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Nachrichten Politik Bundeskriminalamt warnt vor Tschetschenen-Mafia in Deutschland
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18:18 09.05.2019
Verhaftung eines Anführers 2013 in Moskau: Die tschetschenische Mafia weitet ihr Aktionsfeld von Russland nach Deutschland aus. Quelle: Sergei Karpov/dpa
Berlin

Tätowierte Oberarme, PS-starker Untersatz, die Kalaschnikow stets griffbereit: Auf den ersten Blick wirken sie wie brutale Rocker. Gewalt ist ihre Währung.

So wie 2016, als mitten auf einer viel befahrenen Straße in Berlin-Charlottenburg ein stadtbekannter Drogenboss von einer Autobombe getötet wurde. Die Spuren führten damals überraschend in die Tschetschenen-Szene. Die Öffentlichkeit war entsetzt. Bombende Tschetschenen? Mitten in Deutschlands Hauptstadt? Viele hielten das auf dem Höhepunkt des islamistischen Terrors in Europa zunächst für einen schlechten Scherz.

BKA: Tschetschenen-Mafia breitet sich in Deutschland aus

Jetzt steht jedoch fest: Fast unbemerkt konnte sich die Tschetschenen-Mafia seit einigen Jahren in Deutschlands Unterwelt breit machen. Das geht aus einer Analyse des Bundeskriminalamtes (BKA) hervor, über die der „Spiegel“ berichtet.

Experten der BKA-Spezialabteilung Schwere und Organisierte Kriminalität (OK) haben ein Jahr lang ihre Erkenntnisse über „Nordkaukasisch-dominierte OK-Strukturen“ zusammengetragen. Beteiligt waren neben neun Landeskriminalämtern auch Nachrichtendienste, der Zoll sowie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Die Operation lief unter dem Decknamen „Borste“ ab.

„Überdurchschnittlich hohe Gewaltbereitschaft“

Die Daten beziehen sich auf einen harte Kern von etwa 200 Personen, die der Szene angehören sollen. Die Auswertung zeichnet ein düsteres Bild. Laut der 44 Seiten umfassenden Analyse geht die Tschetschenen-Mafia äußerst brutal vor. „Sie weisen eine überdurchschnittlich hohe Eskalations- und Gewaltbereitschaft auf und treten zunehmend in Verbindung mit Tötungsdelikten in Erscheinung“, heißt es in dem Papier.

Straffällige Tschetschenen handeln mit Drogen, begehen bandenmäßigen Diebstahl und beteiligen sich an Erpressungen. Wer nicht spurt, wird beseitigt. Auch in Sicherheitsunternehmen sind Mitglieder der Szene aktiv – nicht selten vor Flüchtlingsunterkünften.

Mafia schleust gezielt Mitglieder in Sicherheitskreise ein

Laut Analyse fanden die Ermittler Angehörige der tschetschenischen Mafia sogar als Wachmänner für Polizeigebäude. Dieses gezielte Einschleusen von Vertrauten und Kontaktleuten in Sicherheitskreise kannte man zuvor nur von der italienischen Mafia. Betroffen waren bevorzugt Einrichtungen von Spezialeinsatzkommandos (SEK) und Mobilen Einsatzkommandos (MEK). Ziel: der Einblick in polizeitaktisches Vorgehen.

Auch nach dem Anschlag der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) auf den Berliner Breitscheidplatz im Dezember 2016 führten lose Fäden ins tschetschenische Milieu. Der Attentäter Anis Amri hielt sich mehrfach in Moscheen auf, die regelmäßig von Tschetschenen aufgesucht wurden. Zwar fand das BKA bislang noch keine Belege für eine enge Verbindung zwischen beiden Milieus. Die Experten empfehlen aber, mögliche Schnittmengen aufmerksam zu beobachten.

Verbindungen der Tschetschenen-Mafia zu Anis Amri?

Nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) prüft der Staatsschutz seit einigen Monaten nicht nur mögliche Verbindungen einzelner Angehöriger der Tschetschenen-Mafia zu Amri, sondern auch, welche Rolle tschetschenische Terrorhelfer im Falle des Berlin-Anschlags überhaupt gespielt haben könnten.

Amri hielt sich unmittelbar vor seiner Todesfahrt über den Weihnachtsmarkt am Fuße der Gedächtniskirche über Monate in der Fussilet-Moschee in Berlin-Moabit auf, die über Jahre Treffpunkt für aus Tschetschenien stammende Islamisten war.

Mehr illegale Einreisen aus dem Nordkaukasus nach Deutschland

Sicherheitsbehörden beobachten verstärkt illegale Einreiseversuche von Tschetschenen mit russischen und weißrussischen Pässen über die polnisch-deutsche Grenze. Das geht aus vertraulichen Berichten des Gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrums illegale Migration hervor, der dem RND vorliegt.

Die BKA-Beamten berichten von großen Schwierigkeiten, in die Szene vorzustoßen. Der Zusammenhalt in familienähnlichen Strukturen sei besonders eng, Verräter würden gnadenlos abgestraft. Loyalität und Ehre seien Begriffe, die groß geschrieben würden. Es handele sich um eine sich stark abschirmende Parallelgesellschaft.

Mehrzahl der Tschetschenen in Deutschland lebt unauffällig

Nach Angaben des Bamf halten sich zurzeit bis zu 50.000 Nordkaukasier in Deutschland auf. Rund 80 Prozent von ihnen seien Tschetschenen. Die überwiegende Mehrzahl lebe völlig unauffällig. Werde doch jemand straffällig, verhindere ein Kompetenzwirrwarr verschiedener Behörden oftmals die Abschiebung der Täter.

Von Jörg Köpke/RND

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