifeln den gesundheitlichen Nutzen der aktuellen Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide (NOx). Sie sähen keine wissenschaftliche Begründung, die die geltenden Obergrenzen rechtfertigen würde, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme. Viele Studien, die Gefahren durch Luftverschmutzung zeigen sollen, hätten erhebliche Schwächen.

Die Ärzte befeuern mit ihren Zweifeln den alten Streit um Grenzwerte und Diesel-Fahrverbote. Und sie bieten den Kommentatoren der bundesdeutschen Presse Anlass zur kritischen Auseinandersetzung. Ein Überblick über die aktuellen Pressestimmen:

Frankfurter Allgemeine Zeitung“: Befürworter strenger Werte verfolgen politische Ziele

„Wie auch immer die Gesundheitsgefährdung durch Feinstaub und Stickoxide zu bewerten ist, gerade die Befürworter noch strengerer Grenzwerte geben selbst zu, dass sie damit politische und soziale Absichten verfolgen, nicht wissenschaftlich bewiesene Fakten schaffen. Sie handeln damit aber nach dem Motto: Im Fluss ertrinkt nur dann niemand mehr, wenn es kein Wasser mehr gibt. Grenzwerte können nie niedrig genug sein, um auf der sicheren Seite zu sein. Sind sie aber da, müssen sie eingehalten werden. (...) Ist es also wirklich so, wie ein Grünen-Abgeordneter am Mittwoch beklagte, dass die Debatte über Fahrverbote in einer ohnehin unübersichtlichen Lage erst durch den Einspruch der Wissenschaftler ,chaotisiert’ werde? Wenn, dann ist das Chaos Ergebnis einer grün-betonierten Stromlinie.“

Lesen Sie hier den RND-Kommentar: Positionspapier der Lungen-Experten ist polemisch

„Nürnberger Nachrichten“: Skurrile Argumente der Lungenärzte

„Pneumologen verstehen etwas von Lungenkrankheiten, davon ist auszugehen. Sie müssen sich aber nicht zwangsläufig in Statistik auskennen oder in Epidemiologie, der Wissenschaft zur Erforschung von Massenerkrankungen. Die Ärztegruppe um Professor Dieter Köhler, die jetzt die Grenzwerte für Stickoxide und Feinstaub in Zweifel zieht, beachtet offensichtlich die Grenzen ihres Wissens nicht. Das Argument, die Unterzeichner hätten als Ärzte noch keine Feinstaub- oder Stickoxid-Toten gesehen, ist skurril. Solche Zusammenhänge sind im Einzelfall kaum zu erkennen. Endgültig verantwortungslos wird das Papier aber, wenn es die Aufhebung der bestehenden Grenzwerte ins Gespräch bringt. Denn das widerspricht dem ärztlichen Auftrag, die menschliche Gesundheit zu schützen.“

„Darmstädter Echo“: Das Auto ist nicht das alleinige Problem

„Wo bis in die jüngere Vergangenheit zu oft im Sinne vieler Industrien bedenkenlos über Gefährdungen hinweg gegangen worden ist, passiert heute das exakte Gegenteil. Vom Zeitgeist unterstützt, können kleine Gruppen von Apokalyptikern komplette Diskussionen kapern. Auch, weil viele Menschen den Schwarz-Weiß-Mechanismen des Digitalzeitalters erliegen und statt komplexer Sachverhalte lieber einfache Botschaften wollen. Daraus entsteht für einschlägig interessierte Strategen wie die sogenannte Deutsche Umwelthilfe politisierbares Kapital. Dazu noch eine schwache Regierung und eine betrügerische Branche, und schon sieht es für Sachlichkeit so duster aus wie das Innere eines Lkw-Auspuffs. Sie muss aber dringend wieder her. Bei Feinstaub und Stickstoffdioxid gehören alle Faktoren betrachtet. Und: Gegen Fahrräder oder Bahnen hat niemand etwas. Im Gegenteil. Sie sind gesund und sorgen für mehr Lebensqualität. Aber sie sind nicht die alleinige Lösung. Wie umgekehrt das Auto nicht das alleinige Problem ist.“

Neue Osnabrücker Zeitung“: Grenzwerte werden willkürlich festgelegt

„Selbstverständlich lohnt es, den Ausstoß zu senken. Das richtige Maß aber gilt aber nicht nur für die Stoffe, sondern auch bei Verboten. Hier lässt sich kaum ernsthaft abstreiten, dass die Grenzwerte namentlich für Stickoxid in der EU weitgehend willkürlich festgelegt wurden. Nun gab es seit langem Lungenärzte, die der Hysterie widersprachen. Es folgte daraus zunächst nichts. Jetzt zeigt sich, dass eine ganze Menge Mediziner die Grenzwerte in Relation für baren Unsinn halten, Werte, wegen derer Unternehmen, Städte und Bürger aufs Äußerste belastet wurden. Bleibt die Frage, ob der Warnruf zu spät kommt, oder vielmehr, warum er so spät erst gehört wird.

Westfalenpost“ (Hagen): Fahrverbote treiben den Unsinn auf die Spitze

Grenzwerte sollen Politik und Behörden dabei helfen, sinnvoll zu entscheiden. So weit die Theorie. In der Praxis wird es etwas komplizierter. In vielen Punkten ist sich die Wissenschaft nicht einig, gibt es veraltete und neuere Methoden und entsprechend unterschiedliche Schlussfolgerungen. Die derzeitige Debatte um Stickoxide und Feinstaub ist geradezu ein Paradebeispiel. (...) Speziell in Deutschland sind Messstationen an besonders exponierten Plätzen aufgestellt. Um den Unsinn auf die Spitze zu treiben, werden Fahrverbote und Tempolimits ausgesprochen. Mit der Folge, dass bei der Umfahrung gesperrter Straßen und im Betrieb in niedrigeren Gängen noch mehr Abgase ausgestoßen werden. Einer Gruppe von Lungenfachärzten ist das Treiben zu bunt geworden. (...) Wissenschaftliche Erkenntnisse haben aber gegenüber emotionaler Berichterstattung und öffentlichkeitswirksamen Protesten an Bedeutung und Wirkung verloren. Der Grundsatz ,Macht euch die Erde untertan’ ist so falsch wie die Verteufelung ganzer Industriezweige. Eine mutwillig in die Krise gestürzte Volkswirtschaft wird nicht zu einer besseren Umweltpolitik beitragen können. Aber vielleicht gelingt es uns wenigstens, in der Debatte das Gleichgewicht zwischen Emotionalität, Wissenschaft und Wirtschaft wieder herzustellen.“

„Neue Ruhr Zeitung“ und „Neue Rhein Zeitung“ (Essen): Autoindustrie muss liefern

Was ist denn nun richtig? Nachdem 107 Lungenfachärzte die Feinstaubwerte öffentlichkeitswirksam für unsinnig erklärten, ist die Verwirrung noch größer. Sind Fahrverbote also überflüssig? So einfach ist es nicht. Fest steht allein, dass Pendler und Handwerker seit Monaten zutiefst gefrustet und verärgert sind. Sie haben sich ihren Diesel nicht aus lauter Lust am Gasgeben gekauft, sondern weil sie sparsam und umweltschonend unterwegs sein wollen. Fest steht zudem, dass in Millionen Autos eine Elektronik gute Abgaswerte nur vorgaukelt. Das ist Betrug: am Kunden genauso wie an der Umwelt. In den USA wurden die Autobauer daher zu Schadenersatz und Nachrüstung verdonnert. Bei uns hingegen ziert sich der Bundesverkehrsminister. Noch immer ist die Industrie nicht zur Nachrüstung verpflichtet. Das erbost viele Dieselfahrer zu Recht. Wenn nun 107 Lungenärzte die Schadstoffgrenzen für überzogen halten, dann wirkt das für manche wie eine Befreiung aus dem Ärger über die politische Untätigkeit. (...) Wichtig ist daher, dass der Verkehrsminister endlich Klartext mit der Autoindustrie redet: Sie muss liefern, wenn sie weniger Schadstoffe verspricht. Dazu sind Umwelt und Gesundheit viel zu wichtig.“

Von RND/dpa/jw

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